Natascha Klein ist Mutter von drei Kindern und Elternbeiratsvorsitzende der Regenbogen-Grundschule, einer der zehn Modellschulen in Baden-Württemberg, an der nach dem pädagogischen Versuch „Schule ohne Noten“ gelehrt wird. Natascha Klein ist vom Schulkonzept überzeugt: „Ohne Noten werden Kinder positiv gestärkt“, sagt sie.  Diese Erfahrung hätten alle ihre drei  Kinder dort gemacht.

Umso mehr trifft sie der Brief, den diese Woche die Stadt vom Kultusministerium bekommen hat. Über dessen Inhalt hat Schulamtsleiter Gerhard Semler die Regenbogen-Grundschule informiert. Darin wird „der pädagogische Versuch der Grundschule ohne Noten endgültig abgesagt“.

Noch im Dezember war die Beendigung von Kultusministerin Susanne Eisenmann beabsichtigt gewesen und ein Thema im Bildungsausschuss des Gemeinderats. Damals waren sich Ausschussmitglieder wie Bildungsbürgermeisterin Iris Mann einig, eine Verlängerung des Schulversuchs zu fordern. Ein Schreiben wurde aufgesetzt, das auch an die Ulmer Landtagsabgeordneten Jürgen Filius (Grüne) und Martin Rivoir (SPD) ging. Beide setzten sich für die Schule ein  – genützt hat alles nichts.

Gründe nicht nachvollziehbar

Semler findet die Gründe fürs Aus nicht nachvollziehbar. Im Brief argumentiert das Kultusministerium, dass der Schulversuch nicht wissenschaftlich begleitet wurde. Das war den Schulen zwar immer nur in Aussicht gestellt worden, passiert sei nie etwas.  Nun argumentiere das Kultusministerium, dass der Schulversuch nichts bringe. Doch laut Semler sei auch das nicht bewiesen.

Argumente für die Modellschule gibt es laut Schulamtsleiter genügend. Dazu zählt für ihn: „Sie kostet die Stadt nichts“, sagt Semler. Sie ist neben der Grundschule am Tannenplatz im Ganztagsbetrieb und der Sägefeld-Grundschule in Wiblingen ein „weiteres Angebot in der Schullandschaft“. Nämlich eines im Halbtagsbetrieb und beliebt bei Eltern, die zwar Noten ablehnen, aber ihr Kind deswegen nicht auf Privatschulen schicken wollen, in denen teils keine Noten gegeben werden. Schulleiterin Ulrike Engelhardt bestätigt: „Unsere Schule ist jedes Jahr voll.“ Nämlich mit 24 und 25 Kindern pro Klasse. Deswegen konnte sie bisher nie einen der Gastschulanträge berücksichtigen.

Eltern wie Natascha Klein sind vom Schulkonzept begeistert, was sie so erklärt: „Wenn ein Kind im Diktat 20 Fehler schreibt, hat es die Note sechs, was natürlich ganz schlecht ist.“ An der Modellschule würde es die Rückmeldung bekommen: „Du musst noch üben.“ Hat das Kind geübt und schreibt im nächsten Diktat 15 Fehlern, dann „ist das eine Verbesserung. In Ziffernoten ausgedrückt ist das aber wieder nur die Note sechs.“ Für Klein ein „Riesen-Unterschied in der Rückmeldung“. Denn Notendruck müsse ihrer Meinung nach an der Grundschule nicht sein. Sie will weiter um die Schule kämpfen und etwa die Online-Petition unterschreiben, die Eltern der betroffenen Modellschule aus Freiburg ins Internet gestellt haben.

Kommende Woche hat Schulleiterin Engelhardt einen Termin im Kultusministerium, zu dem alle Leiter der zehn Modellschulen geladen sind. Wegen des anstehenden Gesprächs hat sie noch etwas Hoffnung und will sich vorab nicht weiter äußern.

Im Gegensatz zu Semler. „Ich bin Realist“, sagt er. Und weiter: „Ein Versuch ist ein Versuch. Man muss die Möglichkeit haben, ihn einzustellen. Aber doch nicht so, nicht Knall auf Fall.“

Modell läuft in drei Jahren aus


Versuch Gestartet ist die Regenbogen-Grundschule zum Schuljahr 2013/14 als „Schule ohne Noten“. Aktuell lernen an der Schule in der St. Gallener Straße 138 Grundschüler. Die gute Nachricht im Schreiben des Kultusministeriums: Jene Kinder, die dort im Modellversuch gestartet sind, können den zu Ende bringen. Also die jetzigen Erstklässler werden ihre gesamte Grundschulzeit keine Noten bekommen. Eltern, die ihre Kinder jedoch jetzt fürs neue Schuljahr anmelden, müssen sich darauf einstellen, dass ihre Kinder Noten bekommen.