Ulm Ausstellung am Kepler-Gymnasium: Ulm, die bunte Stadt

Christine Grunert (rechts) und Lydia Prezer mit Kepler-Schülerinnen.
Christine Grunert (rechts) und Lydia Prezer mit Kepler-Schülerinnen. © Foto: Schule
Ulm / CHARLOTTE ELSNER 13.12.2013
Wer von euch macht Urlaub im Ausland? Das war eine der ersten Fragen, die uns gestellt wurden. Das Ergebnis war deutlich: nur zwei, drei Schüler pro Klasse bleiben in der Region. Was hat das mit dem Migrantenanteil in Ulm zu tun?

Wer von euch macht Urlaub im Ausland? Das war eine der ersten Fragen, die uns gestellt wurden, als zwei 9. Klassen des Kepler-Gymnasiums Besuch von Christine Grunert (Koordinierungsstelle Internationale Stadt) und Lydia Prezer (Internationalen Ausschuss) bekamen. Das Ergebnis war deutlich: nur zwei, drei Schüler pro Klasse bleiben in der Region. Was sollte uns das zeigen? Was hat das mit dem Migrantenanteil in Ulm zu tun?

38 Prozent der Ulmer haben einen Migrationshintergrund. Diese Zahl ist im Vergleich zu anderen Städten, zum Beispiel Berlin mit 25 Prozent, hoch. Es gibt kein "Hier" und "Dort" mehr. Internationalität und kulturelle Vielfalt gehören zu unserem Alltag. Von der englischen Musik bis zur italienischen Pizza, wir haben uns daran gewöhnt, Teile anderer Kulturen zu übernehmen. Besonders in Europa sind die Grenzen fließend. Daher ist es für uns auch so einfach, unsere Ferien in Spanien am Strand oder in Paris unter dem Eiffelturm zu verbringen.

Bei einem so hohen Migrantenanteil stellt sich zudem die Frage, was Ulm anders macht? Dass Ulm für Migranten attraktiv ist, dafür setzen sich der Internationale Ausschuss und die Koordinierungsstelle ein. Ein Problem sei, dass Diplome vieler ausgezeichnet ausgebildeter Migranten nicht anerkannt werden, meint Lydia Prezer. Das soll sich ändern. Außerdem setzt sie sich dafür ein, dass Frauen zu Kulturmittlerinnen ausgebildet werden. Sie unterstützen Unternehmen bei internationalen Kulturfragen und bilden eine Brücke zwischen den Kulturen.

Unsere Klasse war sich einig, dass der hohe Migrantenanteil in Ulm positiv zu sehen ist. Je mehr Kulturen es in einer Stadt gibt, umso interessanter wird sie.

Christine Grunert findet, dass der Migrantenrate in Ulm ruhig noch höher sein könnte. Die Tatsache, dass wir sowohl den Internationalen Ausschuss als auch die Koordinierungsstelle dringend brauchen, wird durch die Zahlen der Migranten bei den unter Sechsjährigen gestärkt: Mehr als die Hälfte (55 Prozent) kommen aus Familien, die aus dem Ausland stammen. Da stellt sich die Frage: Ist es wirklich sinnvoll, dass sich die Mehrheit integrieren muss? Oder sollten eher wir endlich dazu bereit sein, uns mehr für sie zu öffnen? Zum Nachdenken über solche Fragen sollte die im Foyer aufgebaute Ausstellung "Ulm: Internationale Stadt" anregen - und zwar alle Kepler- und Humboldt-Schüler, denn die Ausstellung bleibt zwei Wochen stehen.