Ulm Azubisuche per Speed Dating: Keine Zeit verschwenden

Praktikum oder Ausbildung? Abdulla Skairek (rechts) im Gespräch mit Mustafa Kilic.
Praktikum oder Ausbildung? Abdulla Skairek (rechts) im Gespräch mit Mustafa Kilic. © Foto: Mustafa Kilic (links) von Kilic Wohnbau und Abdulla Skairek, Flüchtling aus Syrien, im Gespräch Volkmar Könneke
Ulm / JULIA KLING 14.07.2016

Zur Begrüßung ein Handschlag. Dann sitzen sie sich gegenüber. Anfangs etwas unsicher. Die einen haben sich schick gemacht, mit Jacket und Hemd. Die anderen  tragen Basecap und Sweatshirt. Beide sind auf der Suche. Nur suchen sie das selbe? Letztendlich muss das Kennenlernen und Austauschen von relevanten Informationen  schnell gehen. Es gilt, keine Zeit zu  verschwenden. Nach fünf Minuten ertönt ein Gong. Dann muss feststehen, ob man sich gefunden hat – oder eben nicht. So ist das beim Speed Dating und so war es am Dienstagabend auch in den Räumen der Handwerkskammer. Hier saßen sich potenzielle Kandidaten für eine Beziehung gegenüber, eine zwischenmenschliche zwar, im Grundsatz aber eine berufliche. Im besten Fall ein Ausbildungsverhältnis.

Keine Zeit mehr verschwenden will auf jeden Fall Abdulla Skairek. Er ist einer von 17 jungen Männern, Flüchtlingen, die beim Speed Dating auf Vertreter von zwölf Betrieben trafen. „Ich bin seit eineinhalb Jahren in Deutschland“, berichtet der 25-Jährige, der aus Syrien nach Deutschland kam. Und nach was ist er auf der Suche? „Ich will eine Ausbildung als Elektroniker machen.“ In seiner Heimat habe er bereits zwei Jahre als Schreiner gearbeitet. Aber der Beruf sei hier ein ganz anderer als in Syrien. Abdulla Skairek ist ungeduldig. Er will schnell mit der Lehre anfangen. Aber dafür brauche er erst ein Praktikum, habe man ihm erklärt, „Dann habe ich vielleicht eine Chance für eine Ausbildung.“ Er braucht Geduld, das ist ihm in den kurzen Gesprächen klar geworden. Der Gong ertönt. Stühle werden gerückt. Es geht in die nächste Runde. Wieder fünf Minuten, um herauszufinden, ob Betrieb und Flüchtling zusammenpassen.

Auch die Betriebe wollen keine Zeit verschwenden. „Es wird jedes Jahr schwieriger, Auszubildende zu finden“, berichtet Rudolf Haueise von der Blausteiner Firma Lindenmann. „Die Menschen aus dem Ausland haben Interesse. Die wollen was erreichen.“ Und was verspricht sich Haueise vom Speed Dating? „Ein erstes Kennenlernen.“ Zudem merke er, wie gut es mit der Verständigung klappe. Nicht unwichtig für eine funktionierende Beziehung. Das Prozedere findet der Handwerker anstrengend. Aber so ist das, wenn innerhalb von fünf Minuten  ein Partner für die nächsten Jahre gefunden werden soll. Nach eineinhalb Stunden sind die Dates passé. Und was bleibt? Mindestens zwei Paare wollen sich ein zweites Mal treffen. Dann aber in aller Ruhe, ohne Gong und Stühlerücken.

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