Ulm Ausstellung über Folter im Sparkassen-Gebäude

Christoph Platz und Frauke Wilken mit einem Objekt.
Christoph Platz und Frauke Wilken mit einem Objekt. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / LISA MARIA SPORRER 02.07.2015
"Autsch" ist der Titel einer der Kunstobjekte, die der Förderverein des Behandlungszentrums für Folteropfer ausstellt. Zur Vernissage wurde für mehr Achtsamkeit plädiert, für Voyeurismus ist kein Platz.

Mit 18 mischte sich Sergio Vesely in die Politik ein und wurde wenige Monate nach der gewaltsamen Machtübernahme des Militärs unter Pinochet aus politischen Gründen verhaftet. Seine ersten Lieder, Gedichte und Zeichnungen entstanden während der fast zweijährigen Haft in verschiedenen Konzentrationslagern, Verhörzentren und Gefängnissen der chilenischen Militärdiktatur. Mit kräftiger Stimme füllte er mit diesen Liedern nun das Studio der Sparkasse in der Neuen Mitte. Sie schildern nicht nur die Folter, die ihm angetan wurde; sie erzählen von der Sehnsucht nach Normalität.

Auch die Kunstausstellung "Mitten unter Euch", auf deren Vernissage Vesely sang, zeigt keine grausamen, blutigen Bilder, um den Schrecken von Folter begreifbar zu machen. Die ausstellenden Künstler thematisieren in ihren Werken die Würde des Menschen, ihre Entehrung, ihre Verletzlichkeit und ihre Ohnmacht. "Wir wollen die Opfer nicht erneut zu Opfern werden lassen und damit dem Voyeurismus preisgeben", sagte Matthias Hambücher, der diese erste Kunstausstellung des Fördervereins des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm (BFU) zum Internationalen Tag zur Unterstützung der Folteropfer organisiert hat.

Seit 20 Jahren kümmert sich die Einrichtung in Ulm um traumatisierte Flüchtlinge - zu Beginn der 90er Jahre um die Opfer des Bosnien-Krieges, heute um Flüchtlinge aus aller Welt, auch Opfer der Staatssicherheit der DDR. "Viele Menschen haben wohl den Eindruck, dass Folter etwas Abgeschlossenes ist oder zumindest etwas, das höchstens außerhalb der Grenzen Europas in Diktaturen stattfindet", sagte Manfred Makowitzki. "Außerdem wollen Folteropfer oft nicht als solche erkannt werden", sagte der organisatorische Leiter des BFU: "Sie sind also nicht präsent für uns." Insofern steht der Name der Ausstellung nicht nur für den sensiblen Umgang mit dem Thema, sondern auch für das Verborgene der Mitmenschen. "Wir leben mit so vielen Menschen zusammen und wissen gar nicht, welche Erfahrungen und Geschichten ihr Leben auszeichnen. Wie aber sollen wir fragen nach dem, was wirklich wichtig ist", gab Hambücher zu bedenken.

Mitten unter uns - nämlich in der Stadtmitte - werden solche Fragen auf dezente Weise ins Bewusstsein gerückt. Dort ist etwa eine überdimensional große, rosafarbene Hand ausgestellt, auf der ein ebenso unverhältnismäßiges Lineal liegt. Diese Skulptur mit dem eingängigen Titel "Autsch" weckt bei manchen Betrachter Erinnerungen und sie zeigt auch symbolisch auf, dass dabei etwas aus dem Maß geraten ist.

Info Die Ausstellung in der Sparkasse Neue Mitte ist bis 22. Juli zu sehen. Montag bis Donnerstag 8 bis 18 Uhr, freitags 8 bis 16.30 Uhr und samstags 8.30 bis 16 Uhr. Gezeigt werden Werke von Anna Arnskötter, Christoph Platz, Lothar Seruset und Frauke Wilken.

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