Eigentlich sollte die Vermarktung auf dem früheren Moco-Areal im Ulmer Westen 2020 beginnen. Dieses Ziel peilt Ulrich Soldner, der Leiter der Abteilung Liegenschaften im Rathaus, immer noch an. Allerdings führen einige Unwägbarkeiten wohl dazu, dass es eher Ende als Anfang 2020 mit dem Verkauf der Gewerbegrundstücke losgehen wird – und mit der Bebauung erst 2020. „Wir versuchen, Verzögerungen so gut es geht zu vermeiden“, versichert Soldner dennoch. „Wir möchten das Gebiet baldmöglichst umsetzen.“ Der Druck ist groß: Interessenten stehen Schlange.

Rund 60 Firmen haben sich bei der Stadtverwaltung gemeldet und Interesse an einem Grundstück auf dem Moco-Areal zwischen Blaubeurer Straße und Bahnlinie angemeldet. Die Stadt hat das 60 000 Quadratmeter große Gelände Ende 2016 gekauft. Abzüglich der Verkehrs- und Grünflächen sollen 45 000 Quadratmeter zur Ansiedlung von Unternehmen zur Verfügung stehen. Nicht alle Interessenten werden zum Zug kommen, sagt Soldner, es sind einfach zu viele.

Die Stadt ließ das Areal des früheren Moco-Hobelwerks der Firma Molfenter bereits weitgehend abräumen und Alt-Gebäude abreißen. Das östliche Gleis auf dem Gelände wird ebenfalls abgebaut, das westliche bleibt vorerst für die Kohle-Anlieferung am FUG-Heizkraftwerk. Auch wenn das Gelände brachliegt: Bis zum ersten Spatenstich ist es noch ein langer Weg – zum großen Ärger einiger ansiedlungswilliger Betriebe, die dringend umsiedeln oder erweitern wollen.

Derzeit laufen bereits Bodenuntersuchungen: Das Erdreich ist an einigen Stellen mit Schadstoffen belastet. Betroffen ist vor allem der Bereich westlich der Beringerbrücke, wo früher Dachpappen hergestellt wurden. Der verunreinigte Boden kostet „richtig Zeit“, sagt Soldner. Die Erde muss zumindest an einigen Stellen ausgetauscht werden.

Komplexe Planung

Zudem läuft derzeit die europaweite Ausschreibung für die Verkehrsplanung in diesem Gebiet. Sie muss an ein externes Planungsbüro vergeben werden, weil die Stadtverwaltung selbst dafür keine Kapazitäten hat: Angesichts des gewaltigen Investitionsprogramms sind die städtischen Planer komplett ausgelastet.

Die Verkehrsplanung für das Moco-Areal ist ohnehin komplex. Es ist keine Planung auf der grünen Wiese, da die Blaubeurer Straße die wesentlichen Einmündungen vorgibt. Ohne Kanäle, Leitungen, Straßen und Beleuchtung, ohne Abstimmung auf verschieden große Grundstücke und unterschiedliche Nutzer und ihre Anforderungen könne das Moco-Areal nicht entwickelt werden.

Keinen Einfluss auf die Vermarktung hat allerdings ein weiteres Erschließungsthema. Die Stadt will die Schillerstraße über den Blaubeurer Ring hinaus verlängern und das Moco-Areal auch von hinten, von den Gleisen her, erschließen. Diese Straße hätte zudem zentrale Bedeutung für die Anfahrt des Parkhauses, das die Bahn in der Schillerstraße nahe des Fußgängerstegs bauen will.

Bis die Schillerstraße zum Moco-Areal verlängert werden kann, wird es noch etwas dauern. Denn dafür muss zuerst das Ausbildungswerk der Bahn verlegt werden. Auf den Baubeginn des neuen Gewerbeviertels hat das aber keinen Einfluss, betont Soldner. Diese Straße kann unabhängig hergestellt werden.

Der Zeitplan für das Moco-Areal sieht so aus: Im nächsten Jahr wird das Gelände vollends abgeräumt und der Boden saniert, werden Kampfmittel beseitigt. Parallel dazu soll die Verkehrsplanung auf den Weg gebracht werden. „Sie ist Voraussetzung für den Bebauungsplan.“ Danach beginnen die Erschließungsarbeiten, die 2021 fertig sein sollen. Soldner rechnet mit dem Start der Vergabegespräche im Jahr 2020 und dem Baubeginn 2021. Mehrere  Abteilungen der Stadt sind eingebunden, „wir treffen uns regelmäßig zur Abstimmung“.

Soldner macht kein Geheimnis daraus, dass die Grundstückspreise auf dem Areal saftig ausfallen: „Unter 300 Euro geht nichts.“ Dies hänge mit der aufwendigen Erschließung und den Bodenverunreinigungen zusammen. Normalerweise liegen die Preise für Gewerbegrundstücke zwischen 70 und 170 Euro am oberen Ende im Science Park III.

Die Stadt möchte das Moco-Areal auch nutzen, um Firmen zum Umzug von ihrem jetzigen Standort zu bewegen, weil sie an diesen Flächen aus stadtplanerischen Gründen Interesse hat. Grundstückstausch heißt das Stichwort. Ansonsten stammen allein 20 Bewerber aus der Auto- und Autozubehörbranche; es wurde schon über Nobelmarken wie Jaguar in einem Mehrmarkenhaus spekuliert. Weitere zehn Interessenten sind dem Handwerk zuzurechnen, sechs der Baustoff- und Gartenbaubranche, fünf dem Dienstleistungs- und IT-Sektor, fünf der Lebensmittelproduktion sowie fünf dem Bereich Hotel, Gastronomie und Event. Vergnügungsstätten wie Spielhallen, Discos und Rotlicht sind nicht erlaubt (siehe Infokasten).

Keine neuen Vergnügungsstätten


Bauplan Bei der Stadt lagen wohl auch Nachfragen von Spielhallen und Bordellen für eine Erweiterung auf dem Moco-Areal vor. Die Ansiedlung soll nun mit dem Bebauungsplan „Gebiet nördlich der Blaubeurer Straße zwischen Lupferbrücke und Beringerbrücke“ verhindert werden. Es gibt dort lediglich Bestandsschutz für bestehende Vergnüngungstätten. Die Stadt will ansonsten Discos generell nicht mehr in Gewerbegebieten zulassen. Der Bebauungsplan soll demnach auch verhindern, dass Vergnügungsstätten höhere Bodenpreise bezahlen und somit traditionelle Handwerks- und Gewerbebetriebe verdrängen.