Das Dichterviertel westlich des Hauptbahnhofs soll im Lauf der nächsten zehn Jahre zu einem modernen Wohngebiet umgewandelt werden. Die Grundlage dafür bietet ein städtebaulicher Wettbewerb, der am Freitagabend entschieden wurde. Das Berliner Landschafts- und Architekturbüro Böhm, Benfer, Zahiri (bbzl) hat den ersten Preis gewonnen und aus Sicht von Stadtplanungschef Volker Jescheck einen "sehr großstädtischen Entwurf" abgeliefert. Dessen charakteristisches Merkmal sind Wohnanlagen mit großen Innenhöfen, die Ruhezonen für die Bewohner darstellen.

Im nördlichen Teil des Dichterviertels - so genannt wegen der nach Goethe, Schiller, Hauff, Kleist und Mörike benannten Straßen - sollen im Lauf von zehn Jahren bis zu 500 neue Wohnungen entstehen. "Das wird größer als der Safranberg", sagte Jescheck. Er und die Chefin der städtischen Sanierungstreuhand (San), Angela Wagner, zeigten sich auch begeistert von den neu geplanten Straßenverläufen nördlich der Bleichstraße: Wagner: "Da pfeift nichts durch."

Zur Attraktivität des neuen Wohngebiets trägt insbesondere die Nähe zum Ulmer Hauptbahnhof bei, der nach Verlegung der kleinen Blau über eine Unterführung von der Schillerstraße erreichbar sein wird. Die Nähe zur vielbefahrenen Durchgangsstraße B 10 sieht Jescheck ansonsten nicht als Nachteil. Denn die Wohnungen am Westrand des Viertels würden so gebaut, dass die Schlafzimmer nach Osten zu den Innenhöfen hin und somit auf der lärm-abgewandten Seite liegen: "Die Blocks schützen sich selbst." Eine Lärmschutzwand zur Bundesstraße hin sei nicht geplant: "Das wird sehr harmlos geregelt."

Bei der Sanierung handle es sich mit Blick auf alte Industrieanlagen wie das Reifenwerk um eine "typische Konversion", sagte Jescheck. Darüber hinaus gibt es in dem Viertel auch brachliegende Flächen. Es befinden sich jedoch bislang nicht alle der Grundstücke in städtischer Hand. Ein offenes Thema ist offenbar auch, was mit den in die Jahre gekommenen Wohnblocks an der Mörikestraße passieren soll. Dabei gibt es aber keine Eile, machte Jescheck klar. Schließlich habe es auch 25 Jahre gedauert, bis das Sanierungsgebiet "Auf dem Kreuz" seine heutige Form bekommen habe. Letztlich respektiere der Entwurf den Bestand: "Man könnte die Mörikestraße auch halten."

In Sanierungsgebieten hat die Stadt Ulm ein Vorkaufsrecht auf alle Grundstücke. Bei der sukzessiven Bebauung will die Kommune eine Vielzahl von Bauformen und Investoren zulassen: Jescheck: "Es gibt große und kleine Parzellen." Auf den kleineren Grundstücken sollen private Häuslebauer die Möglichkeit erhalten, "Town Houses" oder Stadthäuser zu erstellen. Die Blocks mit den Etagenwohnungen werden vier Geschosse hoch. Der Entwurf muss zunächst in einen Bebauungsplan umgesetzt werden. Dabei gibt es auch eine Bürgerbeteiligung. Beabsichtigter Beginn der Sanierung im Dichterviertel: in drei Jahren.