Das ZSW (Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung) auf dem Oberen Eselsberg verfügt über eine weltweit einmalige Batterie-Forschungsstätte. In seinen vier Gebäuden an der Helmholtz- und der Lise-Meitner Straße deckt das 1988 gegründete Institut des Landes seit kurzem das gesamte Spektrum in Sachen Entwicklung hochleistungsfähiger Lithium-Ionen-Zellen ab. Von der Materialforschung über die Labore, in denen die Sicherheit und Langlebigkeit großer Batterien getestet wird, bis hin zu einer Anlage, in der einige hundert Akku-Zellen pro Tag gefertigt werden – alles ist vorhanden.

Der neueste Komplex, in dem ZSW-Mitarbeiter vom kommenden Januar an die seriennahe Produktion großer Lithium-Akkus für Firmen erproben, ist am Freitagnachmittag im Beisein von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka offiziell eröffnet worden. „Wir wollen Innovationsweltmeister werden“, betonte die Ministerin. Das gelte besonders bei der modernen Batterieproduktion. Die Energiewende werde nur erfolgreich sein, wenn bei der Batterieforschung der Durchbruch geschafft wird. Das in Ulm entstehende Wissen schaffe die Basis für die industrielle Umsetzung einer nachhaltigen Herstellung dieser Schlüsselkomponente für Elektrofahrzeugen. Ulm stehe bei diesem Thema ganz vorn, stellte Wanka fest.

Die Absicht, eine Pilotanlage für Lithium-Ionen-Zellen zu bauen, hatte Wankas Vorgängerin im Amt, Annette Schavan, im Mai 2011 angekündigt. Die Arbeiten für den dreistöckigen, langgesteckten und (einschließlich Forschungsanlagen) 32 Millionen Euro teuren Bau neben dem E-Lab des ZSW starteten im Sommer 2012. Finanziert wurde er von Bund und Land. Für zusätzliche Ausrüstung kommt allein der Bund auf. „3600 Quadratmeter Nutzfläche bieten Unternehmen und Forschungsorganisationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette die Möglichkeit, neue Verfahren und Anlagenkomponenten in einer prozesssicheren Testumgebung zu erproben“, sagte ZSW-Vorstand Prof. Werner Tillmetz. „Mit der vorwettbewerblichen Forschungsplattform werden direkt die Blaupausen für die kommerzielle Fertigung generiert.“

Initiator der Anlage ist der Industrieverbund Kompetenznetzwerk Lithium-Ionen Batterien (K-Lib). Im K-Lib haben sich Industrieunternehmen und anwendungsnahe Forschungsinstitute zusammengeschlossen. Der Verbund will die Kompetenzen von Unternehmen, Wissenschaft und Handwerk bündeln, um im vorwettbewerblichen Umfeld den Forschungs- und Produktionsstandort Deutschland zu stärken und zum Leitanbieter von Batterien zu entwickeln.

Weitere Akteure bei der Batterieforschung sind in Ulm das Helmholtz-Institut für Elektrochemische Energiespeicherung und die Uni. Für das Helmholtz-Institut wird ein Zwölf-Millionen-Komplex an der Helmholtz-Straße fertig gestellt. Wenn der Ende Oktober eröffnet wird, wird Wanka wieder dabei sein. Die 80 Mitarbeiter des Instituts sollen eine Brücke zwischen Ulm und Karlsruhe schlagen, wo sich 250 Wissenschaftler mit Elektromobilität und Batterien befassen.