"Ich bin angesichts dieser Entwicklung der Kosten geschockt." Das war Landrat Erich Josef Geßner wahrlich ins Gesicht geschrieben, als er gestern die sehr kurzfristig anberaumte Pressekonferenz eröffnete. Deren Inhalt: der aktuelle Sachstand der geplanten Erweiterung und Generalsanierung des Lessing-Gymnasiums in der Neu-Ulmer Stadtmitte. Und der sah bei der jetzt bekannt gewordenen Kostenschätzung so verheerend aus, dass Geßner gestern einen Planungsstopp angeordnet hat, um "die Maßnahme neu zu bewerten".

"Das Ergebnis der Kostenschätzung sprengt total den Rahmen", sagte der Landrat. Fakt ist, dass der Bau- und Planungsausschuss des Neu-Ulmer Kreistags im Juni die Pläne des Wettbewerbssiegers für den Erweiterungsbau vorgestellt bekam, aber noch keine konkrete Zahlen. Im Investitionsplan des Kreises sind für das Gymnasium zwölf Millionen Euro eingestellt.

Inzwischen haben die Fachleute "belastbare Zahlen" errechnet. Demnach kommt allein der Erweiterungsbau auf 15,8 Millionen Euro, die Außenanlagen sind darin noch nicht enthalten. Dazu aber kommt noch - für Geßner der "Knackpunkt" - die Generalsanierung des Altbaus mit rund 23 Millionen Euro.

Plus drei Millionen für die Außenanlagen würde die Umsetzung der vorliegenden Planung für das Lessing also 41,5 Millionen Euro kosten, "wobei die Altlasten noch gar nicht berücksichtigt sind".

Gestern Vormittag hat Geßner die Fraktionsvorsitzenden über die aktuelle Entwicklung informiert, damit sich die Kreisräte jetzt Gedanken über das weitere Vorgehen machen können. Am 30. September tritt der Bau- und Planungsausschuss das nächste Mal zusammen.

Der Landrat ließ deutlich durchblicken, dass er bei der Neubewertung der Situation einen "Neubau für erstrebenswert" hält. Aus mehreren Gründen: Vergleichsrechnungen zeigten, dass ein kompakter Neubau den geforderten Raumbedarf auf kleinerer Fläche verwirklichen und außerdem mit deutlich geringeren Unterhaltskosten betrieben werden kann als der sanierte Altbau. "Im Ergebnis wäre die Generalsanierung damit wegen der nachgewiesenen Unwirtschaftlichkeit nicht zuschussfähig, zumal es im Bestand immer zu weiteren negativen Überraschungen kommen kann", sagte Geßner. Laut der Zuschussrichtlinien dürfe die Sanierung nicht teurer sein als 80 Prozent eines vergleichbaren Neubaus.

Sofern sich die Gremien für einen Neubau aussprechen, stellt sich dann die Frage nach dem Standort der Schule. Würde am jetzigen Standort zwischen Augsburger und Offenhauser Straße gebaut, müsste eine "aufwendige Containeranlage als Zwischenlösung angeboten werden", sagte der Landrat weiter. Dagegen "würde ein neuer Standort eine wesentlich kürzere Bauzeit bedeuten. Die Schule könnte dabei ohne Störungen und Baulärm den Unterricht bis zu einem Umzug fortsetzen." Konkret nannte Geßner als denkbaren alternativen Platz ein Gelände unweit der Christoph-Probst-Realschule, also in Wiley-Nähe.

Im November vergangenen Jahres hatte der Neu-Ulmer Kreistag grünes Licht für einen Planungswettbewerb zur Erweiterung und Sanierung des Innenstadt-Gymnasiums gegeben. Ein Preisgericht entschied, dass unter den 23 eingereichten Entwürfen das Konzept des Büros Schuster Architekten aus Düsseldorf das beste sei.

An diesem Konzept übte Geßner keine Kritik. Das Architekturbüro sei nicht für die Kostenexplosion verantwortlich zu machen - die anderen Wettbewerbsteilnehmer seien von ähnlichen Kosten ausgegangen. Ebenso wenig sei die Entwicklung der Verwaltung anzulasten. Es sei vielmehr so, dass die Kosten zu keinem früheren Zeitpunkt so konkret wie jetzt zu berechnen gewesen seien. "Wir konnten deshalb die Bremse nicht vorher ziehen - sondern jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür."

Dennoch sind bereits Kosten angefallen: Die belaufen sich laut Geßner "im schlimmsten Fall" auf rund 850 000 Euro für den Wettbewerb, verschiedene Gutachten über Brandschutz und Baugrund sowie Honorarforderungen von Architekten und Fachplanern.

Der Landrat machte weiter deutlich, dass auch bei einem Komplett- Neubau das Lessing "nicht wesentlich später in ein neues Gebäude einziehen könne als bei der Sanierung", die vier Jahre gedauert hätte. Sollten die Gremien dem Umsteuern zustimmten, könnte 2016 mit dem Bau begonnen werden. Als Bauzeit seien zwei Jahre veranschlagt.

Neue Räume für eine neue Pädagogik