Ulm Ausstellung zum 70-jährigen Bestehen der Volkshochschule

Reproduktionen bekannter Otl-Aicher-Grafiken können zum 70-Jährigen der vh erstanden werden. Unser Bild entstand zur Ausstellungseröffnung, von links: Dagmar Engels, Dagmar Rinker und Christian Schulz.
Reproduktionen bekannter Otl-Aicher-Grafiken können zum 70-Jährigen der vh erstanden werden. Unser Bild entstand zur Ausstellungseröffnung, von links: Dagmar Engels, Dagmar Rinker und Christian Schulz. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / BERND RINDLE 18.04.2016
Ein Jahr nach der Befreiung Ulms vom Nationalsozialismus ist die vh gegründet worden. Eine Ausstellung erinnert an die Bastion der Demokratie und 70 Jahre politisch-kulturelle Erwachsenenbildung.

Am 24. April 1945 hat die US-Armee der Nazi-Gewaltherrschaft in Ulm ein Ende gesetzt. Auf den Tag genau nahm ein Jahr später mit der Ulmer Volkshochschule eine Demokratisierungs- und Bildungsoffensive ihren Anfang, die bis heute unvermindert andauert. Im Bemühen, eine neue, breit gebildete Gesellschaft auf zubauen, die von humanistischen Werten durchdrungen ist, haben Inge Aicher-Scholl, ihr Mann Otl Aicher und das damalige Kuratorium mit dem Segen der amerikanischen Militärverwaltung zum Mitmachen, zur aktiven Teilnahme aufgerufen.

"Einmischen erwünscht", hieß es damals. Und so lautet auch der Titel der zweiteiligen Dauerausstellung, die am Samstag, eine Woche vor der vh-Geburtstagsfeier, eröffnet worden ist. Eine Ausstellung, die sich sowohl mit den Inhalten der Volkshochschule als auch mit dem durchgängigen Design und der Bauhistorie befasst. Einen zentralen Platz des ersten Teils nehmen legendäre vh-Plakate Otl Aichers ein, die im Erdgeschoss zu sehen und als Nachdruck im ersten Stock für 30, beziehungsweise 60 Euro pro Exemplar zu erwerben sind, wie vh-Leiterin Dagmar Engels sagte.

Christian Schulz, Vorsitzender der "Freunde und Förderer der Ulmer Volkshochschule" bezeichnete die Werke mit ihrer eigenen Ästhetik in Form und Inhalt als "Aushängeschild für die vh", die tief in der Stadt verwurzelt sei. "Sie haben das grafische Gesicht der vh geprägt." So wie die Einrichtung die gesellschaftliche Entwicklung maßgeblich beeinflusst habe und nicht mehr weg zu denken sei.

Die Designhistorikerin Dagmar Rinker würdigte die Verdienste Otl Aichers und Inge Aicher-Scholls als Geburtshelfer der kulturellen und politischen Erwachsenenbildung in Ulm. Vor allem verwies sie auf die Weltgeltung, die Aichers grafische Werke genießen. "Museen suchen immer noch nach Originalen, obwohl es kein Museum gibt, das keine Plakate von Otl Aicher hat." Besonders gesegnet ist das Museum of Modern Art: "Das Moma hat 34 Plakate in der Sammlung."

Einen Meilenstein in der visuellen Kommunikation habe Aicher mit seiner eigens für die Ulmer Volkshochschule entwickelten Formensprache gesetzt. Wohlgemerkt als Teile eines ganzheitlichen Systems, das von den Kaffeetassen bis zu den Ulmer Stelen als Informationsträger anstatt plumper Litfaßsäulen reicht. "Ein großes Wagnis angesichts der Nierentisch-Ästhetik der 50er Jahre", sagte Rinker, um mit ihrer "nicht überprüften These" sogleich selbst eines einzugehen: "Die Ulmer vh ist die erste öffentliche Institution mit einem einheitlichen Erscheinungsbild."

Das kongeniale Ehepaar war auch maßgeblich an der Gründung einer weiteren Ulmer Institution beteiligt: der Hochschule für Gestaltung. Auf ihre Initiative hin ist es gelungen, Max Bill ins Boot zu holen, was nicht die einzige Verbindung zwischen vh und HfG bleiben sollte. "Die ersten Grundkurse der HfG fanden in Räumen der Volkshochschule statt."

70 Jahre vh

Feier Ihren 70. Gründungstag feiert die Ulmer vh am kommenden Samstag, 23. April. Was stattfindet, verriet Volkshochschul-Chefin Dagmar Engels bei der Ausstellungseröffnung noch nicht. Sie sprach aber eine Einladung aus: "Wir feiern am 23. April in den Geburtstag hinein." Beginn des Festabends im Einstein-Haus ist um 19 Uhr. Eintritt frei.

 

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