Münster Auftakt zum Turmjubiläum - Ulmer Münster strahlt von innen

Ulm / CHRISTOPH MAYER 01.01.2015
Würdiger Auftakt zum Münsterturm-Jubiläum: Seit Donnerstagabend ist der höchste Kirchturm der Welt für ein Jahr ein Lichtkunstwerk. 23 bewegliche LED-Scheinwerfer illuminieren die Turmspitze kontrastreich.

Als die Ulmer Kulturabteilungsleiterin Sabrina Neumeister am Donnerstag gegen 17.10 Uhr den – symbolischen – Button drückte und so die Lichtinstallation im oberen Drittel des Münsterturms in Gang setzte, da waren unter den weit über tausend Zuschauern auf dem feuchtkalten Münsterplatz auch zahlreiche enttäuschte Stimmen zu hören. „Ist das alles?“ „Da hätten wir uns aber mehr erwartet.“

Doch womöglich waren viele dieser Kritiker schlichtweg mit einer falschen Erwartungshaltung gekommen. Ein knalliges Event – genau das soll die 356 Tage dauernde Lichtinstallation „Münsterscanning“ des Stuttgarter Lichtkünstlers Joachim Fleischer eben nicht sein. Fleischers Idee ist es, den 161 Meter hohen Turm im 125. Jahr nach dessen Vollendung mit bewegten Lichtquellen abzutasten und dieses Licht gewissermaßen von innen nach außen durch die transparente Turmspitze zu transportieren – in langsamem Tempo. So entsteht ein Spiel mit Konturen und Schatten. „Das hat etwas Meditatives“, sagt der 54-jährige gebürtige Oberschwabe, der bereits mit Lichtinstallationen in Budapest, Reykjavik oder Barcelona auf sich aufmerksam gemacht hat. Im Ulmer Fall habe er sich für weißes Licht entschieden, „weil es Objektivität garantiert“.

Dazu hatten Fleischer und ein 20-köpfiges Team aus Kletterern, Statikern und Helfern in den vergangenen vier Wochen in 70 und 120 Metern Höhe 23 LED-Scheinwerfer und sechs Lichtschienen installiert, was nicht nur wegen des Windes und winterlicher Temperaturen ein Kraftakt war. Galt es doch auch, das denkmalgeschützte Münster mit Samthandschuhen anzufassen, um die Bausubstanz des über 650 Jahre alten Gotteshauses zu schonen. Für den Evangelischen Dekan Ernst-Wilhelm Gohl ist vor allem die Symbolik der Aktion bedeutsam: „Kirche dreht sich nicht um sich selbst, sondern sie strahlt aus“, lautet seine Interpretation des „Münsterscannings“.

240.000 Euro lassen sich Stadt Ulm und Münstergemeinde die Lichtinstallation kosten, die nicht so viel Strom verbraucht wie man meinen könnte. Nach Angaben Fleischers sind es drei Kilowattstunden pro Stunde. Bis zum 31. Dezember 2015 wird das Lichtspiel jeden Abend zu sehen sein – beginnend mit dem Einbruch der Dunkelheit und bis Mitternacht.

Es ist nur eine von zahlreichen Aktionen zum Turmjubiläum. Im Laufe dieses Jahres sind viele weitere Veranstaltungen und Ausstellungen geplant – unter anderem die Uraufführung des „Ulmer Oratoriums“ des zyprischen Komponisten Marios Joannou Elia auf dem Münsterplatz mit rund 400 Musikern am 29. und 30 Mai.

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