Neu-Ulm Auf neuen Schienenwegen

Neu-Ulm / JÜRGEN BUCHTA HANS-ULI THIERER 26.05.2012
Zum dritten Mal innerhalb von 13 Jahren unternimmt die Stadt Neu-Ulm einen Anlauf, um zu einer Straßenbahn zu kommen. Neue Streckenvarianten nach Ludwigsfeld werden standardisiert untersucht.

1999 war es, als Ulm und Neu-Ulm ein Schienenprojekt in bis dato nicht gekannten Ausmaßen angehen wollten: Das Fünf-Linien-Konzept, veranschlagt mit Kosten von mehr als einer halben Milliarde Mark, sollte nicht nur beide Innenstädte durch die Schiene miteinander verbinden, sondern auch den Eselsberg, Wiblingen und Ludwigsfeld mit der Straßenbahn erschließen. Den Ulmern erschien dieses Konzept aber zu großspurig, sie erteilten ihm per Bürgerentscheid eine Absage, so dass die Neu-Ulmer erst gar nicht mehr zum Zug kamen.

Trotzdem kam der Schienenausbau nicht zum Erliegen. Ulm verlängerte die Linie 1 nach Böfingen und ist jetzt auf dem Weg, neue Schienenwege auf den Oberen Eselsberg in die Wissenschaftsstadt und auf den Kuhberg an die Schulzentren zu realisieren. Eine Straßenbahntrasse zwischen beiden Innenstädten bis nach Ludwigsfeld, so wie sie bisher geplant ist, hat sich dagegen als nicht förderwürdig erweisen. Zu diesem Ergebnis gelangte 2011 die standardisierte Bewertung.

Nach dem Votum des Neu-Ulmer Stadtrats am Donnerstagabend versuchen die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) jetzt mit einem neuen, dem dritten Anlauf innerhalb von 15 Jahren die Voraussetzung für eine Förderung des Projekts durch den Freistaat und die Bundesrepublik doch noch zu erreichen (wir berichteten). Sie überarbeiten ihre Pläne und legen sie anschließend erneut zur Bewertung vor. Bis Jahresende, so versprach SWU-Verkehrschef Ingo Wortmann während der Sitzung, soll das Ergebnis stehen.

Der zu beurteilende Ast beginnt am Ulmer Hauptbahnhof und führt durch die Neue Straße über Herdbrücke, Augsburger - und Ludwigsstraße zum Neu-Ulmer Bahnhof und weiter zum Allgäuer Ring nach Ludwigsfeld. In der neuen Planung ändert sich zwischen Ulmer Hauptbahnhof und Allgäuer Ring nichts. Die Korrekturen betreffen allein die Verkehrsführung durch die Wohngebiete Vorfeld und Ludwigsfeld.

Anders als in der alten Planung von 2011 würde die Trasse am Allgäuer Ring abzweigen und nicht durch die Memminger Straße führen, sondern über die zwei möglichen Varianten (siehe große Grafik)

Escheugraben (am Rande des Vorfeldes

alte Fachhochschule (mitten durchs Vorfeld),

die nun untersucht werden, zur Heinz-Rühmann-Straße geführt. Dort würde sie erneut auf die Memminger Straße einschwenken, diese an der Europastraße queren und die Ratiopharm-Arena erschließen.

In Ludwigsfeld werden die letzten 1,8 Kilometer gekappt. Die Tramlinie endete je nach Alternative entweder am Stopp Oberfeld oder in der Stadtteilmitte (kleine Grafiken).

Hintergrund dieser Überlegungen: Eine kürzere Strecke kostet weniger, eine Straßenbahn mitten durch Wohngebiete gewinnt mehr Fahrgäste als eine, die sich an ihren Rändern entlang bewegt. Die Überarbeitung der Pläne kostet 100 000 Euro. Sollte der Vorstoß von Erfolg gekrönt sein, dann wird Neu-Ulm diesen Betrag aus den Mitteln seines Konsortialvertrages mit den SWU bezahlen - für den Ausbau ihres öffentlichen Nahverkehrs stehen ihr dort jährlich 500 000 Euro zur Verfügung. Erreicht sie das gesteckte Ziel nicht, so kommen die SWU für die Kosten auf.