Umwelt Bäume gepflanzt und wieder gefällt

Winterlinden und Spitzahorne sind nach nur einer Woche wegen Qualitätsmängel wieder abgeholzt worden. In den nächsten Tagen aber sollen schon Ersatzbäume gepflanzt werden.
Winterlinden und Spitzahorne sind nach nur einer Woche wegen Qualitätsmängel wieder abgeholzt worden. In den nächsten Tagen aber sollen schon Ersatzbäume gepflanzt werden. © Foto: Matthias Kessler
Hans-Uli Mayer 19.04.2017

Kein Umweltfrevel, kein Baumschänder, keine Schlamperei – vielmehr Pleiten, Pech und Pannen. Christian Giers spricht von einer „blöden Geschichte“ und von einer Verkettung unglücklicher Umstände. Der Leiter der Abteilung Grünflächen bei der Stadtverwaltung Ulm meint damit die Baum-Pflanz-Fäll-Aktion entlang der von Söflingen aus nach Harthausen und Ermingen führenden Kreisstraße 9904.

Ende vorvergangener Woche waren dort am 6. und 7. April insgesamt 15 neue Alleebäume gepflanzt worden: acht Spitzahorne und sieben Winterlinden. Eine Woche später waren jedoch an Gründonnerstag alle neu gepflanzten Bäume auf knapp einem Meter Höhe  feinsäuberlich abgesägt und abtransportiert. Pendler und Bewohner der Hochsträß-Gemeinden wunderten sich. Schnell machten Spekulationen und Gerüchte von Umweltfrevlern oder Baumschändern die Runde. Die Version konnte über die Ostertage auch nicht entkräftet werden.

Am Dienstag nun wich der österliche Informations-Nebel der Nachricht, dass es sich um eine legale, geplante und offizielle Aktion gehandelt hat. „Das war natürlich sehr ungeschickt, dass wir die Bevölkerung über die Ortsverwaltungen nicht vorher informieren konnten“, räumt Eugen Hungele von der Stadtverwaltung ein, obwohl ihn im Grunde keine Schuld trifft, auch wenn er mit seinem Veto der Auslöser war. Letztlich hatte er Bedenken wegen der schlechten Qualität der jungen Pflanzbäume.

Lieferung aus Norddeutschland

Schon vor einiger Zeit hatte die Stadtverwaltung einen Landschaftsarchitekten mit der Pflanzung beauftragt. Der bestellte die Bäume bei einer der großen Baumschulen in Norddeutschland, konnte bei Lieferung aber noch nicht abschließend beurteilen, ob die gelieferten Exemplare geeignet waren. Doch schon nach dem Auspacken der zum Transport verschnürten Bäume waren die ersten Zweifel aufgekommen.

Nach den Worten von Hungele von der Abteilung Grünflächen, hat der Gärtner die Bäume aber dennoch gepflanzt – auch, um zu sehen, wie sie sich entwickeln. Um welche Firma es sich dabei handelt, will Hungele nicht sagen: „Das tut nichts zur Sache. Wir arbeiten seit Jahren zuverlässig zusammen.“ Als er selber die Bäume für die Stadt als Auftraggeber abnehmen wollten, hätten aber die Bedenken überwogen.

Im konkreten Fall sollen die Bäume keinen klaren Wuchs gehabt haben, außerdem waren so genannte Wunden zu sehen, die von in der Baumschule nicht ordnungsgemäß vorgenommenen Baumschnitten stammen. Das sei schon deshalb entscheidend, weil solche Stellen immer auch Eintrittspforten für Schädlinge sein können.

Außerdem habe ihm der Aufbau der Baumkronen nicht gefallen. Letztlich war ihm jedenfalls das Risiko zu hoch, dass die Bäume nicht gut anwachsen und die Stadt in einigen Jahren einen hohen Pflegeaufwand zu leisten habe. „Wir haben einen kritischen Blick auf die Qualität“, sagt Hungele, nach dessen Informationen es genaue Kriterien und Einteilungen in verschiedene Qualitätsstufen auch für Bäume gibt.

Kein finanzieller Schaden

Der Stadt selber ist dadurch kein finanzieller Schaden entstanden. Der Landschaftsgärtner und die Baumschule als Lieferant der Bäume hätten sich zu einigen, wie sie mit den Kosten verfahren wollen, sagt Hungele.

Nach derzeitiger Planung werden die Ersatzbäume für die Allee vermutlich  noch in dieser Woche geliefert. Und mit etwas Glück könnten sie auch noch in dieser Woche eingepflanzt werden, spätestens dann aber in der kommenden Woche – „auf jeden Fall noch in diesem Monat“, erläutert Hungele.

Das Alleen-Konzept

Landschaftspflege
Im Jahr 2013 wurde das so genannte Alleen-Konzept beschlossen. Das sieht vor, an Landstraßen und wichtigen Rad- und Spazierwegen außerhalb der Stadt Baumreihen anzulegen. Historisch gesehen waren viele Ortsverbindungen mit Alleen gesäumt, die vor Sonne und Wind geschützt und den Abtrag von fruchtbarem Humus durch Wind verringert haben. Bäume filtern die Luft, binden Staub und Schadstoffe und vernetzen die Lebensräume auch für Tiere. Bislang wurden 2014 an der Nordtangente 36 Bäume (Feld- und Spitzahorn, Zitterpappel), bei Jungingen 20 (Spitzahorn), an der Alten Erbacher Landstraße bei Einsingen 25 (Berg­ahorn) und am Sandweg in Einsingen 26 Bäume (Vogelkirsche) gepflanzt. Für Herbst ist nun eine weitere Aktion geplant, noch ist nicht sicher wo.