Weltgesellschaft Auma Obama eröffnet Aktion 100 000

Starke Stimme für Afrika: Auma Obama im Stadthaus.
Starke Stimme für Afrika: Auma Obama im Stadthaus. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Christoph Mayer   03.11.2018

Political Correctness, die unanstößige Sprache also, sei nicht so ihr Ding, sagt Auma Obama, kaum dass sie die Bühne im Stadthaus betreten hat. Und dieses Versprechen hält die promovierte Germanistin und Soziologin – Studium in Heidelberg, Berlin und Bayreuth – im Verlauf ihrer dreiviertelstündigen, in geschliffenem Deutsch und mit so manchem Augenzwinkern vorgetragenen Rede dann auch locker ein. Etwa, wenn sie den klassischen Entwicklungshelfer als „Birkenstockträger mit grauem Bart“ tituliert oder mit ihrem aus 55 Staaten bestehenden afrikanischen Kontinent ins Gericht geht. „Wir haben eine Bettler- und Bittsteller-Kultur.“ Regelrechte „Shit­storms“ haben ihr solche Aussagen in ihrer Heimat Kenia schon eingebracht, sagt die 58-Jährige. Entschuldigen sollte sie sich. Hat sie aber nicht. „So rede ich nun mal. Anders geht es nicht bei mir.“

Die Halbschwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama ist, das kann man ohne Übertreibung behaupten, eine Powerfrau. Die zieht. Was sicher auch am verwandtschaftsbedingten Promi-Faktor liegt. Im Stadthaus, wo sie am Donnerstagabend zur Eröffnung der 48. Auflage der „Aktion 100 000 und Ulmer helft“ der SÜDWEST PRESSE sprach, war jedenfalls kein Plätzchen mehr zu ergattern. Bemerkenswert, wo man hierzulande doch sonst mit dem Thema „Entwicklungsperspektiven für Afrika“ kaum einen Hund hinterm Ofen hervorlockt – leider.

Natürlich war Obama auch gekommen, um für ihre Stiftung „Sauti Kuu“ zu werben. Das ist Suaheli und bedeutet „starke Stimmen“. Womit das Wesentliche schon gesagt ist. In ihrer Arbeit mit afrikanischen Kindern und Jugendlichen versucht Sauti Kuu, der zukünftigen Generation Selbstbewusstsein und praktische Handlungsanleitungen zu vermitteln. Zum Beispiel Küchengärten anzulegen, damit stets etwas zum Essen auf dem Tisch ist. Tenor: Wir Afrikaner sind nicht arm. Wir haben Land, wir haben Fähigkeiten, beziehungsweise: „Benutze, was du hast, um zu bekommen, was du brauchst.“

Die westliche Welt glaube, sie sei der Maßstab. Und leider glaube das Gros der Afrikaner dies nach vielen Jahren falscher Entwicklungshilfe auch, findet Obama. Beispielhaft erzählt sie die Geschichte vom kenianischen Dorf mit den strohgedeckten Lehmhütten. Alle Dächer wurden gegen gelbe Wellblechdächer ausgetauscht, denn die gab es von einer Entwicklungshilfeorganisation gratis. Leider war dadurch flugs das traditionelle Entwässerungssystem perdu. Denn bei Regen ergossen sich Sturzbäche durch die Wellblechrinnen. „Habt den Mut zu sagen, wir wollen das nicht“, lautet ihre Botschaft. Freilich will Auma Obama, die auch Mitglied im Weltzukunftsrat ist, Hilfe nicht grundsätzlich verpönen. In Krisen- und Kriegssituationen sei diese dringend geboten. Aber eben nicht als Dauerleistung, die den Empfänger in Abhängigkeit halte. „Wenn es nachhaltig sein soll, brauchen wir Handel auf Augenhöhe statt Hilfe.“ Im Englischen reimt sich das sogar: Trade – not aid.

Keine tickende Bombe

Das hohe Bevölkerungswachstum in Afrika sieht sie anders als die meisten Weißen nicht als „tickende Bombe“ , sondern als „riesiges Potenzial, das Leben zu verbessern“. Überhaupt glaubt sie, dass dem schwarzen Kontinent das Beste noch blüht. Wo sonst auf der Welt seien Böden, Luft und Wasser so sauber wie in Afrika? Andernorts habe menschlicher Umweltfrevel vieles bereits unwiederbringlich vernichtet. Afrika sei dagegen richtig Bio. „Das ist unsere Zukunft.“

Viele Veranstaltungen bis März 2019

Aktion Bis Ende März 2019 dauert die  „Aktion 100 000 und Ulmer helft“, es gibt zahlreiche Veranstaltungen. Am 17. November ist musikalische Eröffnung mit der Stadtkapelle Ulm (Pauluskirche, 20 Uhr), am 1. Dezember
(19 bis 1 Uhr) findet die Versteigerung im Kornhaus statt. Ein weiterer Höhepunkt: das Weihnachtskonzert mit JBU und Ulmer Spatzen am 16. Dezember in der Pauluskirche.

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