Aus dem Museumshof auf die grüne Insel

CHRISTA KANAND 08.08.2012
Balladen, Instrumentalstücke und Geschichten: More Maids präsentierten mitreißend die ganze Welt des Irish Folks im Neu-Ulmer Museumshof.

Reif für die Insel? Sommerzeit ist Reisezeit. Wer nach Irland wollte, brauchte keine Koffer packen, sondern nur in den Neu-Ulmer Museumshof gehen. Dort nahm das deutsche Lady-Trio More Maids mit Michaela Grüß als singenden Gast und virtuosen Instrumentals ihr Publikum mit auf eine Reise zu den grünen Hügeln Irlands und in Irish Pubs, wo das Herz der traditionellen irischen Musik am heftigsten schlägt. Folk, wie er sein sollte, bot der charmante Damen-Vierer: mitreißend, echt, handfest, druckvoll.

Obwohl die Volksmusik vieler Länder an Popularität verloren hat, wird Irish Folk noch viel gehört - wohl auch dank der großen Tanzshows. Die Fans strömen jedes Jahr etwa zum Irish-Folk-Festival in der Balver Höhle (Sauerland), wo More Maids am Vorabend noch vor 2000 Zuhörern spielte. Umso bedauerlicher, dass der idyllische Museumshof nur halb besetzt war. Trotzdem waren die Ladies mit Elan und augenzwinkerndem Spaß bei der Sache. Als hätte der Wind die bravourösen Musikerinnen direkt von der immergrünen Insel herübergeweht.

Das Repertoire aus alten und neuen Nummern ihrer brandaktuellen CD mit dem Titel "III" ging in die Füße und traf ins Herz. Berührende Balladen im wunderbar harmonierendem Dreigesang mit Texten von Liebesfreud und Herzeleid ("Ho-Ro My Johnny"), aber auch vom Schuhnäher, den Maschinen arbeitslos machten, vom grausigen Kindsmord oder vom Hexenprozess ("Susanna Martin") wechselten mit fröhlich trabenden Jigs und fetzigen Reels ("The Cat") - mal herb wie Guiness-Bier, mal süß wie Irish Coffee.

Im Zentrum stand Barbara Coerdts, die mit samtiger Stimme nicht nur die Saiten der irischen Bouzouki zum Klingen brachte, sondern auch mit Erzählungen zu Song-Inhalten und zum historischen Hintergrund fesselte.

Seit Mitte der 90er Jahre hat More Maids, gegründet von Marion Fluck (Gesang, Knopfakkordeon, verschiedene Flöten und Whistles), einen Stammplatz in der Szene. Neuzugang Barbara Hintermeier (Gesang) bediente rasant im wilden irischen Stil die Fiddle. Durch Instrumentationsvarianten wurde der Gefahr von Eintönigkeit geschickt vorgebeugt.

Das rhythmische Gerüst erdete Michaela Grüß fingerflink auf der Bodhrán, der irischen Rahmentrommel. Im Solo bot ihre kernige Countrystimme ein amerikanisches Traditional. Viel Applaus und "Ready For The Storm" als Zugabe für den sturmfreien, sommerlauen Nachhauseweg.

Info Im Museumshof gibt es morgen, Donnerstag, 20.30 Uhr, Musik-Comedy mit Michael Krebs.