Ulm Aus für das Ulmer Café Wintergarten

LENA GRUNDHUBER/CLAUDIA REICHERTER 28.08.2014
Das Café Wintergarten schließt. Rosi und Jörg Spannknebel hatten die Kneipe mit ihren monatlichen Jam-Sessions 18 Jahre lang geführt.

„Die Gäste sind schon traurig“, sagt Rosi Spannknebel. Vorgestern habe eine Frau sogar geweint. Der Grund: Das Café Wintergarten gegenüber vom Theater, das Rosi und Jörg Spannknebel 18 Jahre lang geführt haben, hatte gestern zum letzten Mal geöffnet. Heute und morgen werde ausgeräumt, und dann sei mit Bewirten für sie und ihren Mann erstmal Schluss. „Im Moment wollen wir keine Gastronomie mehr machen. Das kann sich wieder ändern, aber im Moment ist es so.“

Schließen mussten sie das unter anderem für seine monatlichen Jam-Sessions und Konzerte bei regionalen Musikern beliebte Lokal, weil der Pachtvertrag nicht verlängert wurde, erklärt die Chefin. „Wir hören halt auf“, sagt ihr Mann Jörg lapidar. Mit 60 Jahren sei es auch mal an der Zeit, etwas kürzer zu treten. „Schade, dass die Sessions damit wegfallen. Das war schon etwas Besonderes, ein Treffpunkt für Musiker“, meint er. „Aber es gibt ja auch noch andere Sessions in Ulm.“ Auch den Theater-Mitarbeitern und -Besuchern dürfte der „Wintergarten“ nicht allzu sehr fehlen, meint zumindest Jörg Spannknebel. Es gebe rund ums Theater inzwischen ausreichend gastronomische Angebote.

Der Musiker Harry Reischmann hingegen sieht in Zukunft sehr wohl eine Lücke in Ulm klaffen. „Definitiv sehr schade“ sei das Aus des Wintergartens, findet der Schlagzeuger. Die monatlichen Montags-Sessions seien auf sehr hohem Niveau gewesen; auch ein Trompeter wie Joo Kraus sei immer mal da gewesen, und außerdem habe es ja auch viele Live-Konzerte hier gegeben. Harry Reischmann ist dem Café Wintergarten seit der allerersten Session verbunden, „ich bin ein Stück weit damit groß geworden“, meint er traurig.

Und so entfährt auch dem erfolgreichen Bassisten Hellmut Hattler ein „och nö“, als er vom Ende der kleinen Institution erfährt. Er sei dort zwar immer nur Besucher gewesen, doch so eine Einrichtung sei „wichtig für die Seele der Stadt“.