Neu-Ulm Bella-Italia-Kult: Saisonauftakt des Vespa Clubs Ulm

Neu-Ulm / BERND RINDLE 13.04.2014
Zum Saisonauftakt im Zweitakt hat sich der Vespa Club Ulm am Samstag zu einer gemeinsamen Ausfahrt in Neu-Ulm getroffen und den Besuchern gleichermaßen die Gelegenheit gegeben, die gesamte Bandbreite der italienischen Motorroller-Klassiker in Augenschein zu nehmen.

Dass der Frühling in der Luft liegt, hat man am Samstag mit jedem Atemzug gemerkt. In der Oldtimerfabrik Classic roch es jedoch nach Abgasen.

Das erhöhte Wespenaufkommen war im konkreten Fall einmal nicht dem milden Winter geschuldet, und es musste auch kein Imker zur Entfernung des Nests gerufen werden. Im Gegenteil: Die Ansammlung dieser Insekten war geradezu erwünscht beim „Frühjahrsopening“ in der Oldtimerfabrik Classic. Allein der bloße Name ist Kult: Vespa!

Zum Saisonauftakt im Zweitakt hat sich der Vespa Club Ulm zu einer gemeinsamen Ausfahrt in Neu-Ulm getroffen und den Besuchern gleichermaßen die Gelegenheit gegeben, die gesamte Bandbreite der italienischen Motorroller-Klassiker in Augenschein zu nehmen.

Die so bunt ist, wie die Schar ihrer Besitzer, die Scooter aus nahezu allen Produktions-Epochen präsentierten: Vom Klassiker der 50er Jahre, als hinten der Damensitz und vorne der Herrenwitz der letzte Schrei waren, bis zum postmodernen, hochgetunten Rennroller. Vom bis zur kleinsten Original-Schraube restaurierten Oldie bis zum Retro-Roller im amerikanischen Diner-Stil samt Bonbonfarbe und Karo-Trittbrett.

Jedes einzelne dieser Unikate verriet die Gesinnung ihrer Besitzer: Einmal Vespa – immer Vespa. Auch wenn die Wespentaille über die Jahre vereinzelt zum mittleren Ring mutiert ist.

Dass die Roller einmal den Siegeszug durch die ganze Welt antreten könnten, war noch nicht abzusehen, als der italienische Flugzeughersteller Piaggio nach dem Zweiten Weltkrieg umsatteln und sich ein neues Betätigungsfeld suchen musste. Und so entwickelte Corradino D’Ascanio statt eines Hubschraubers zwangsläufig den ersten Motorroller – mit Schubkarrenreifen, einem Direktantrieb und einem verkleideten Flugzeug-Anlassermotor. Namensgeber des Vehikels war Firmenchef Enrico Piaggio persönlich, für den der Prototyp aussah wie eine Wespe.

Die „fliegt“ nun in aller Herren Länder, nachdem 1946 mit der Serienproduktion begonnen wurde. Mit einem Hubraum von knapp 100 Kubikzentimetern, 3,2 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern trat das Gefährt seinen globalen Siegeszug an und vermittelt seitdem das italienische Lebensgefühl auf zwei Rädern. Das freut nicht nur den römischen Stenz im Lenz.