Für die Firmen im Gewerbegebiet Ulmer Norden, den Containerbahnhof und die Bewohner von Jungingen war es ein guter Tag. Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt des Gemeinderats hat am Dienstagabend den Bau der Doppelanschlussstelle Ulm-West/Ulm-Nord an der A 8 beschlossen. Zu diesem Ereignis war auch der Ortschafts- und frühere FWG-Stadtrat Walter Grees ins Rathaus gekommen. Seine Erleichterung über den Beschluss fasste er in einem Satz zusammen: „Wir fordern diesen Anschluss seit 25 Jahren.“

Nun soll noch in diesem Jahr mit dem Bau begonnen werden. Der Zeitplan sieht so aus:

  • Als erstes ist der nördliche Kreisverkehr dran, der die neue Anschlussstelle mit dem Gewerbegebiet verbindet.
  • 2018 starten der Bau der Brücken und der Querspange zum Gewerbegebiet Mergelgrube.
  • 2019 wird mit der Unterführung des Eiselauer Wegs begonnen. Dann sind auch der sechsstreifige Ausbau auf der Südseite der A 8 und der südliche Kreisverkehr dran.
  • 2020 wird unter anderem die A 8 auf der nördlichen Seite ausgebaut. Ende des Jahres sollen alle Bauarbeiten beendet und der Doppelanschluss fertig sein.

Insgesamt summieren sich die Kosten auf mehr als 35 Millionen Euro, sagte Baubürgermeister Tim von Winning. Einen großen Teil davon trägt der Bund, beispielsweise für den Ausbau der Autobahn. Den Bau des Doppelanschlusses teilen sich Bund und Stadt im Verhältnis von annähernd zwei Dritteln zu einem Drittel. Die Anbindung des Gewerbegebiets Mergelgrube dagegen muss die Stadt Ulm allein bezahlen. Alles in allem beziffert von Winning den städtischen Anteil auf rund 8 Millionen Euro.

Alles andere als begeistert ist der Baubürgermeister aber über die Absicht des Bundes und der Deutschen Bahn, die Stadt bei der Finanzierung der Brücke über die A 8 und die Bahnstrecke im Regen stehen zu lassen. Falls der Containerbahnhof einmal an die Südbahn angeschlossen werden soll, muss die Brücke breiter werden, um Platz für das dritte Gleis zu schaffen. Diese Kosten wollen bisher weder der Bund noch die Bahn tragen. Also werde die Stadt in Vorleistung gehen und die Mehrkosten von rund 1,2 Millionen Euro für dieses absolut sinnvolle Projekt tragen, „alles andere wäre Wahnsinn“.

Die Stadt sei aber nach wie vor der Meinung, dass diese Mehrkosten der Bund oder die Bahn tragen soll, und werde sich weiter dafür einsetzen. Unterstützung bekam von Winning von den Stadträten. Die Haltung von Bund und Bahn sei „eigentlich ein Skandal“, sagte Brigitte Dahlbender (SPD). In jeder Sonntagsrede werde nachhaltiger Verkehr beschworen, „aber wenn es konkret wird, wird versucht, die Kosten auf die Kommunen abzuwälzen“.

Froh sind die Stadträte aber darüber, dass der Doppelanschluss nun Realität wird. Angesichts des florierenden Containerbahnhofs und der wachsenden  Gewerbegebiete im Ulmer Norden sei die Anschlussstelle Ulm-Nord unabdingbar. Bisher muss der Verkehr vom und ins Gewerbegebiet einen Umweg von 3,5 Kilometern fahren. Darunter leiden vor allem die Junginger. Deshalb sagt Ortschaftsrat Walter Grees: „Was lange währt, wird endlich gut.“

Fast gut jedenfalls. Denn der von den Jungingern und Lehrern gewünschte Lärmschutz ist immer noch nicht vorgesehen. Dazu Grees: „Wir haben die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben.“

Gemeinderat und Stadt machten Druck


Doppelanschluss Der Bund hatte wegen der Nähe zur Auffahrt Ulm-West zunächst kein Interesse an einer Anschlussstelle Ulm-Nord. Dass sie nun doch kommt, sei der Verdienst des Ulmer Bauausschusses und der Stadt, betonten Siegfried Keppler (CDU) und Gerhard Bühler (FWG), als jetzt der Baubeschluss gefasst wurde. Wären sie nicht so hartnäckig gewesen und in die Vorplanung eingestiegen, „säßen wir heute nicht hier“.