Ulm/Altbierlingen Ausstellung in Ulm zeigt Luftbild eines Gräberfelds bei Altbierlingen

Ausschnitt aus dem Luftbild in der Ausstellung: Das Getreide zeichnet mit dunklerem Grün und höherem Wuchs die Gräber bei Altbierlingen nach.
Ausschnitt aus dem Luftbild in der Ausstellung: Das Getreide zeichnet mit dunklerem Grün und höherem Wuchs die Gräber bei Altbierlingen nach. © Foto: Hacker
Ulm/Altbierlingen / AH 26.08.2014
Eine Ausstellung im Landratsamt in Ulm erinnert an ein Bodendenkmal bei Altbierlingen. Das frühmittelalterliche Gräberfeld konnte mit Hilfe der Luftbildarchäologie gut dokumentiert werden.

Archäologische Spuren und Schätze unterm Acker sind Thema einer Wanderausstellung des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, die bis zum 5. September im Haus des Landkreises in Ulm zu sehen ist. Sie greift das Thema auf, dass im Land viele archäologische Denkmale in landwirtschaftlich ge-nutzten Gebieten zu finden sind und deshalb der Land- und Forstwirtschaft eine wichtige Rolle bei der Erhaltung dieses archäologi-schen Erbes zukommt. Die Ausstellung zeigt auf Tafeln Fotos von frühgeschichtlichen Grabhügeln, keltischen und römischen Spuren bis zu mittelalterlichen Wüstungen und Resten einer Kirchenruine.

Aus dem Alb-Donau-Kreis werden ein frühmittelalterliches Gräberfeld bei Altbierlingen, Reste eines ehemaligen römischen Gutshofs bei Staig-Steinberg und jungsteinzeitliche Funde bei Öllingen gezeigt. Die Ausstellung im Landratsamt ist geöffnet Montag bis Freitag von 8 bis 12.30 Uhr, donnerstags von 8 bis 17.30 Uhr.

Der alamannische, merowingerzeitliche Friedhof bei Altbierlingen ist aus der früheren Literatur gut bekannt; schon um das Jahr 1908 waren Gräber freigelegt worden. Beim "Aufwerfen von Kohlrabenlöchern" war ein Landwirt in nur 30 Zentimeter Tiefe auf erste Funde gestoßen. In der Folge wurden rund 30 Gräber geborgen, darunter war auch der herausragende Fund des Colliers mit Ametystperlen und goldgefassten Ametystanhängern aus dem Grab eines adeligen Mädchens aus dem siebten Jahrhundert.

In der Ausstellung wird nun gezeigt, wie der Friedhof Mitte der 80er Jahre durch die Luftbildarchäologie sozusagen wiederentdeckt wurde, wie Dr. Peter Paul Vertesalji von der Außenstelle Tübingen der archäologischen Denkmalpflege in einem Aufsatz 1993 beschrieben hat. Mit Hilfe der Computer werden die Entzerrung der Luftbilder und die genaue Lokalisierung archäologischer Objekte möglich. Der längliche Friedhof am östlichen Ortsrand von Altbierlingen ist demnach etwa 90 Meter lang und maximal 30 Meter breit. "Wahrscheinlich hat er an einem alten Weg bzw. einer Straße gelegen", schrieb Vertesalji, der die Zahl der zumeist Ost-West orientierten Gräber mit mehr als 130 angab. "Sie scheinen in bis zu 11 Gruppen angeordnet zu sein, wenn die Trennung der dunklen, länglichen, strichförmigen Bodenverfärbungen der Gräber von denen der punktförmigen positiven Bewuchsmerkmale des umgebenden Rübenackers richtig durchgeführt worden ist. In diesem Falle könnte man davon ausgehen, daß die 11 z.T. ineinander übergehenden Gruppen von Gräbern auf ebensoviele Familien zurückgehen dürften, die ihre Toten in Familiengrablegen bestattet haben."

In der Ausstellung ist jetzt von mindestens 200 Gräbern die Rede; das hat sich nach Darstellung des Landesamts bei Trockenperioden im Luftbild gezeigt. Der Getreidebewuchs zeichnet mit sattem Grün und höherem Wuchs auf dem gut entwässernden Schotterrücken die Grabgruben nach.