„Was für eine charmante und liebevoll eingerichtete, kleine Location!“ Das sagte der Bassist Max James im vergangenen Jahr über die Hudson Bar, als er den Frühjahrsabend im Außenbereich bei Bier und Zigarette ausklingen ließ. Mit seiner international auftretenden Postpunk-Band „The Underground Youth“ aus Manchester hatte er zuvor ein Konzert im mit alten Zeitungen tapezierten Nebenraum des Lokals gegeben. Ulm als kurzer Stopp zwischen den Tournee-Terminen in Bamberg und Dresden: Immer wieder war es den Bar-Betreibern Niko Baur und Robert Kloss gemeinsam mit dem Booker Rolf Göggelmann gelungen, namhafte Musiker für Auftritte in intimer Wohnzimmer-Atmosphäre zu begeistern.

Hudson Bar: Viele Gäste sind bestürzt über Schließung

Umso größer war die Enttäuschung, als Baur und Kloss am Freitag verkündeten, dass sie die Hudson Bar in der Ulmergasse zum 31. März schließen müssen. „Katastrophe“, „Unfassbar“ und „Wirklich schade“ schrieben auf Facebook einige Gäste, die die Hudson Bar nicht nur als Veranstaltungsort, sondern auch als gemütliche Option für einen Feierabend-Drink schätzen. „Wir sind sehr frustriert darüber, dass wir unser Herzensprojekt nicht mehr weiterführen können“, sagt Baur. Der Hintergrund: Hauseigentümer Oliver Loser hat Eigenbedarf angemeldet.

Uneinigkeit über mündliche Absprache zum Pachtvertrag

Eigentlich ein Szenario, mit dem Baur und Kloss rechnen mussten, als sie den Pachtvertrag, der von März 2015 bis März 2020 läuft, unterzeichneten. Baur betont allerdings, dass „Zur Brezel“-Wirt Loser Kloss im vergangenen Jahr mündlich eine Verlängerung des Pachtvertrags in Aussicht gestellt habe. Als dann zwei Tage vor Silvester ein Portier von Losers benachbartem Hotel „Roter Löwe“ die Kündigung überreichte, sei Baur sprachlos gewesen: „Ich konnte es nicht glauben.“

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Auch aufgrund der Beziehung zwischen Kloss und Loser – Kloss' Bruder und Loser sind mit Zwillingsschwestern verheiratet – sei mit diesem Vorgehen nicht zu rechnen gewesen, so Baur. „Wir haben alleine für die Sanierung des Gebäudes vor fünf Jahren rund 50.000 Euro bezahlt. Danach kamen weitere Investitionen hinzu“, erzählt der 39-Jährige.

Oliver Loser: Kündigung war kein leichter Schritt

Der Gastronom und Hotelier Oliver Loser erklärt auf Anfrage, dass er keine mündliche Zusage für eine Pachtverlängerung gegeben habe. Trotzdem sei ihm der Schritt nicht leicht gefallen, den Vertrag auslaufen zu lassen. „Die Jungs haben gute Arbeit geleistet, finanziell haben beide Seiten profitiert“, erwähnt Loser, der verschiedene Bands, die zuvor in der Hudson Bar aufgetreten waren, in seinem Hotel nebenan beherbergte.

Dennoch habe Loser neue Pläne für die Location. Nach Ablauf der Pacht werde sein Sohn, der elektronische Musik auflegt, die Räumlichkeiten vorübergehend als privaten Studioraum nutzen. In den kommenden Jahren solle das Gebäude schließlich abgerissen werden. Wie die Fläche anschließend bespielt wird, lässt Loser derzeit noch offen. „Ich wünsche den beiden in jedem Fall, dass sie die Hudson Bar an neuer Stelle weiterführen können“, sagt Loser.

Baur, der nun 15 Teilzeitkräften kündigen und mehrere Verträge mit bereits gebuchten Bands lösen muss, möchte sich derzeit nicht mit detaillierten Zukunftsplänen beschäftigen. „Ich tendiere allerdings dazu, mich aus der Gastronomie zurückzuziehen“, sagt Baur, „unter dem Namen ,Hudson Bar‘ wird es in Ulm wohl nichts mehr Neues geben.“

Rund 100 Konzerte gingen in der Hudson Bar über die Bühne

Booker Rolf Göggelmann, der beste Kontakte zu europäischen Bands pflegt und zuletzt die tschechische Alternative-Rock-Gruppe „Kill The Dandies“ in die Hudson Bar holte, ist angesichts der Schließung noch immer fassungslos. „In den vergangenen Jahren ist hier ein wirklich außergewöhnliches Team zusammengewachsen“, resümiert Göggelmann, „interessante Bands sind trotz kleiner Gagen immer wieder gekommen, weil es hier menschlich immer gepasst hat.“ Ob Göggelmann nun in einer anderen Ulmer Einrichtung als Booker aktiv wird, könne er derzeit noch nicht sagen. „Wir müssen das alles jetzt erst einmal verdauen“, sagt er.

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