Ulm / JÜRGEN KANOLD  Uhr
Die neue CD, die Friedemann Johannes Wieland an der großen Münster-Orgel eingespielt hat, heißt "Barocke Klangpracht" - das kann man so sagen.

Eher nachdenklich steht er da, der Johann Sebastian Bach - als Steinskulptur im südlichen Seitenschiff des Ulmer Münsters. Was er aber komponierte, dieser Großmeister auch der Orgelmusik, kann den Hörer euphorisch mitreißen. Mit Toccata, Adagio & Fuge in C-Dur (BWV 564) beginnt Friedemann Johannes Wieland furios die zweite CD seiner "Neuen Orgeledition Ulmer Münster".

Er hat fünf Werke von Vater und Sohn Bach eingespielt. Der Sohn: Es ist der berühmteste, der vor 300 Jahren geborene Carl Philipp Emanuel Bach. "Barocke Klangpracht" heißt die CD, und das ist keinen Takt lang übertrieben. Aus verschiedenen Gründen: Die generalgestimmte Walcker-Orgel ermöglicht mit 100 Registern und circa 8900 Pfeifen gewaltigen Kirchensound; die Aufnahme bietet dank aufwendiger Technik einen perfekten kathedralischen Raumklang. Und das Making-of gehört dazu, ist auf dieser CD präsenter als vor Ort: Mächtig fauchen und brummen die Bässe.

Aber vor allem hat Münsterorganist Wieland ein prächtiges Programm ausgewählt, das er in teils erstaunlichen Klangfarben registriert hat (Glockenspiel etwa im Allegro von Carl Philipp Emanuel Bachs B-Dur-Orgelsonate), aber ebenso brillant wie tempogeladen aufführt.

Schon mit besagter C-Dur-Toccata reißt er groß und festlich dieses Orgelkonzert auch für den heimischen CD-Player auf. Wieland gelingt es hervorragend, die barocken Werke zu akzentuieren, zu formen, ja klangvoll zu strukturieren - das Adagio mit Trompetenmelodie. Eine Entdeckung sind die tatsächlich "empfindsameren" Stücke des Bach-Sohnes. Der Vater jedoch komponierte die Hits für die Ewigkeit. Natürlich fehlen Toccata & Fuge in d-Moll auf dieser CD als überwältigendes Finale nicht.

Info
Am Sonntag, 11.30 Uhr, stellt Wieland das Programm der CD im Orgelkonzert im Münster vor. Dann ist die CD (Animato/Edel) auch an der Pforte erhältlich, für 16 Euro.