Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat eindringlich an die Bürger in Baden-Württemberg appelliert, sich an die Einschränkungen zur Eindämmung des grassierenden Coronavirus zu halten - und schärfere Maßnahmen bei Zuwiderhandlung in Aussicht gestellt. „An die Vorgaben muss sich jeder halten“, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag bei einer Sondersitzung des Landtags. Ob man in Zukunft eine Ausgangssperre erteile, wisse man nicht. Man wolle ein solches Verbot vermeiden. Aber wenn sich die Bürger nicht an die neuen Regelungen hielten, werde es wohl kommen. „Es kann nicht sein, dass jetzt junge Leute zu Corona-Partys rennen“, sagte Kretschmann. „Wenn nicht alle ihr Verhalten grundlegend umstellen, dann kommen wir um härtere Maßnahmen und Sanktionen nicht herum.“

Drei weitere Corona-Tote und eine infizierte BWK-Miarbeiterin mit Patientenkontakten

Am Donnerstag wurde am Nachmittag zudem bekannt, dass es drei weitere Coronavirus-Todesfälle in Baden-Württemberg gibt. Zudem wurde der Südwest Presse auf Nachfrage bestätigt, dass eine Mitarbeiterin am Bundeswehrkrankenhaus in Ulm positiv auf das Coronavirus Covid 19 getestet worden. Die Infizierte hatte Kontakt zu vielen Patienten.

Corona in Bayern: Söder denkt über flächendeckende Ausgangssperre nach

In Bayern hatte Ministerpräsident Markus Söder am Donnerstag laut über flächendeckende Ausgangssperren im Freistaat nachgedacht. In drei Gemeinden, darunter in Mitterteich in Oberfranken, greift eine solche Ausgangssperre bereits.

In Paris in Frankreich oder auch in Spanien gibt es bereits länger Ausgangssperren angesichts der Verbreitung des Coronavirus.
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Shutdown in Baden-Württemberg wegen des Coronavirus

In Baden-Württemberg greift seit Mittwoch eine Art Shutdown. Das öffentliche Leben wird angesichts der rasanten Ausbreitung des Coronavirus versucht weitgehend zurückzufahren. Das Ziel: die weitere Endämmung des Virus.

Baden-Württemberg kämpft gegen das Coronavirus. Seit Mittwoch gelten im ganzen Land starke Einschränkungen für das öffentliche Leben. So haben nur bestimmt Geschäfte noch geöffnet, darunter etwa der Lebensmitteleinzelhandel und Apotheken. Ziel ist es, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Die Krankenhäuser, Klinken und Gesundheitsämter brauchen nach Angaben von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) dringend Verstärkung. Bauer appellierte an Studenten der Medizin, Pflegewissenschaften und verwandter Fachbereiche zu helfen: „Jetzt brennt es.“

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Ulm

Handel kritisiert Landesregierung für Corona-Maßnahmen

Der Handel kritisiert die Handhabung der Coronakrise durch die Landesregierung - die Informationspolitik sei ein Desaster. „Eine solche Desinformation ist eine Katastrophe“, teilte Hermann Hutter, Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg (HBW), mit. Es sei nicht einmal klar gewesen, wann welche Geschäfte schließen sollten. Die Händler hätten nun den doppelten Schaden: „Zum einen bleiben die Umsatzausfälle bei ihnen hängen, zum anderen konnten sie bei Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten durch die katastrophale Informationspolitik für keinen geordneten Übergang sorgen.“

Ausgangssperren in NRW? Laschet bezieht Stellung

In der Debatte über mögliche Ausgangssperren hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Bürger erneut mit Nachdruck dazu aufgerufen, in der Coronakrise den bereits geltenden behördlichen Auflagen Folge zu leisten. Wenn jeder sich an die Vorgaben halte, "dann haben wir die Chance, das zu vermeiden", sagte Laschet am Donnerstag vor Journalisten in Düsseldorf.

Laschet erinnerte zugleich daran, dass es 14 Tage daure, bis die nun beschlossenen Maßnahmen zum Verlangsamen der Infektionsausbreitung Wirkung entfalten könnten. "Wenn man eine Maßnahme angepackt hat, muss man sie dann auch mal wirken lassen", sagte der Düsseldorfer Regierungschef.

Corona in Baden-Württemberg: Mittlerweile sieben Tote

Mittlerweile sind in Baden-Württemberg sieben Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Das Gesundheitsministerium teilte am Mittwoch den Tod eines über 80 Jahre alten Mannes aus dem Hohenlohekreis mit. Er habe wegen seiner Vorerkrankungen zu den Hochrisikopatienten gezählt. Er sei bereits am Montag im Krankenhaus gestorben. Mit Stand Dienstagabend hatten sich im Südwesten nach Angaben des Ministeriums 1641 Menschen mit dem Virus infiziert.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann glaubt, dass das Tübinger Unternehmen CureVac bei der Bekämpfung des Coronavirus eine gewaltige Rolle spielen kann.
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Für Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist das Tübinger Pharmaunternehmen CureVac der „große Hoffnungsträger“ im Kampf gegen das Coronavirus. „Ihre Mission ist unglaublich wichtig in dieser Zeit“, sagte er nach Angaben des Staatsministeriums in einer Schalte mit Curevac-Vorstandsmitglied Franz-Werner Haas. Die Firma arbeitet an der Herstellung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus.

Wachsende Sorge vor weiteren Ausbreitung des Coronavirus

In Deutschland wächst die Sorge, dass sich die Ausbreitung des Coronavirus nicht schnell genug eindämmen lässt, weil die Bürger ihr Leben nicht konsequent ändern. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) drohten am Donnerstag offen mit Ausgangssperren, falls sich die Menschen nicht an die dringend notwendigen Einschränkungen des sozialen Lebens halten.

Bayerns Ministerpräsident hat am Donnerstag laut über eine flächendeckende Ausgangssperre im Freistaat nachgedacht.
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„Wenn sich viele Menschen nicht freiwillig beschränken, dann bleibt am Ende nur die bayernweite Ausgangssperre als einziges Instrumentarium, um darauf zu reagieren. Das muss jedem klar sein“, sagte Söder im Landtag in München. Kretschmann betonte bei einer Sondersitzung des Landtags in Stuttgart, ob es ein Ausgangsverbot gebe, hänge von den Bürgern ab. „Es kann nicht sein, dass jetzt junge Leute zu Corona-Partys rennen“, sagte er. „Wenn nicht alle ihr Verhalten grundlegend umstellen, dann kommen wir um härtere Maßnahmen und Sanktionen nicht herum.“

Merkel appelliert wegen Corona an die Vernunft der Bürger

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Bürger am Mittwochabend in einer Fernsehansprache eindringlich dazu aufgerufen, Disziplin zu zeigen und die Einschränkungen im Alltagsleben zu befolgen. Zusätzliche, noch drastischere Maßnahmen wie eine allgemeine Ausgangssperre verkündete sie nicht, betonte aber, die Regierung prüfe stets neu, was sich wieder korrigieren lasse. „Aber auch: was womöglich noch nötig ist.“