Als Mario Basler das letzte Mal in Ulm war, als Profi des 1. FC Kaiserslautern, vor knapp 20 Jahren, setzte es eine 1:3-Niederlage gegen die Spatzen. „Ich war nicht gut drauf“, erinnerte sich der Kult-­Kicker bei seinem „Basler ballert“-Bühnenauftritt im Roxy.

Lautern spielt schon lange nicht mehr in der Bundesliga, die Spatzen sowieso nicht, das hat Basler recherchiert: „Regionalliga Südwest, fünfter Platz, 48 Punkte, Aufstieg wird schwer“. Er weiß auch, welche Promis aus Ulm kommen: Mike Krüger, Uli Hoeneß („Wenn der geblieben wär’ und hier eine Würstchenbude hätte, würdet ihr heute Champions League spielen“), Dieter Hoeneß („Den braucht kein Mensch“) und Marcus Sorg („Co-Trainer Nationalmannschaft, geil! Sind ja alle geil beim DFB“).

Warum steht Basler auf der Bühne? Weil er ein echter Typ war und ist, klar, „die Fans vermissen was“. Ach ja, „die die ganzen schwulen Fußballer heute!“ – ob er den Spruch auch in Stuttgart mit Thomas Hitzelsbergers VfB so bringt?

Basler erzählt von früher

Das Publikum im ausverkauften Roxy ist gemischt; also gemischt innerhalb des Marktsegments Männer zwischen 30 und 60. Frauen sind kaum da, „keine Ahnung warum, so schlecht seh’ ich ja nicht aus“.

Basler – 50 Jahre alt, Jeans, Basler-Shirt überm Bäuchlein, weißes Resthaar – erzählt also von früher, als Werder-Bremen-Manager Willi Lemke dank Freikarten im Handschuhfach mit der Polizei noch alles regeln konnte. Baslers Karriere-Fakten sind bekannt: 262 Bundesliga-Spiele („261 überragend“) und 62 Tore für Lautern, Bayern und Bremen. 30 Länderspiele, zweimal Meister, zweimal Pokalsieger, zahllose Eskapaden und Strafen. Leider sind auch die Storys recht bekannt, durch die er sich plaudert: Sauftouren mit dem alkoholkranken Uli Borowka (der heute trocken ist), Hoteltoiletten-Schwänke mit dem einfältigen Thorsten Legat, amouröse Spielvorbereitungen trotz Otto Rehhagels Misstrauen.

Immerhin erfährt man, dass Basler Champions-League-Sieger ist. Beim legendären 1:2 von Bayern gegen Manchester anno 1999 wurde er nämlich in der 89. Minute ausgewechselt, da stand’s noch 1:0. Den Vorabend hatte er bis halb vier an der Hotelbar verbracht, die Folge: „Mein bestes Spiel für Bayern.“ Ohnehin der FC Bayern: Der Verein wäre heute finanziell bei weitem nicht so weit, hätte er nicht einst so viele Geldstrafen bezahlen müssen.

Bierchen und Zigaretten nicht abgeneigt, trainings- und lauffaul: So inszeniert sich Basler. Der Auftritt dauert tatsächlich zweimal 45 Minuten, nur ist die Pause dazwischen mit einer halben Stunde dem heutigen Altherren-Kicker Basler angemessen.

Davor aber beantwortet er noch Fragen nach dem besten Mitspieler (Lothar Matthäus), dem besten Gegenspieler (Mannschaftskamerad Bixente Lizarazu in Trainingsspielen), dem besten Trainer (natürlich Rehhagel, „da durfte ich alles machen“), dem schlechtesten Trainer (Erich Ribbeck, dem wollte er jahrelang „aufs Maul hauen“), und er zieht auch vom Leder, wie man das aus den TV-Shows „Fantalk“ und „Doppelpass“ kennt. Das klingt gern mal populistisch, anzüglich oder halbstark. Er lästert über Klinsmann und Thomas Müller („Ein Anti-Fußballer! Meine Meinung!“). In der Nachspielzeit gibt’s dann Selfies und Autogramme.

Wie hoch Mario Basler den Marktwert schätzt, würde er heute in Topform spielen? „480 Millionen. Oder unbezahlbar.“ Für den Bühnenplauderer Basler sind 30 Euro Ticketpreis aber durchaus genug.

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