Ulm / Lena Grundhuber

Fangen wir draußen an – weit draußen, in Burlafingen, beziehungsweise in Afrika. Dorthin nämlich geht die Reise in der Walther Collection wieder einmal. Am 7. Mai eröffnet die Sammlung von Artur Walther die Ausstellung „The Lay of the Land – Neue afrikanische Fotografie“, mit junger, zeitgenössischer Fotografie und Videokunst von Künstlern aus Afrika und der afrikanischen Diaspora.

„Eigentlich sollte erstmal Schluss mit dem Thema Afrika sein“, sagt Sammlungsleiterin Daniela Baumann zwar, „aber wir haben gemerkt, wie sehr das Bild dieses Kontinents noch immer von Klischees geprägt ist.“ Klischees, die so nicht stimmten, seien die Themen doch ähnlich divers wie etwa die amerikanischer Künstler. „Es wird ziemlich bunt“, verspricht Baumann – definitiv ein spannender Termin, auf den man sich freuen kann.

Hinter der Fassade

Weit in die Ferne, und das nicht nur geografisch, bewegt sich auch das Stadthaus Ulm, das von 5. März an „Bilder aus Nordkorea“ von Nathalie Daoust, Reinhard Krause und Julia Leeb zeigt. „Das sind drei sehr unterschiedliche Herangehensweisen, die aber alle versuchen, einen Einblick zu bekommen, wie es hinter der Fassade des Systems aussieht“, sagt Stadthaus-Chefin Karla Nieraad. Im Fokus stehe also nicht das Regime und seine Propaganda, sondern die Lebenswirklichkeit der Menschen mit ihren verborgenen, tabuisierten Ecken.

Zweites großes Highlight ist für Karla Nieraad die Werkschau von Herlinde Koelbl mit einer Auswahl aus 36 Jahren Fotografie (1. Juli). „Außer der Reihe“ gibt es eine Schau des Knet-Animationskünstlers Bruce Bickford (11. März), von 22. Juli an zeigt Martina Dach Fotografien „Mit BeDACHt“, und im Herbst widmet sich das Stadthaus „Tieren in der Stadt“ (30. September), Silke Schwarz präsentiert von 5. Oktober an eine Soundinstallation, und Mitte Dezember folgt Ernie Button den „Vanishing Spirits – die Spuren getrockneten Single Malt Whiskeys“. Das Jahr schließt mit Outsider Art des Ateliers Goldstein (17. Dezember).

Auch der Berufsverband bildender Künstler (BBK) hat seinen Gesichtskreis erweitert: In einer bundesweiten Ausschreibung hatten die Ulmer in Kooperation mit dem Museum zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim mehr als 30 Künstler herausgesucht, die sich mit Hollywood-Mogul Carl Laemmle befassen. Der Gründer der Universal-Filmstudios wurde 1867 in Laupheim geboren, wo das Museum nun die Sonderausstellung „Carl Laemmle – reloaded“ zum 150. Geburtstag präsentiert. Die Künstler interpretieren einen gelebten „amerikanischen Traum“ (17. Januar).

Der BBK blickt auch sonst frohgemut ins Jahr hinein. Drei weitere Projekte hebt Martha Bilger hervor: Zunächst die Schau von Andreas Miller, der am 22. Januar im Künstlerhaus im Ochsenhäuser Hof „Zollstockfieber“ eröffnet. Wie der Name schon sagt, kreist alles um den Zollstock als Material, „Andreas Miller macht damit die verrücktesten Sachen“, kündigt Bilger an.

Danach freut sie sich unter anderem auf zwei junge Künstler aus Dresden – Anne Adelt arbeitet ebenfalls mit Alltagsgegenständen, Dmitri Krenzer mit Farbe auf Leinwand (2. März) – sowie auf den „peintre-sculpteur“ Jürgen Stimpfig aus Paris (29. Juni). Zudem empfängt der BBK den zweiten Ulmer Stadtzeichner, der diesmal aus Ungarn anreist. Sándor Imreh „erkundet den urbanen Raum, macht Interventionen in Abbruchhäusern“, sagt Martha Bilger. Eine Entdeckungsreise also, wohl auch für die Ulmer selbst (22. Juni).

Etablierte und junge Künstler

Die Pro Arte Ulmer Kunststiftung präsentiert – nebst diversen anderen Ausstellungen – von 15. September an ihre aktuellen Stipendiaten Angela Ender, Janina Schmid und Frederik Kochbeck. Alle sind sie „nachhaltig tätig“, wie Pro-Arte-Vorsitzender Erhart Gross sich ausdrückt, bringen Alltagsmaterialien und vorgefundene Objekte in andere Zusammenhänge und stellen damit gewohnte Sichtweisen auf den Kopf.

„Ansonsten sind wir damit beschäftigt, was wir zum 50-Jährigen der Universität Ulm machen“, sagt Gross. In diesem Jahr feiert auch die Pro-Arte-Stiftung einen runden Geburtstag, ihren 30. nämlich. Zudem habe man eigentlich vorgehabt, den Kunstpfad weiterzuführen, allein, es fehle noch an Sponsoren, erklärt Erhart Gross.

Ein Jubiläum feiert auch die Kunsthalle Weishaupt: Zum Zehnjährigen gibt es im Anschluss an die Willikens-Retro­spektive von 9. April an eine Ausstellung mit den wichtigsten Positionen aus der Sammlung. Zu sehen sind dann wieder die „Herzstücke“ aus Weishauptschem Besitz – von Albers oder Rothko und natürlich Werke der Pop Art und der Gruppe Zero.

 Den Bogen von etablierten Künstlern der Gruppe Zero und des Neoexpressionismus’ der 70er in New York bis zu jungen Berliner Künstlern spannt der Kunstverein. Neben Malerei und Installationen des Zero-Mitbegründers Otto Piene (8. April) und der Schau des Künstlers und Regisseurs Julian Schnabel (15. Juli) sehen wir im Schuhhaussaal also Einzelausstellungen mit Malerei und Fotografie von Künstlern jüngeren Datums wie Achim Riethmann (11. Februar), Andreas Mühe (30. September) und Stephanie Gutheil (25. November). Eine freie Gruppe von Stuttgarter Kunsthandwerkern präsentiert sich mit 18 bis 21 Werkstätten von 29. Juni bis 2. Juli.

Und bevor die Galerie Sebastianskapelle unter anderem druckgrafische Installationen von Anja Klafki (30. April) sowie Skulptur und Malerei von Nino Maaskola und Ulrich Okujeni (18. Juni) zeigt, steigt sie am 5. März mit einer Ausstellung von Gottfried Müller unter dem Titel „Die Erfindung der Wirklichkeit“ ein. Welch’ schönes Motto für diesen Jahresbeginn.

Und was macht das Ulmer Museum?

Auf dem Programm des Ulmer Museums steht bis 23. April „Kunst erleben“, die Gesamtpräsentation der Sammlung Kurt Fried. Die erste große Ausstellung der neuen Chefin Stefanie Dathe soll dann am 21. Mai starten – mit zeitgenössischer Kunst in allen Teilen des Hauses. Im September ist Adolf Hölzel mit seinem Jesus-Wandbild in der Pauluskirche Thema. Am 25. November eröffnet „41 Minuten. Auf archäologischem Gleis über die Schwäbische Alb“. Das HfG-Archiv zeigt ab 1. Februar die „Inspiration Roericht Wunderkammer“.