Ulm Bahnchef Grube im SWP-Forum: Südbahn kommt noch vor S 21

Stand unter Volldampf: Bahnchef Dr. Rüdiger Grube entwarf beim Forum der SÜDWEST PRESSE gestern Abend im nahezu vollbesetzten Stadthaus ein Bild über die hochmoderne Deutsche Bahn.
Stand unter Volldampf: Bahnchef Dr. Rüdiger Grube entwarf beim Forum der SÜDWEST PRESSE gestern Abend im nahezu vollbesetzten Stadthaus ein Bild über die hochmoderne Deutsche Bahn. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / RUDI KÜBLER HANS-ULI MAYER 16.12.2014
Die Südbahn kommt, die Bahn-Card bleibt erhalten, und wenn das Land bezahlt, ist auch ein Halt bei Merklingen möglich. Viel Neuigkeiten beim Besuch von Bahnchef Grube beim Forum der SÜDWEST-PRESSE.

Als SWP-Chefredakteur Ulrich Becker gestern Abend gegen 19.30 Uhr im Stadthaus bekannt gab, dass sich der Bahn-Chef verspäten würde, gab es nur ein kurzes Gelächter. Als der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG dann um 20 Uhr glücklich auf dem Podium der Forums-Veranstaltung dieser Zeitung Platz genommen hatte, stand Dr. Rüdiger Grube gleich mächtig unter Dampf. Im Eiltempo - so wie die ICE in einigen Jahren über die Alb nach Stuttgart rauschen sollen - entwarf er ein Zukunftsgemälde der Bahn.

Zuvor aber hatte der Konzernbevollmächtigte der DB, Eckart Fricke, quasi als Lückenbüßer für seinen Chef Grube mit einer Aussage die Aufmerksamkeit auf seiner Seite. Auf die Frage von Lokalchef Hans-Uli Thierer zur Zukunft der Südbahn, sagte Fricke zu, dass die Bahnstrecke an den Bodensee baldmöglichst ausgebaut und elektrifiziert werde.

Wenn alles nach Plan läuft, gibt es im Frühjahr den Planfeststellungsbeschluss, im Spätsommer den Finanzierungsvertrag und 2016 dann den Baubeginn. Wenn also alles so läuft, dann ist die Südbahn bei einer dreijährigen Bauzeit noch vor der Neubaustrecke und Stuttgart 21 fertig. "Ich habe überhaupt keine Sorge, dass durch S 21 alles Geld aufgebraucht ist." Fricke stellt sogar die Möglichkeit eines Bahnhofs bei Merklingen in den Raum. Aber: Das Land muss bezahlen, und die Schnellbahnstrecke darf nicht langsamer werden.

Nach dieser Steilvorlage wollte Grube auch etwas verkünden, und nannte alle Gerüchte auf Abschaffung der Bahn-Card einen "absoluten Quatsch". 5,1 Millionen Menschen seien im Besitz derlei Angebote, es gebe allenfalls interne Diskussionen, die Bahn-Card attraktiver zu machen. So wie überhaupt die ganze Bahn aufgemöbelt werden müsse, von deren Leistungskraft Grube überzeugt ist. So seien 300 neue Züge bestellt und 200 Millionen Euro in bessere Toiletten und Speisewagen investiert worden. Die größte Herausforderung aber sei die Digitalisierung, der Ausbau des IT-Systems, um kundenfreundlicher zu werden. "Die Digitalisierung verändert die Welt", sagt Grube, dessen Konzern deshalb ständig 20 Mitarbeiter nach Amerika schicke, um im Silicon Valley die neuesten Zukunftstechnologien mitzubekommen.

Dies sei schon deshalb notwendig, weil sich die Mobilität verändert. Junge Menschen legen seiner Beobachtung nach nicht mehr so großen Wert auf Statussymbole wie dem Auto. Sie lebten vielmehr nach dem Motto "nutzen statt besitzen". Das stelle die Bahn vor neue Herausforderungen, auf die sie sowohl im Fern- als auch im Nahbereich Antworten finden müsse.

Zur Person vom 16. Dezember 2014

Werdegang Rüdiger Grube ist 63 Jahre alt, in Hamburg-Moorburg geboren und lebt in der Nähe von Stuttgart. Seit Mai 2009 ist er Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG und der DB Mobility Logistics AG. Grube ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, hat die Hauptschule absolviert und den Realschulabschluss nachgeholt. Nach einer Ausbildung zum Metallflugzeugbauer studierte er Fahrzeugbau und Flugzeugtechnik. Es folgte ein Studium in Berufs- und Wirtschaftspädagogik, wonach Grube als Berufsschullehrer arbeitete. Nach seiner Promotion machte er sich als Berater selbstständig, es folgten leitende Funktionen bei der DASA und bei Daimler Benz, wo er vor seinem Wechsel zur Bahn beispielsweise für die strategische Konzernentwicklung zuständig war.

SWP

Linsenzuppe à la Poletto

Nicht meine erste Wahl
(auf die Frage, was ihm zu Landesverkehrsminister Winfried Hermann einfällt)

Mein Lieblings-OB in ganz Deutschland
(was er von Ivo Gönner hält)

Wäre schlimm, wenn ich nicht Cornelia Poletto sagen würde
(zur Frage nach seiner Lieblingsköchin, wenn GdL-Chef Claus Weselsky im Speisewagen zu bekochen wäre. Grube ist mit der TV-Köchin liiert. Serviert wird Linsensuppe)

Das wäre Fahrerflucht
(ob der Berliner Flughafen nach dem Abgang Mehdorns eine Alternative wäre)
Reisen bildet
(warum er seine Mitarbeiter ins Silicon Valley schickt)

Die würden sich die Finger danach lecken
(über die Ministerpräsidenten anderer Länder, die ein solches Projekt wie Stuttgart 21 gerne hätten)

Work-Life-Balance
(ein Wort, das in seiner Karriere bislang nicht vorkam)

Du hast 81,5 Millionen, die auch Bahnchef können
(wie sein Vorgänger Hartmut Mehdorn ihn auf den Job vorbereitete)

Zwei Meter vor und einen zurück
(auf die Frage, womit die Bahn bei S 21 nicht zurecht gekommen ist)

Ich betreibe die Bahn, als wäre es mein eigenes Geschäft
(über seine Arbeitseinstellung)

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