Wo man hingeht, aus dem Bauhaus kommt man dieses Jahr praktisch nicht mehr heraus. Die Avantgarde-Schule wurde vor 100 Jahren gegründet und fand ihr Ende im Nationalsozialismus. Seither steht das Bauhaus für ein anderes, modernes Deutschland – und das darf man auch feiern. Infos zum Jubiläumsprogramm insgesamt gibt es unter www.bauhaus100.de, Ausstellungen unter anderem im ZKM Karlsruhe (s. links) oder in der Staatsgalerie Stuttgart: Für „Weissenhof City“ (7. Juni) setzen sich dort mehrere Künstler mit dem Bauhaus-Kosmos auseinander. Das „absolute Highlight“ der Staatsgalerie jedoch, so heißt es dort, sei die Schau über „Die jungen Jahre der Alten Meister“, womit in diesem Fall „Baselitz – Richter – Polke – Kiefer“ gemeint sind (12. April). Zum Ausgleich für die vielen Männer bekommt die Österreicherin Maria Lassnig wenigstens einen kleinen Auftritt  (14. März).

Ein männlicher Meister wird in Berlin kritisch hinterfragt: Emil Nolde. Seine Kunst galt unter den Nazis zwar als „entartet“, der Künstler selbst aber war Anhänger des NS-Regimes. Eine Tatsache, mit der sich die Ausstellung „Emil Nolde – eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus“ im Hamburger Bahnhof nun befasst (12. April).

Frankfurt derweil fiebert dem Kunst-Event des Jahres entgegen. Das Städel plant die laut Selbstauskunft größte Schau seiner Geschichte: „Making Van Gogh“ nimmt die deutsche Rezeption seines Werks in den Blick, denn deutsche Sammler, Kritiker und Museen spielten eine wichtige Rolle für den Erfolg des Künstlers (23. Oktober). Ebenfalls im Oktober würdigt die Schirn Lee Krasner, eine Pionierin des Abstrakten Expressionismus’, die lange im Schatten ihres Mannes Jackson Pollock stand (11. Oktober).

Von Frankfurt aus ist es ein Katzensprung in die Kunsthalle Mannheim, die in „Inspiration Matisse“ diesen „Künstler für Künstler“ im Kreise jüngerer Zeitgenossen präsentiert (27. September).

Damit sind wir in Baden, wo es einen Pflichtbesuch in der Kunsthalle Karlsruhe zu absolvieren gilt: Die Große Landesausstellung widmet sich einem Meister des 16. Jahrhunderts, Hans Baldung Grien. Bislang, sagt Direktorin Pia Müller-Tamm, sei sein Werk nur ein einziges Mal – vor sechzig Jahren in der Kunsthalle Karlsruhe! – in großem Stile ausgestellt worden. Nun wird der regional verwurzelte, aber ebenso international bedeutsame Künstler mit Hilfe wichtiger Leihgaben wieder entdeckt (30. November).

Ins 17. Jahrhundert rückt man in München mit einer Schau zu Anthonis van Dyck vor. Die Alte Pinakothek widmet ihm eine große Ausstellung und folgt seiner Entwicklung ausgehend von der Auseinandersetzung mit Rubens (25. Oktober). Wo Rubens ist, liegt der Gedanke an Rembrandt nah – zumal der Niederländer 350. Todestag hat, was unter anderem im Wallraf-Richartz-Museum begangen wird. Die Prager Nationalgalerie schickt zu diesem Anlass ihr Gemälde „Der Gelehrte im Studierzimmer“ nach Köln (1. November).

Und einen spannenden Blick nach Afrika wirft die Kunsthalle Tübingen: In der Ausstellung „Congo Stars“ zeigt sie Werke von 70 kongolesischen Künstlerinnen und Künstlern von den 1960er Jahren bis heute (9. März).

Jenseits der Grenzen


Das Kunsthaus Bregenz startet mit dem Künstler Ed Atkins ins neue Jahr, der für die Schau am Bodensee auch neue Arbeiten zeigen wird (19. Januar); unter anderem ist im Lauf des Jahres die Malerin Miriam Cahn zu sehen (13. April).

Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel präsentiert nach eigenen Aussagen ihre bislang hochkarätigste Ausstellung: „Der junge Picasso – Blaue und Rosa Periode“ (3. Februar).

Wien schickt sich an, den Kanon umzuschreiben: Im Unteren Belvedere werden zur Abwechslung mal nicht Schiele und Klimt, sondern die Frauen der Avantgarde präsentiert, deren Namen kaum einer kennt: Helene Funke oder Erika Giovanna Klien sind Künstlerinnen in der „Stadt der Frauen“ (25. Januar).

Der 500. Todestag von Leonardo da Vinci wird in Frankreich und England zelebriert. Der Pariser Louvre kündigt für den Herbst eine „außergewöhnliche Ausstellung“ an, außerdem gibt es ein Programm an der Loire, wo Da Vinci starb: www.vivadavinci2019.fr. Die englische Royal Collection zeigt ihre Sammlung von Leonardos Zeichnungen an zwölf verschiedenen Orten (1. Februar), ab Mai finden sie im Buckingham Palace in London zusammen (24. Mai). Einmal dort, sollte man sowieso in der Tate Modern vorbeischauen, in die Retrospektive für Dorothea Tanning (27. Februar).

Nicht zu vergessen Venedig! Am 11. Mai beginnt dort die 58. Biennale und damit eine der schönsten Gelegenheiten, sich mit dem aktuellen Kunstschaffen vertraut zu machen.