Neu-Ulm Balsam für die Seele mit Vox humana

Dirigent Christoph Denoix hat den Kammerchor Vox humana vor 24 Jahren gegründet und leitet ihn bis heute.
Dirigent Christoph Denoix hat den Kammerchor Vox humana vor 24 Jahren gegründet und leitet ihn bis heute. © Foto: Matthias Kessler
Neu-Ulm / CHRISTA KANAND 29.07.2014
Kleinode der Chorliteratur bot der Kammerchor Vox humana in der Neu-Ulmer Petruskirche. Oliver Scheffels steuerte Solo-Stücke auf der Orgel bei.

Die Zuschauerkulisse in der Neu-Ulmer Petruskirche war leider recht überschaubar, als Vox humana dort sang. Schade, denn der von Christoph Denoix vor 24 Jahren gegründete Kammerchor gehört zu den arrivierten Ensembles der Region. Ausschlaggebend für die Qualität ist neben sauberer A-cappella-Intonation die präzise Text-Artikulation, auf die Denoix Wert legt: Keine Silbe, kein Konsonant wird verschenkt - wie wohltuend!

Unter dem Motto "Renaissance, Romantik, Neo-Romantik" boten die rund zwei Dutzend Sängerinnen und Sänger erlesene Chorliteratur unterschiedlicher Epochen und Stile aus fünf Jahrhunderten, darunter Orlando di Lassos Madrigalzyklus "Per aspro mar" in polyphon verzwickter herber Renaissance-Harmonik. Den chorischen Reigen aus bis zu sechsstimmigen Motetten eröffneten sakrale Kleinode von Rossini, Janacek sowie Rachmaninows russisch-orthodox inspiriertes Marienlied "Bogoroditse Devo".

Oliver Scheffels bereicherte auf der Empore mit virtuosen Solo-Stücken an der dreimanualigen Simon-Orgel. In silbrig-heller Registrierung tauchte er Georg Muffats "Toccata septima" in gleißendes Licht. Mit Felix Mendelssohn Bartholdys bekannter c-Moll-Orgel-Sonate Nr.2, die im virtuosen Allegro mit Schlussfuge mauererbebend auftrumpft, umrahmte der Petruskantor dessen Lieder, denen eine zentrale Stellung zukam.

Voller Empfindungsreichtum brachten die Chorinterpretationen Mendelssohns romantische Schwärmereien zur Natur ("Lerchengesang") und Liebe ("Der Glückliche") zum Erklingen: Schöne Stimmen in atmosphärisch dichten Klangwelten, deren dynamisches Potenzial noch zu steigern wäre. Herzerwärmend mit feinem Piano Carl Maria von Webers "Leise, leise. . ." aus dem "Freischütz".

Balsam für die Seele auch in den berührenden, neo-romantischen Abendliedern "The long day closes" von Arthur Sullivan und in "Der Mond ist aufgegangen" von Max Reger. Das Publikum zeigte sich begeistert. Nach langem Beifall rundete nochmals Mendelssohns fröhlicher "Lerchengesang" das erbauliche Hörerlebnis ab.

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