Ulm / Ulrike Schleicher  Uhr
Gute Nachricht für die Bewohner am Eselsberg: Die Einbahnstraßenregelung am Mähringer Weg zum Stifterweg ist aufgehoben worden.

Seit knapp zwei Jahren sind manche Ulmer Wohngebiete weiter weg als üblich. Das liegt an den Umleitungen für die Baustelle für die Linie 2, die etwa Bewohner am Oberen Kuhberg, der Lindenhöhe, am Michelsberg und am Eselsberg für ihren Heimweg nehmen müssen. Stück für Stück entspannt sich die Lage jedoch: Oben auf dem Kuhberg liegen die Gleise schon lange, die Straße ist frisch geteert. Bis auf den Bahnhof ist auch die Stadtmitte weitgehend frei. Nur am Eselsberg – da wird es nicht besser, sondern verzwickter.

Dort ist mit Beginn der Leitungsarbeiten der Fernwärme Ulm (FUG) zur Uni hoch auch der Weinbergweg nicht mehr ungehindert befahrbar. Wie berichtet, hat die bisherige Leitung marode Schweißnähte. Ausfälle drohten. Argumentativ könne man dem nichts entgegensetzen. „Aber Verständnis von den Bürgern kann man auch nicht erwarten“, sagt Edgar Winter, Sprecher der dortigen Regionalen Planungsgruppe (RPG), mit Blick auf die gesamte Verkehrssituation: „Der Eselsberg ist stranguliert.“

So ist der Mähringer Weg seit vielen Monaten nur bergaufwärts zu befahren, Bewohner mancher Straßen müssen weite Bögen fahren, um zu ihren Häusern zu gelangen. Das nächste Ärgernis: Dort auf der Baustelle Mähringer Weg herrsche seit rund drei Monaten Stillstand, sagt Winter. Die Baufirma habe ihre Arbeiter für wichtigere Projekte außerhalb Ulms abgezogen, habe der Baustellenbeauftragte der Linie 2, Werner Reichert, auf Anfrage der RPG mitgeteilt, erzählt Winter. „Wie kann das denn sein?“

Teilstück öffnen

Auf der Suche nach Erleichterungen fiel der RPG und weiteren Bewohnern des Wohngebiets auf, dass man jedoch einfach und ohne verkehrswidrige Umstände zu kreieren, ein rund 40 Meter langes Teilstück zwischen der Straße Am Eselsberg und dem Stifterweg für beide Richtungen öffnen könnte. Nötig an Vorarbeit wäre laut Winter das Einebnen mehrerer Kieshaufen, die auf dem Teilstück lägen. „Dann könnten sich wenigstens die Leute des östlichen Wohngebiets den Umweg sparen.“ Zu Beginn der Bauarbeiten sei dies zunächst auch möglich gewesen. Mit diesem Vorschlag wandte sich die RPG an Reichert. Dieser jedoch habe nur abgewiegelt, empfindet es der RPG-Sprecher. Andere Leute, die bei Reichert gewesen sind, ärgerten sich auch über die „Gleichgültigkeit“ des Baustellen-Moderators: „Wofür ist er da, wenn er die Bürger nicht ernst nimmt?“

„Er ist die Schnittstelle zwischen Bauherr, den Baufirmen und den Bürgern“, erklärt Torsten Fisch, Leiter der Task Force Linie 2 von der Stadt, auf Anfrage der Zeitung. Reichert könne aber keinerlei Entscheidungen bezüglich der Baustellenführungen, -einrichtungen und Zeitpläne treffen. „Er trägt die Anliegen weiter, klärt Angelegenheiten oft direkt vor Ort und Stelle“, ergänzt Fisch. Er gebe Antworten, erkläre, warum etwas ist wie es ist auf der Baustelle. Allein diese Arbeit sei unschätzbar: „Die Baustellenbeauftragten halten uns den Rücken frei.“ (Siehe Infokasten).

Zum Beispiel aktuell an der Römerstraße, wo vor der Albrecht-Berblinger-Grundschule aufgrund der erst am Mittwoch geänderten Straßenführung die Fußgängerampel abgebaut wurde. „Die Eltern machen sich jetzt Sorgen und haben Werner Reichert angerufen.“ In Absprache mit dem Schulleiter und den Eltern überlege man, wie das Problem gelöst werden könne.

Bezüglich des Stillstands am Mähringer Weg räumt Fisch ein, dass „der Gleisbau dem Straßenbau hinterher hinkt und deshalb nichts weitergeht“. Trotz sorgfältigster Planung gehe eben nicht alles „Hand in Hand“ auf so einer Riesenbaustelle. Er verstehe, dass für die Bürger das „Fass manchmal am Überlaufen“ sei, sagt Fisch. Den Vorschlag der Eselsberger werde er prüfen. Sagt’s und ruft eine Stunde später an: „Das Teilstück wird aufgemacht, die Bauarbeiter sind vor Ort.“

1800 Anliegen und Beschwerden bislang

Aufgabe Seit Baubeginn haben die beiden Baustellenbeauftragten Werner Reichert und Hans Hengartner 1800 Anfragen und Beschwerden der Bürger bearbeitet, sagt Torsten Fisch. Vieles davon sei auf dem kleinen Dienstweg geregelt worden. Insgesamt sei das nicht so viel, auch wenn man keine Vergleichsmöglichkeiten habe. Für diese Duldsamkeit müsse man die Ulmer loben.