Der Ulmer Hauptbahnhof wird benutzerfreundlicher. Die Bahnsteige A bis D, also an den Gleisen 1 bis 8, werden bald vom Bahnhofssteg über Treppen und barrierefrei über Aufzüge erreichbar werden. Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich im Mai beginnen und in mehreren Bauabschnitten bis zum Jahresende 2018 abgeschlossen sein. Die Deutsche Bahn und die Stadt Ulm haben einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet, teilt OB Gunter Czisch der SPD-Fraktion mit. Sie hatte sich in einem Antrag für Verbesserungen am Bahnhof eingesetzt. „Oberste Priorität“ hätten die barrierefreien Zugänge zu den Bahnsteigen.

Wenn sie verwirklicht sind, dann sei das „ein echtes Highlight“, meint der OB. „Für Bahnkunden bedeuten sie eine große Erleichterung und eine deutlich bequemere Lösung“, sagte er auf Anfrage. Fahrgäste können dann von Westen, also von der Schillerstraße her, vom Steg direkt auf die Bahnsteige kommen, ohne den Umweg über den Haupteingang nehmen zu müssen.

Die Bauarbeiten beginnen zunächst unscheinbar, sagt ein Bahnsprecher: mit Korrekturen an der Oberleitung und Signalanlagen. Im Juli geht es dann richtig los mit den Fundamenten für die Treppen. Sie werden ebenso wie Aufzüge vom Steg zu jedem der vier Bahnsteige führen. Derzeit werde die Ausschreibung vorbereitet. Die Bahn rechnet mit Kosten in einer Größenordnung von sechs Millionen Euro.

OB Czisch stellt dieses Projekt in einen größeren Zusammenhang: Es sei ein Baustein auf dem Weg zur künftigen Erschließung des Hauptbahnhofs und einer großräumigen Verkehrslösung.

Wenn die Neubaustrecke fertig ist, werden einige Gleise auf der Westseite des Bahnhofs nicht mehr gebraucht. Sie machen Platz beispielsweise für das Park & Ride-Parkhaus, das die Bahn an der Schillerstraße bauen will – oder die Stadt selbst, falls es mit der Bahn nicht schnell genug geht. Pendler können dann von Westen her den Bahnhof anfahren und ihr Auto im Parkhaus abstellen, ohne die Innenstadt und die Friedrich-Ebert-Straße zu belasten.

Dies umso mehr, als eine neue Erschließungsstraße im Westen in Planung ist. Ihr Bau werde möglich, weil die Stadt das ehemalige Moco-Areal an der Blaubeurer Straße kaufen konnte (wir berichteten). Die neue Straße soll am Moco-Areal entlang hinter Ikea zum Blaubeurer Ring und der Schillerstraße verlaufen und die Blaubeurer Straße entlasten.

Verkehr wird entzerrt

„Wir müssen die Verkehre entzerren“, sagt Czisch. Die Stadt arbeite weiter an Lösungen und sei auf gutem Weg. Der Zugang vom Bahnhofssteg direkt zu den Bahnsteigen sei jedenfalls „ein ganz maßgeblicher Schlüssel“ zum künftigen Verkehrskonzept rund um den Hauptbahnhof.

Auf ein neues Bahnhofsgebäude muss Ulm aber weiter warten. Die Stadt sei zwar im Gespräch mit der Bahn, teilt der OB mit, „die untersuchten Szenarien haben aber bislang zu keinem wirtschaftlich tragfähigen Entwicklungskonzept geführt“. Kurz: Ein Neubau ist der Bahn zu teuer.

Deshalb gelte es, zunächst „offensichtliche funktionale Mängel“ und Schäden zu beheben. Auf ihre Beseitigung dringen auch die SPD-Stadträte Dorothee Kühne und Martin Rivoir in ihrem Antrag. Sie listeten beispielsweise die unübersichtliche Bahnhofshalle auf und die oft stillstehenden Gepäck-Förderbänder. Die Bahn lasse die Schäden prüfen und den Sanierungsaufwand berechnen.

Die Stadt und die Deutsche Bahn sind laut OB an einem weiteren Wunsch dran: dem direkten Zugang zu Gleis 1 vom südlichen Bahnhofsplatz über die so genannten „bayerischen“ Gleise, auf denen die Regionalzüge nach Bayern abfahren und ankommen. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe befasse sich mit dieser Frage, teilt Czisch mit. Um den direkten Zugang zu schaffen, müsse eines der Gleise „um einige Meter gekürzt“ werden. Der OB macht Hoffnung:  „Ersten Einschätzungen der Bahn zufolge scheint diese Maßnahme grundsätzlich möglich.“ Zunächst müssten aber betriebliche und technische Auswirkungen überprüft werden.

Sanierungsstau im Bahnhofsgebäude


Halle Die Zustände in der Bahnhofshalle liegen allein in der Zuständigkeit der Deutschen Bahn, sie hat das Hausrecht, schreibt OB Gunter Czisch als Antwort auf den Antrag der SPD-Fraktion. Die Stadt habe deshalb „leider sehr geringen“ Einfluss darauf, dass die Gepäck-Förderbänder oft nicht funktionieren oder die Empfangshalle „übermöbliert“ sei, was zu einem „Mangel an Aufenthalts- und Orientierungsräumen“ führe. Die Stadt werde diese Themen aber weiter bei den Bahn-Verantwortlichen ansprechen. Die hätten für die Kritik „durchaus Verständnis gezeigt“.