Gastronomie Ulm Bars und Kneipen: Gebühren für Außenbewirtschaftung steigen um 20 Prozent

Ulm / Christine Liebhardt 07.01.2019

Wenn der Platz drinnen nicht mehr reicht, dann stellt man Tische und Stühle eben auch vor die Tür. Vor allem natürlich im Sommerhalbjahr, wenn viele Menschen beim Mittagessen oder Kaffeetrinken ohnehin lieber draußen sitzen wollen. Gastronomen, die das ihren Gästen anbieten wollen, müssen für eine entsprechende Genehmigung dieses Jahr deutlich tiefer in die Tasche greifen: Die Stadt hat die Gebühren für die Außenbewirtschaftung um 20 Prozent erhöht. Das hatte der Hauptausschuss des Gemeinderates beschlossen.

1800 Euro pro Saison

Im Vergleich mit anderen Städten sei die Ulmer Gebühr bislang weit unterdurchschnittlich gewesen, sagte Roland Häußler, Leiter der Bürgerdienste, auf Nachfrage. Ein Beispiel: Wer eine Genehmigung für 50 Quadratmeter Außenbewirtschaftung für den Zeitraum von April bis Oktober möchte, zahlt ab dem kommenden Jahr je nach Lage zwischen 360 und 1800  Euro (in der Fußgängerzone). In Pforzheim etwa reicht die Bandbreite demnach von 44 bis 2917 Euro, in Karlsruhe gar von 875 bis zu 5250 Euro (siehe Vergleich).

20.000 Euro Mehreinnahmen

132.000 Euro hat die Stadt im Jahr 2017 durch solche Gebühren eingenommen. Durch die überproportionale Erhöhung sollen es in diesem Jahr 20.000 Euro mehr werden. Immer mehr Gaststätten bieten das Draußensitzen an: 2015 waren es noch 215 Betriebe, zwei Jahre später bereits 271. Woran liegt das? „Die Attraktivität der Innenstadt hat zugenommen“, erklärt Häußler. Die Stadt habe viel in ihre Plätze investiert. Und es sei das Bestreben der Gastronomen, mehr Einnahmen zu erwirtschaften. „Das geht nur über die Außenbestuhlung.“ Denn drinnen ist der Platz begrenzt.

Wunsch nach Jahresgebühr

Besim Lladrovci vom Eiscafé Fiona am Marktplatz, der zum neuen Jahr auch das frühere P3 in der Glöcklerstraße übernommen hat, hat die Gebühren für dieses Jahr schon bezahlt. Mit der Erhöhung könne er leben, sagt er. „Aber eine Jahresgebühr fände ich besser, wir sind wetterabhängig.“ Wer in Ulm über die Saison hinaus draußen Plätze anbieten will, muss extra dafür zahlen. „Andere Kommunen haben eine Jahresgebühr.“ Sibylle Eckhardt vom Café Mohrenköpfle in der Kramgasse hat eine andere Meinung: „Ich hab’ geschluckt“, sagt sie über die Erhöhung. Einerseits gebe es zwar Super-Sommer wie vergangenes Jahr – aber auch Tage, an denen man mit der Außenbewirtschaftung kein Geld verdienen kann.

Wie viel kostet es wo?

Das Gebührenverzeichnis der Stadt unterscheidet zwischen wirtschaftlich mehr oder weniger attraktiven Standorten. Im Detail erhöhen sich die Gebühren je angefangenem Quadratmeter für Gaststätten während der Freischank-Saison vom 1. April bis 31. Oktober wie folgt:

  • in Fußgängerzonen von 30 auf 36 Euro
  • in Zone 1 (innerhalb des Altstadtrings sowie südlich der Neuen Straße bis zur Donau zwischen Eisenbahnlinie und Donaustraße) von 17 auf 20 Euro
  • in Zone 2 (begrenzt durch durch Eisenbahnlinie, Ludwig-Erhardt-Brücke, Karlstraße, König-Wilhelm-Straße, Münchner Straße und Gänstorbrücke) von 11 auf 13 Euro
  • in sonstigen Stadtgebieten von 6 auf 7 Euro.

Neu-Ulm ist nicht mal halb so teuer

Zuletzt hatte die Stadt die Gebühren 2016 angehoben, ebenso wie Neu-Ulm. Dort betragen die Gebühren für die Außenbewirtschaftung je Quadratmeter 2,50 Euro pro Monat, was im Zeitraum von April bis Oktober mit 17,50 Euro weniger als der Hälfte der Ulmer Nachbarn entspricht. Wie die stellvertretende Neu-Ulmer Pressesprecherin Daniela Reuther mitteilt, werden die Gebühren in der Regel alle zwei bis vier Jahre überprüft.

Noch mehr wird teurer

In Ulm werden auch andere Sondernutzungen der öffentlichen Straßen – etwa das Aufstellen von Automaten, Kiosken oder Imbissständen – teurer, im Schnitt um fünf Prozent. Die Gebühr für Warenauslagen bleibt gleich, weil sie im Städtevergleich im obersten Bereich liegt, wie aus einer Darstellung der Verwaltung hervorgeht. Das Gleiche gilt für das Aufstellen von Werbetafeln vor Geschäften. Für Plakate und Banner müssen in Zukunft 13 Prozent mehr berappt werden.

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Vergleich mit anderen Städten
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