Lesung Lesung von Axel Hacke: Ehrlich lustig

Auch Axel Hacke hatte im Roxy Spaß.
Auch Axel Hacke hatte im Roxy Spaß. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Jürgen Kanold 19.01.2018
Sprachkünstler, Kolumnist, Showtalent und jetzt auch Moralist: Erfolgsautor Axel Hacke beglückt 400 Zuhörer im Roxy.

Mit einem Stapel seiner Bücher unter dem Arm stolpert er fast auf die Bühne und macht es sich dann auf einem alten Sessel gemütlich. „Axel Hacke liest“, steht auf den Plakaten. Das tut der gelernte Journalist und Erfolgsautor, der am Samstag seinen 62. Geburtstag feiert, deutschandweit ziemlich oft. Dafür liest er weniger und erzählt mehr. „Das Beste aus meinem Leben“ heißt Hackes bekannteste Rubrik fürs Magazin der „Süddeutschen“, und auch sein Auftritt im Roxy vor 400 begeisterten Zuhörern war ein Best-of  – mit Hinweisen auf den Büchertisch.

Das Kleine groß machen, im Großen das Kleine suchen: Hacke ist ein Meister der Glosse, ein fleißiger Kolumnist. Ein Sprachkünstler auch, der die „Wortstoffhöfe“ abklappert und aus dem täglichen Schrift- und Sprechabfall lakonischen Witz für den Leser und das Publikum recycelt. „Der weiße Neger Wumbaba“ und die anderen „Handbücher des Verhörens“ gehören zu Hackes Bestsellern – eine Betrachtung über missverstandene Schlagertexte durfte zum Finale nicht fehlen. Südsee-Träume mit Schnitzel und Fruchtzwergen, herrlich komisch.

Autoren, die mit Szenen aus ihren Büchern auf die Show-Bühne drängen, kennt man zunehmend, etwa das Kluftinger-Krimi-Duo Klüpfel/Kobr. Und Hacke kann es, ganz ohne Requisiten, besonders gut. Er ist der Kolumnen-Comedian und überhaupt ein sehr humorvoller, ein sehr gebildeter wie auch ein mehr oder weniger ironisch den Eingebildeten gebender Erzähler. Er beherrscht den maliziösen Ton (und erinnert an einen anderen Ich-Künstler aus der Heldengalerie der „Süddeutschen“, Joachim Kaiser), setzt aber auch Pointen mit ruppiger, stoßartiger Artikulation.

Hacke hat auch wirklich was zu sagen. Lieferten ihm früher die Kinder und Kühlschrank Bosch den Stoff, hat der Autor längst Land gewonnen und kümmert sich um „Das Beste aus aller Welt“. Gelernt ist gelernt, Hacke war bei der „SZ“ bis 2000 Redakteur, Politik- und auch Sportreporter. Großartig seine verblüffend analytische Kolumne über die Kanzlerkandidaten der „SchPD“: Schmidt, Scharping, Schröder, Schteinbrück, Schulz. Besonders siegreich waren die Sozis nach Hackes Zählung im Sch-Namen-Duell: Schmidt gegen Schtrauß, Schröder gegen Schtoiber. Aber wer könnte unter den Vize-Vorsitzenden Schwesig, ­Scholz, Schte­gner und Schäfer-Gümpel nachrücken?

Der irdische Alltag reicht Hacke schon lange nicht mehr als Spielfeld aus, er arbeite mittlerweile „schöpfungsergänzend“, konstatiert er. In seinem 2016 erschienenen, einmal mehr von Michael Sowa illustrierten Buch „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ schildert der leicht ins Surreale abdriftende Autor die Erlebnisse eines Münchners mit dem Allerhöchsten.

Plädoyer ohne Lacher

Jetzt kennen wir auch noch den Moralisten Hacke. „Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen“ heißt sein aktueller Bestseller. Der ist überhaupt nicht lustig, aber willkommen in der Trump-Welt als ein Plädoyer für Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, für ein Handeln ohne böse Hintergedanken. Kein Lacher im Roxy, nachdenkliches Zuhören. Der Kolumnist als die vernünftige Stimme des Volkes. Mehr geht nicht.

„Über den Anstand in schwierigen Zeiten“

Bücher Das Werk von Axel Hacke, darunter „Das kolumnistische Manifest – das Beste aus 1001 Kolumnen“, erscheint im Verlag Antje Kunstmann. Der Essay „Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen“ steht aktuell auf Platz 4 der „Spiegel“-Bestsellerliste Sachbuch.

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