Ulm / Rudi Kübler  Uhr
Die Stadt benennt einen Saal im Grünen Hof wegen der NS-Vergangenheit des Gründungsrektors um.

Wie gehen Universität und Stadt Ulm mit Ludwig Heilmeyer um? Die Uni hat im vergangenen Jahr, als anlässlich des 50. Jahrestags die Nähe ihres Gründungsrektors zum Nationalsozialismus ruchbar wurde, einen ihrer Professoren beauftragt, sich der Person und dem Wissenschaftler Heilmeyer zu nähern. Prof. Florian Steger, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Uni Ulm, hat eine Veröffentlichung zu Heilmeyer angekündigt.

Nach längeren, auch öffentlich geführten Diskussionen reagiert jetzt die Stadt: Sie wird den Heilmeyer-Saal im Grünen Hof Anfang Dezember umbenennenin Felix-Fabri-Saal. Fabri (1438-1502) gilt als ältester Chronist der Ulmer Stadtgeschichte; der Dominikaner lebte im Kloster direkt neben dem Grünen Hof.

Gründungsrektor Ludwig Heilmeyer hat mit der nationalsozialistischen Ideologie mehr als nur sympathisiert. Die Beweislage ist erdrückend.

Nichts Unrechtes getan?

Hintergrund für die Umbenennung sei, wie Prof. Michael Wettengel sagt, nicht nur die Verstrickung Heilmeyers während der NS-Zeit – er gehörte dem Freundeskreis des NS-Funktionärs Hans Frank an, der von Zeitgenossen als „Judenschlächter von Krakau“ bezeichnet wurde. Heilmeyer war NS-Dozentenschaftsführer. „Sein Verhalten in der NS-Zeit ist das Eine. Das Andere: Wie hat Heilmeyer diese Zeit aufgearbeitet?“ Der Leiter des Stadtarchivs Ulm kann nicht erkennen, dass der Mediziner sich und sein Tun in Frage gestellt hat. Im Gegenteil. „Er hat nach Kriegsende einfach weitergemacht. Er war der Meinung, nichts Unrechtes getan zu haben.“

Der Historiker kritisiert vor allem, dass sich Heilmeyer selber als Herausgeber des „Handbuchs der Hämatologie“ stilisiert hat. Den eigentlichen Verfasser des Werks, den jüdischen Kollegen Hans Hirschfeld, der in Theresienstadt umgebracht wurde, hat er nach 1945 einfach übergangen.

Dass die Stadt Ulm jetzt den Heilmeyer-Saal umbenennt, ist angesichts der NS-Vergangenheit des Gründungsrektors der Uni Ulm richtig, meint Rudi Kübler.

Umbenennung der Heilmeyer-Steige?

Der Saal werde mittlerweile öffentlich genutzt, nachdem die Uni aus dem Grünen Hof ausgezogen ist, sagte Bürgermeisterin Iris Mann. Die Intention sei gewesen: „Heilmeyer hat weder einen Bezug zur Örtlichkeit, noch hat er Vorbildcharakter.“ Ob auch die Heilmeyer-Steige umbenannt wird, sei nicht klar. „Das Thema Straßennamen wird ein städtischer Arbeitskreis grundsätzlich angehen.“

Wird die Heilmeyer-Steige in Ulm umbenannt? Die Stadt informiert über den wegen seiner NS-Vergangenheit umstrittenen Mediziner.

Info Die Umbenennung in Felix-Fabri-Saal findet am Mittwoch, 5. Dezember, um 14 Uhr statt. Den Vortrag hält Prof. Folker Reichert (Uni Stuttgart). Reichert gilt als Fabri-Experte.

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