Rezension Autor Etgeton liest beim Leseherbst am Schubart-Gymnasium

Ulm / Ein Kommentar von Lea Glumb (JS2) 23.12.2017

Ich starre auf den mit pinkfarbenem Textmarker bemalten Nacken meines Mitschülers und versuche es mir auf dem harten Holzstuhl irgendwie gemütlich zu machen. Ich sehe mich im Musiksaal um, die meisten meiner Mitschüler sind am Handy, die Lehrer lassen ihre Blicke durch die Menge schweifen. Es ist mal wieder Leseherbst – der letzte für die Jahrgangsstufe 2. Wir sind alle recht froh darüber, denn um mal ganz ehrlich zu sein, war es nie ein wirkliches Spektakel. Nur irgendein mehr oder weniger bekannter Autor, der vor einer Stufe desinteressierter Schüler liest. Umso überraschender ist es daher, dass die Veranstaltung sich dieses Mal nicht wie lauwarmer Käse in die Länge gezogen hat.

„Das Glück meines Bruders“

Stefan Ferdinand Etgeton heißt der diesjährige Autor und er stellte seinen Roman „Das Glück meines Bruders“ vor. Er sitzt an dem kleinen Tisch, sein roter Schnauzbart perfekt in Szene gesetzt, mit einer roten Trainingsjacke, darunter ein gemustertes Hemd. Sein Roman erzählt die paradoxe Geschichte zweier Brüder, von denen der gesündere am Ende eher der Verlorene ist, während der andere sein Glück findet, so Etgeton. Die beiden Protagonisten – Botho und Arno – wachsen gemeinsam auf. Später verlieren sich die Brüder aus den Augen. Jahre später treffen sie sich im belgischen Dorf Doel wieder, wo ihre Großeltern lebten und sie in ihrer Jugend einige Sommer verbracht haben. Die Großeltern sind bereits seit Jahren tot und ihr Haus steht, wie auch der Rest des Dorfes, zum Abriss bereit. Botho und Arno verbringen einige letzte Tage dort und schon bald beginnt eine beklemmende Reise in ihre Vergangenheit.

Zuerst das Ende

Nach dieser kleinen Vorstellung seines Romans beginnt er mit der Lesung. Aber nicht wie gewohnt mit dem Anfang des Buches  – nein. Er liest zuerst das Ende seiner Geschichte vor. Während er liest, merkt man deutlich, dass Etgeton in der Vergangenheit bereits an einigen Poetry-Slam Contesten teilgenommen hat, denn in seiner Stimme schwingt dieser unverwechselbare Rhythmus mit.

Er liest eine recht bizarre, aus scheinbar endlosen, aber brillianten Bandwurmsätzen bestehende Geschichte vor. Er erzählt von Küssen unter Kirschbäumen, von einem ehemaligen Alkoholiker, der nur noch Malzbier trinkt, dessen Bruder Sex mit Schülerinnen und der Frau des Schuldirektors hat. Dass Etgeton mit dem Ende seiner Geschichte angefangen hat, macht es nicht gerade einfacher dem Ganzen zu folgen, aber es führt auch dazu, dass man unbedingt wissen möchte, wie es wohl zu dieser Verkettung von Umständen gekommen ist.

Interessante Einblicke

Am Ende der Lesung beantwortet Etgeton dann einige Schülerfragen und verrät unter anderem, dass er selbst zwar gerne lese, aber keinesfalls ein echter Bücherwurm sei. Abschließend denke ich, dass sich der Leseherbst dieses Jahr tatsächlich gelohnt hat und wir Einblicke in die Arbeit eines äußerst interessanten Autors bekommen haben.

Info Der Leseherbst hat mittlerweile Tradition am Schubart-Gymnasium. Jedes Jahr werden bekannte und weniger bekannte Autoren eingeladen, um vor einzelnen Klassenstufen aus ihren neuesten Werken vorzulesen und mit den Schülern zu diskutieren.

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