In Sachen ICE-Neubaustrecke hat die Bahn ihre Pläne für den Ulmer Hauptbahnhof entscheidend geändert. Diese Pläne liegen zurzeit bei der Stadtverwaltung zur Einsicht aus. Ihnen zufolge soll insbesondere auf den Bau des für den Regionalverkehr geplanten fünften Bahnsteigs sowie auf die geplante Verlängerung und Verbreiterung der Fußgängerunterführung dorthin verzichtet werden.

"Das war uns schon vor der Volksabstimmung über Stuttgart 21 bekannt. Nur geglaubt hat uns das damals niemand", sagte der Grüne Landtagsabgeordnete Jürgen Filius gestern Nachmittag vor Pressevertretern. Der Bau eines zusätzlichen fünften Bahnsteigs sei unverzichtbar. Seit Jahren wird vom Regionalverband angestrebt, die Region mit einem S-Bahn-System auszustatten.

Heute halten etwa 500 Nahverkehrszüge täglich (im wöchentlichen Mittel) im Ulmer Hauptbahnhof, führte Filius Mitarbeiter Stadtrat Michael Joukov aus. Die Nahverkehrslinien führen in sechs Richtungen: Aalen, Augsburg, Memmingen, Friedrichshafen, Ehingen und Göppingen. In zwei, drei Jahren soll eine siebte Verbindung hinzukommen: Ulm-Weißenhorn. Diese sieben Strecken sollen mit S-Bahnen bedient werden, die die heutigen Züge zum Teil ersetzen.

Ein Teil der Nahverkehrszüge hält auf den so genannten bayerischen Gleisen auf der Ostseite des Bahnhofs. Diese Gleise werde die Bahn beim Umbau des Bahngeländes aufgeben. Wenn kein Ersatz für sie an anderer Stelle geschaffen werde, dann reiche die Kapazität für das S-Bahn-System nicht aus, meint Joukov. Um dies sinnvoll anzugehen, müsse der Ulmer Hauptbahnhof gut 700 Nahverkehrszüge am Tag verkraften können, die, um den Takt zu halten, immer zu viert oder fünft gleichzeitig an den Bahnsteigen halten.

"Die Bahn hat ihre maximale Leistung aber auf 579 Nahverkehrszüge ausgelegt", erläutert Filius. Würde ihr Konzept umgesetzt, dann wären alle S-Bahn-Pläne für den Ulm/Neu-Ulmer Raum gestorben. Es sei keineswegs so, dass die Bahn davon nichts wisse.

Er habe sich an den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann gewandt, der seine Unterstützung in dieser Sache zugesagt habe, berichtete Filius weiter. "Jetzt muss die Region aufwachen", fordert er. Alle Bürgermeister und Kommunalpolitiker entlang der projektierten Strecken sollten klar bekunden, dass sie damit nicht einverstanden sind.

Einen weiteren Kritikpunkt an der vorgelegten Planung griff Grünen-Stadträtin Birgit Schäfer-Oelmayer heraus. Ihr geht es um den Lärmschutz, den die Bahn den Bewohnern des Magirushofs versprochen hatte. Auf den sie jetzt aber verzichten will. Nördlich der Zinglerbrücke sollen östlich und westlich der Gleisanlagen die Schallschutzwände komplett entfallen. Die Bahn begründet diesen Verzicht mit Verkehrsprognosen des Bundes. Zunächst sei man davon ausgegangen, dass, sobald die Schnellbahntrasse Ulm-Stuttgart steht, täglich 40 Güterzüge darüber rollen, erläuterte ein Bahnmitarbeiter in Stuttgart. In der aktuellen Prognose für das Jahr 2025 rechne man aber nur noch mit 16 Güterzügen täglich. Personenzüge seien schon heute so leise, dass Schallschutz entfalle.

Info
Die Pläne der Bahn liegen bei der Stadt im Verwaltungsgebäude Münchner Straße 2 bis zum Dienstag, 22. Mai, zur Einsicht aus.