Genossenschaft Baugenossenschaft Neu-Ulm steht gut da

BGNU-Chef Uwe Fliegner: Bauprojekte sind abgesichert.
BGNU-Chef Uwe Fliegner: Bauprojekte sind abgesichert. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / Bernd Rindle 02.08.2018

Attraktivität hat ihre Risiken und Nebenwirkungen – das erfährt Neu-Ulm bereits seit geraumer Zeit, und das wird nach Lage der Dinge noch einige Jahre so bleiben. Die Zeichen stehen unverändert auf Wachstum, der Zuzug geht ungebremst weiter. Und mit ihm die Nachfrage nach Wohnraum, vor allem bezahlbarem, was bei der Jahresversammlung der Baugenossenschaft Neu-Ulm (BGNU) einmal mehr deutlich wurde.

„Diejenigen, die nicht so gut gestellt sind, haben ein großes Problem, adäquaten Wohnraum zu finden“, sagte OB Gerold Noerenberg. Was sich hier in Neu-Ulm in den letzten Monaten und Jahren abgespielt habe, sowohl bei den Mieten, aber auch, wenn man Wohnungen und Häuser kaufen wollte, „ist bemerkenswert und verursacht Probleme“, kritisierte er die Preisentwicklung und den „Verdrängungswettbewerb“ zwischen denjenigen, „die sich das leisten können“.

Um gerade Abhilfe im unteren Preissegment zu schaffen, will die Stadt „in den nächsten Jahren 400 Wohnungen bauen lassen“. Darüber hinaus werde „mit Hochdruck“ versucht, neue Baugebiete auszuweisen. Denn die Liste der Interessenten wird immer länger: Auf ein Grundstück kommen momentan zwischen 15 und 25 Nachfragen, weiß der Verwaltungschef. Allein, der kommunale Grundstückserwerb scheitert oft am mangelndem Verkaufswillen von Eigentümern, vornehmlich Landwirten, die wegen der derzeitigen Zinslage keinen Sinn darin sehen, Geld auf die Bank zu legen, sondern lieber ihr Land verpachten.

Wie nötig bezahlbarer Wohnraum ist, weiß man bei der Baugenossenschaft Neu-Ulm, der aktuell 1195 Mitglieder angehören, nur zu gut. In ihrem Bereich gibt es keinen Leerstand, teilte BGNU-Geschäftsführer Uwe Fliegner den 151 anwesenden Anteilseignern im Edwin-Scharff-Haus mit, die sich auch heuer wieder über eine vierprozentige Dividende freuen können. Aufgrund des Bilanzgewinns von mehr als 273 000 Euro werden knapp 133 000 Euro ausgeschüttet. Was nicht die einzige frohe Botschaft Fliegners war, denn das Projekt auf dem ehemaligen Braun­areal wird mit vier Millionen Euro Baukosten um zwölf Prozent billiger als ursprünglich vorgesehen.

Quadratmeterpreis: 5,93 Euro

Dafür sind die Mieten wegen der Wohnungs-Renovierung – unter anderem durch neue Fenster und größere Balkone – an der Silcher-, Luitpold- und Eckstraße leicht angehoben worden. Der Quadratmeter kostet nun neun Cent mehr: 5,93 Euro. Gleichwohl sprechen die Zahlen dafür, dass sich die Menschen bei der Baugenossenschaft wohl fühlen. „Die Fluktuationsrate ist zurückgegangen“, berichtete Fliegner und sprach von sieben Prozent. Und bei der BGNU bemüht man sich auch weiterhin um die Kontinuität der Mietverhältnisse. Fliegner versicherte den Mietern, auch zur Seite zu stehen und gemeinsam Lösungen zu suchen, wenn es finanziell mal eng werden sollte, denn: „Ein Dach über dem Kopf ist existenziell.“

Damit es davon bald noch weitere gibt, sollen im Herbst auf dem Neubaugebiet „Ulmer Hofgut“ in Ludwigsfeld zwölf Wohnungen und drei Kettenhäuser entstehen. Die Bauruine am Petrusplatz vor Augen („wenn Sie mit offenen Augen durch Neu-Ulm gehen, sehen Sie, dass das auch ganz schnell in die Hose gehen kann“) werde die Genossenschaft entsprechend Vorsorge treffen und verantwortungsvoll zu Werke gehen: „Ich kann Ihnen versichern, dass unsere Bauvorhaben so abgesichert sind, damit man auf alle Eventualitäten vorbereitet ist.“ Angesichts des künftigen Bedarfs sprach sich Uwe Fliegner dafür aus, „nicht alle Zugezogenen in die Stadt zu verfrachten“, sondern die Menschen für ein „attraktives Wohnen“ in ländlichen Gebieten zu begeistern und entsprechenden Wohnraum zu schaffen. Was „bei einer guten Infrastruktur für Familien sinniger“ sei und nicht zwingend zu Flächenfraß führen müsse, so der BGNU-Geschäftsführer.

Für die Baugenossenschaft, deren „Finanzlage stabil“ sei, hält Fliegner ein maßvolles Wachstum für geboten: „Wir wollen uns nicht zu schnell entwickeln und müssen schauen, dass wir immer Schritt für Schritt vorangehen.“ Was auch für das Team gilt: „Wir sind ein kleiner Haufen, aber ein effektiver.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel