Ulm / SWP  Uhr
Die Premiere war ein großer Erfolg: Neun Poeten brachten am Samstag im ausverkauften Roxy ihre Texte auf die Bühne. Zwei Slammer aus Bamberg bekamen den meisten Applaus.
Den Fernseher hätten die Zuschauer ausgeschaltet. Simbabwe, Afghanistan, Libyen. Macht, Gewalt, Krieg. Drei ähnliche Themen, ein Drittel des Programms. Aber die Zusschauer im Roxy bleiben dran. Und das Programm bleibt politisch, nachdenklich, kritisch. Aber eben auch witzig, intelligent und pointiert - eine Alternative zum CSI- und Castingshow-dominierten Fernsehprogramm am Samstagabend.

So sahen das auch die mehr als 600 Zuschauer, die zum ersten Poetry Slam ins Roxy gekommen waren. Gut die Hälfte von ihnen erklärte per Handzeichen noch nie bei einem Dichterkampf gewesen zu sein. Kein Wunder: der Slam in der Podium Bar war mit knapp 200 Gästen nicht nur wesentlich kleiner, sondern auch bereits Wochen im Voraus ausverkauft. Eng wurde es dann auch im voll bestuhlten Roxy, ein paar Spätentschlossene mussten sogar an der Kasse kehrt machen. Alle Draussengebliebenen können die Beiträge natürlich bei Youtube ansehen - und nächstes Mal rechtzeitig Karten kaufen.

Auch die Poeten selbst waren überrascht über den Publikumsandrang, zudem einige von ihnen zuvor bereits in der Podium Bar aufgetreten waren. Neben fünf Dichtern aus ganz Deutschland mit leichtem Bamberg-Überschuss (drei!) standen auch ein Gast aus Simbabwe und drei Local Heroes auf der Bühne.

Der Schüler Max Rechtsteiner (Illertissen) beendete gnadenlos eine Beziehung, Almuth Nitsch von Kerry (früher Ulm) richtet ihren Text an die eigenen Eltern. Christian Ritter (Bamberg) setzte auf den Witz seiner "Merkwürdigen Dialoge", scheiterte am Ende aber an dem undankbaren Job, den Wettbewerb eröffnen zu müssen. Den inhaltlich und stilistisch anspruchsvollsten Text trug sicher Theresa Hahl (Marburg) vor. Beifall gab es auch für einen der erfogreichsten Rapper Simbabwes: Outspoken ist derzeit auf Tour und hat auch in Ulm halt gemacht. Franziska Holzheimer (bald Hamburg) hätte mit ihrer Stimme wohl alles vortragen können und das Publikum eingehüllt, entschied sich aber für einen Text über das glitzernde Wasser im Hamburger Hafen. Slam-Neuling Marc Hettich (Babenhausen) überraschte mit seinen nachdenklich-romantischen bis provokant-politischen Gedichten.



Der Doppelsieg ging aber schließlich doch nach Bamberg: Clara Nielsen brillierte bereits beim ersten Slam in der Podium Bar vor drei Jahren und outete sich am Samstag als Fußball-Fan und Winter-Freundin. Max Kennel setzte auf ungewohnt politische Themen - und punktete.