Europaunion und Donauakademie Bei Europa geht es ums Ganze

Nicht nur Freunde guten Weins, sondern auch überzeugte Anhänger der europäischen Idee: EU-Kommissar Günther Oettinger (links) und Ulms Alt-OB Ivo Gönner auf dem blauen Sofa.
Nicht nur Freunde guten Weins, sondern auch überzeugte Anhänger der europäischen Idee: EU-Kommissar Günther Oettinger (links) und Ulms Alt-OB Ivo Gönner auf dem blauen Sofa. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Bernd Rindle 26.07.2018

Dass Stuttgarter in Ulm ein Heimspiel haben, kommt so häufig nicht vor. Im Fall von Günther Oettinger lag das an alten Weggefährten, vornehmlich aber an ihm selbst, der bei der Premiere des von Alt-OB Ivo Gönner moderierten „Blauen Sofas“ im Roxy kein Blatt vor den Mund nahm und ein Plädoyer für Europa hielt. Nicht zuletzt schrieb er Ulm dabei eine Sonderrolle zu. Was ganz im Sinne der Europäischen Donauakademie und der Europaunion war, die mit der neuen Reihe ihre Kampagne „für ein demokratisches, friedliches und vereintes Europa“ fortsetzen wollen, wie Peter Langer ankündigte.

Die Fülle an Baustellen und Herausforderungen im Blick, mit der dieser Kontinent gegenwärtig konfrontiert ist, riet der EU-Kommissar zur Besinnung auf die gemeinsamen Errungenschaften: „Der Rückweg in Nationalismus und Protektionismus ist falsch.“ Und könnte fatale Folgen haben, sagte er auch hinsichtlich des Handelsstreits mit den USA. Auch in diesem Zusammenhang redete er einem starken, selbstbewussten Europa das Wort: „Mit 500 Millionen Menschen sind wir noch immer der wichtigste Marktplatz der Welt.“

Das versuchen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Handelskommissarin Cecilia Malmström gerade US-Präsident Donald Trump deutlich zu machen, weshalb Oettinger auf dessen Einsichtsfähigkeit hofft. „Ab und zu hat er ja lichte Momente.“ Restzweifel bleiben indes: „Trump stinkt dieses Produkt Europa gewaltig“. Umso mehr plädiert Oettinger für einen geschlossenen Auftritt.

So wichtig wie eine Bundestagswahl

 Was auch im Umgang mit Vladimir Putin gelte, mit dem man zwar den Dialog suchen müsse, aber aus einer Position der Stärke heraus. „Autokraten verachten Schwächlinge.“ Auch in militärischer Hinsicht sieht Günther Oettinger einen europäischen Weg für geboten: „Wir müssen für unsere innere und äußere Sicherheit selbst sorgen.“ Europa müsse erwachsen werden. Damit meinte er ausdrücklich nicht den bayerischen Vorstoß, eine Grenzschutzpolizei aufzubauen: „Das sehe ich sehr kritisch.“ Mehr noch das Fischen seiner Schwesterpartei am rechten Rand. „Man darf sich nicht der Sprache der AfD annähern“, warnte er vor den möglichen Konsequenzen. Die Wähler wählten nicht die Kopie, „sondern das Original“. Die Europawahl im Mai 2019 sei mindestens so wichtig wie eine Bundestagswahl und „ein Pflichttermin für Demokraten. Da geht es ums Ganze!“

 Damit die EU-Erweiterung auf dem Balkan nicht scheitert, rät Oettinger die Menschen frühzeitig mit ins Boot zu holen, um sie etwa auf den angestrebten Beitritt Serbiens vorzubereiten. „Wir brauchen bald mal eine Rede der Kanzlerin.“ Und die Unterstützung einer „Stadt, die in Brüssel unverändert anerkannt ist für ihr Engagement für den Kulturraum der Donau“.

Zweimonatiger Turnus bis zur Europawahl

Programm Das blaue Sofa von Europäischer Donauakademie und Europa-Union ist in Anlehnung an  die Europafarbe in Blau gehalten. Bis zur Europawahl im kommenden Jahr soll es alle zwei Monate eine entsprechende Veranstaltung gegeben, wie Peter Langer mitteilt. Für das Frühjahr soll der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Herrmann zugesagt haben. Angefragt ist auch der österreichische Erfolgs-Autor („Die Hauptstadt“) Robert Menasse.

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