Studenten dürften gemischte Gefühle gegenüber dem neuen Angebot haben, das die Uni Ulm seit diesem Semester im Medizinstudium anbietet. Zweifelsfrei, der Studienalltag wird dadurch unkomplizierter – gleichzeitig dürfte es eines der besten Argumente zunichte machen, eben nicht fürs Studium zu büffeln: das gute Wetter.

Mit der neuen „mymi.mobile“-App der Uni Ulm (die Abkürzung mymi steht für „my microscope“) können Studenten über das Internet auf Mikroskopbilder von Gewebeproben zugreifen. Egal, ob sie sich dabei an der Uni oder auf der Donauwiese befinden: sofern eine Internetverbindung besteht, sind die rund 100 Gewebeproben abrufbar.

Das Team um Prof. Stefan Britsch, Leiter des Instituts für molekulare und zelluläre Anatomie, hatte dafür vorab sämtliche Gewebeproben der Universität – unter ihnen auch tierische Proben, mit denen Studenten der Humanmedizin ebenfalls arbeiten – hochauflösend digitalisiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Mikroskopbilder – vom Axolotl-Darm bis zur menschlichen Oberlippe – sind bis ins kleinste Detail vergrößerbar. Anmerkungen klären über die Bestandteile des Gewebes auf.

Die Uni hat die Mobile-App direkt in den Pflichtkurs „mikroskopische Anatomie“ eingebaut. „Manche Gewebeproben behandeln wir nicht mehr in der Vorlesung, sondern wir verweisen nur noch auf unsere App“, sagt Britsch. Für ihn gibt es gute Gründe, dieses Angebot einzuführen: „Früher fand der Studentenalltag oftmals in der Universität statt. Heutzutage wird verlangt, dass auch eine Mutter mit Kind ohne Einschränkungen alle Studienangebote nutzen kann. Doch die kann eben nicht ständig in der Uni anwesend sein.“

Die App wird im Browser dargestellt – kann deshalb auf Smartphones, Tablet-PCs und Heimcomputern gleichermaßen abgerufen werden. „Uns war es wichtig, die App für alle Endgeräte zugänglich zu machen“, sagt Barbara Eichner vom Kompetenzzentrum E-learning in der Medizin Baden Württemberg. Das Team um Eichner kümmerte sich um die technische Realisierung.

Angebote wie die „mymi.mobile“-App sollen die Hochschullehre zurück in die Lebenswirklichkeit heutiger Studenten holen. In Zeiten, in denen Studenten mit Mini-Computer in der Hosentasche den Campus bevölkern, wirken kiloschwere Fachbücher wie die Last aus einem vergangenen Jahrhundert. Der Student von heute zieht die digitale der papiergebundenen Information vor. Was in privaten Belangen schon lange Realität ist, steckt in der Hochschullehre allerdings noch in den Kinderschuhen.

Die Universität Ulm geht mit der „mymi.mobile“-App nun einen weiteren Schritt in Richtung digitaler Lehre. Das Kompetenzzentrum von Eichner arbeitet derweil an weiteren digitalen Angeboten. Zur Zeit wird eine App entwickelt, die alle Kursinhalte gebündelt über mobile Endgeräte abrufbar macht.

Die „mymi.mobile“-App ist im Internet ohne Anmeldung frei verfügbar. Britsch und Eichner erhoffen sich auch einen Mehrwert für den Unterricht in Schulen. „In Zeiten knapper Budgets können sich manche Schulen keine eigenen Mikroskope leisten. Biologielehrer könnten da auf die App zurückgreifen und den Unterricht mit diesem Angebot ergänzen.“

Info
Die App ist über mymi.net-base.de/mobile abrufbar.