Im denkmalgeschützten Gebäude des Amtsgerichts Neu-Ulm in der Schützenstraße werkeln Bauarbeiter. Das Gebäude wird innen grundlegend umgebaut und saniert. Außen zeugt nur der Bauzaun vorm Eingang davon, die Fassade darf nicht angetastet werden. Seit Oktober laufen die Arbeiten. Eigentlich sollte früher begonnen werden, doch weil der Bauträger, der auf dem Gelände des früheren Neu-Ulmer Gefängnisses Wohnblocks errichtet, die Baugrube bis ans Amtsgerichtsgebäude ausgehoben hatte, konnte das Gericht vorher nicht problemlos betreten werden. Bis Frühjahr 2013 werden die Arbeiten dauern. Man komme gut voran, sagt Bauleiter Wilfried Neu bei einem Rundgang mit dem CSU-Landtagsabgeordneten Peter Schmid.

Derzeit laufen die Entkernungsarbeiten: Mauern werden herausgenommen, Balken saniert oder erneuert, Mauern versetzt oder auch nur eingerissen. Und ein Keller wird ausgehoben. Bislang hatte das Gebäude, dessen Bau 1899 nach den Plänen der Königlichen obersten Baubehörde begonnen worden war, kein Untergeschoss. Für diese Arbeiten wurde der Fußboden herausgerissen, kleine Minibagger stehen in Gruben und heben das Erdreich aus. Es wird über ein Förderband ins Freie geschafft und weggefahren, das Fundament des Gebäudes ist stabil. "Das Gericht braucht Platz für die Registratur", sagt der Bauleiter.

Die Arbeiter, die im Gebäude wirken, stammen aus Leipzig und Umgebung. Eine Baufirma, die dort ihren Sitz hat, hatte die Ausschreibung gewonnen. Das sorgt für ungewohnte Nebeneffekte: Von Montag bis Donnerstag wird von früh bis spät in den Abend hinein gearbeitet, Freitag ist dafür Ruhetag. Dann fahren die Bauarbeiter in ihre Heimat, damit sich die Fahrt auch lohnt. Aber sie kommen trotzdem gut voran und arbeiten professionell, lobt der Bauleiter des Staatlichen Bauamts Krumbach.

Später sollen das Nachlassgericht, die Vollstreckungsabteilung und das Insolvenzgericht in diese modernisierten Räume einziehen und ihre Akten im Untergeschoss unterbringen. Nach dem Umzug ins Haus Schützenstraße 17 wird der erste und zweite Stock des Bürogebäudes am Heiner Metzger-Platz frei, die Justiz verabschiedet sich.

Ins zweite Obergeschoss in der Schützenstraße wird die Staatsanwaltschaft einziehen. Auch dort wird heftig umgebaut. Und das riesige Dachgeschoss darüber wird hergerichtet. Dort sollen die Ankläger ihre Akten lagern. Rund 2,5 Millionen Euro werden in das altehrwürdige Amtsgericht gesteckt, um es zu modernisieren. Und nimmt man das Gebäude Schützenstraße 60 dazu, das vom Oktober 2007 an hergerichtet wurde und in dem heute das Gericht tagt, hat die Justiz etwa 10 Millionen Euro investiert, um ihre verschiedenen Standorte auf zwei Gebäude zu konzentrieren. "Ich sehe, es hat sich seit unserem Auszug einiges getan", stellte Amtsgerichtsdirektor Thomas Mayer mit Blick auf die Baustelle fest.

Vom Frühjahr 2013 an wird die Neu-Ulmer Justiz also auf die beiden Gebäude in der Schützenstraße konzentriert sein. Damit die Trennung auf zwei Bauten keine Auswirkungen hat, wurden bereits Kabel vom einen zum anderen Gebäude verlegt. "Die Justiz ist vernetzt und hat aus beiden Gebäuden Zugriff auf alle notwendigen Daten", versicherte der Bauleiter.