Ulm/Neu-Ulm Bange Blicke nach oben

Mal blitzt, donnert, stürmts, mal ist es ob tropischer Temperaturen nur mehr unter der Dusche auszuhalten: Der Juli bietet ein einziges Wechselbad - und das wird auch in den nächsten Tagen so bleiben. Fotos: Oliver Schulz/Volkmar Könneke
Mal blitzt, donnert, stürmts, mal ist es ob tropischer Temperaturen nur mehr unter der Dusche auszuhalten: Der Juli bietet ein einziges Wechselbad - und das wird auch in den nächsten Tagen so bleiben. Fotos: Oliver Schulz/Volkmar Könneke
Ulm/Neu-Ulm / JAKOB RESCH CHRISTOPH MAYER 28.07.2012
Dieser Sommer hat eine neue Marotte an den Tag gebracht: Festveranstalter verlegen ihre Veranstaltungen schneller mal. Genauere Wettervorhersagen legen das nahe, wobei das Wetter so schlecht auch nicht war.

Immerhin: Beim Nabada zu Beginn dieser Woche ging alles glatt. Es konnte bei ungetrübtem Schwörmontagswetter stattfinden, hätte allerdings auch schlecht verlegt werden können - anders als viele andere Feste in Ulm, Neu-Ulm und der Region, die in diesem Sommer nicht zum zunächst geplanten Termin stattfanden: Viele Veranstalter verlegten ihre Festivitäten wegen der Wetteraussichten einfach.

Den Anfang damit machte die Ulmer Fleischerinnung, die ihren Zunftschmaus auf dem Saumarkt relativ zeitig zwei Tage vor dem Start am 9. Juni um eine Woche verschoben hat und ihre Entscheidung später bestätigt sah, auch wenn das Wetter so schlecht dann auch wieder nicht war. Ziemlich kapital haute das Wochenende in den Juli hinein rein, das das erste große Unwetter brachte und die Abschlussveranstaltung der Neu-Ulmer Wohlfühlwochen im Wiley davonblies.

Am Sonntag, 1. Juli, traf es dann zunächst ganz akut den Rudercup. Starke Windböen machten dem Drachenbootrennen zwischen den Städten Ulm und Neu-Ulm auf der Donau einen Strich durch die Rechnung, es fiel angesichts einer nahenden Gewitterfront ins Wasser und wurde während des Donaufestes nachgeholt. Am Mittag sagte dann der Vorstadtverein sein Söflinger Kinderfest im Meinloh-Forum wegen des miesen Wetters kurzerhand ab. Besucher blieben buchstäblich im Regen stehen.

Dass es einem Veranstalter mal ein Fest verhagelt, ist eine Sache. Eine andere ist, dass viele Macher immer früher auf vermeintlich schlechtes Wetter reagieren. Möglich machen es genauere Wettervorhersagen, die heutzutage im Internet gezielt lokal abrufbar sind. Ob das gleichzeitig mit einer übertriebenen Schönwetterideologie einhergeht, mag dahingestellt bleiben, am Ende dürfte die Sorge um den Umsatz den Ausschlag geben.

Trotz des offensichtlich veränderten Umgangs mit dem Wetter: Der aktuelle Sommer ist ein für hiesige Breitengrade ganz typischer, sagt Uwe Schickedanz, Chef beim Deutschen Wetterdienst in Stuttgart. Wie es sich für einen Wetterwissenschaftler gehört, hat er auch gleich die passende Bauernregel parat: "Ist der Mai trocken und warm, dann Gott erbarm." In der Tat seien Mai und Juni mit Durchschnittstemperaturen von 2,4 beziehungsweise 1,5 Grad über dem langjährigen Mittel deutlich zu warm und zu trocken gewesen. So seien im Mai in Ulm mit 31 Litern pro Quadratmeter lediglich 41 Prozent der jahrestypischen Regenmenge gefallen. Selbst der unstete Juli werde mit leicht überdurchschnittlichem Temperaturwert abschließen, und bis gestern seien erst zwei Drittel der statistischen Regenmenge gefallen. Die seit Wochen vorherrschende "monsunal geprägte hochsommerliche Witterung" - darunter versteht man wiederkehrende Hitzetiefs, die Luft aus dem Norden Europas förmlich ansaugen - nennt Schickedanz "absolut normal". Auch wenn seine Nachbarin ihm auf solche Aussagen antworte: "Du spinnst." Sein schwacher Trost für alle Festveranstalter: "Freiluftaktivitäten sind in Deutschland grundsätzlich nicht planbar."

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