Ulm Auf Location-Tour mit der Film Commission Ulm

Ulm / MAGDI ABOUL-KHEIR 08.10.2015
Die Film Commission Ulm kümmert sich darum, dass die Region attraktiv für Film und Fernsehen ist. Eine Location-Tour führte Filmschaffende jetzt an anregende Plätze und mögliche Drehorte.
Noch ein paar enge Stufen hinauf, eine Tür geht auf - "Booah!", ist gleich mehrfach zu hören. Der gewaltige Dachstuhl über dem Südschiff des Ulmer Münsters ist immer für ein Staunen gut. Kameras und Handys klicken. Es sind aber keine Touristen, die Heinz Straub von der Münsterauskunft an dem Tag führt, sondern gut 20 Kameraleute, Autoren, Produzenten und Szenografen, die auf Location-Tour sind: auf der Suche nach potenziellen Drehorten, nach Anregungen für Motive, nach Geschichten.

Die Tour organisiert hat Pamela Schmidt von der Film Commission Region Ulm. Das Münster ist die erste Station. Schmidt ist selbst auch Location-Scout und Szenenbildnerin: Sie weiß, welche Orte für Filmschaffende interessant sein könnten. Das Münster ist mit seinen Treppenhäusern, Kammern und verborgenen Schätzen keineswegs abgegriffen, zumal die meisten in der Gruppe keine Ulmer sind, sondern aus dem gesamten süddeutschen Raum kommen.

Heinz Straub rafft die Geschichte des Münsters in fünf Minuten zusammen, dann geht es aufs Chorgewölbe. Mehr noch: Straub zeigt Statuen und Überreste der früheren Orgel, der Weg führt durch Rüstkammer, Zierkammer, die einstige Neithardt-Bibliothek - und aufs Dach. Nach einer Stunde ist die Führung vorbei. "Es geht ja nur um Anregungen", betont Schmidt, "die Idee besteht darin, vieles anzureißen, was es hier gibt oder geben könnte."

"Eine gute Idee", lobt Felix Meinhardt. Der Ludwigsburger Dokumentarfilmer, der regelmäßig für "Terra X" arbeitet, macht mit, weil er immer nach inspirierenden Orten sucht. Denn: "Orte führen oft zu Geschichten."

Sechs Film Commissions unterhält die MFG-Filmförderung im Ländle. Das Ulmer Büro ist auch für den Alb-Donau-Kreis, die Landkreise Heidenheim und Biberach sowie Münsingen (mit seinem für Drehs attraktiven ehemaligen Truppenübungsplatz) zuständig.

Das Engagement der Film Commission fruchtet. Anfragen für vom Land geförderte Spielfilme, für Dokus und Industriefilme werden häufiger, weiß Schmidt. Sie hat in ihrem Ulm Büro reichlich zu tun: recherchieren, netzwerken, organisieren, Anfragen beantworten - da bleibt keine Zeit, um sich auch in illusorische Debatten um einen etwaigen Ulmer "Tatort" einzumischen.

Ein Highlight ihrer Arbeit war der größtenteils in Ulm gedrehte, preisgekrönte Kinofilm "Ein Geschenk der Götter". "Das war schon etwas Besonderes", sagt Schmidt, "zumal der Film ja nicht nur fast komplett in einer Stadt gedreht wurde, sondern Ulm auch noch so sichtbar war und thematisiert wurde." Wie ein Sechser im Lotto, sagt Schmidt.

Neben der Stadt Ulm hat auch der Landkreis Heidenheim die jüngste Location-Tour unterstützt, und so geht es im Bus nach Norden. Bei der Firma Steiff in Giengen gibt es Einblicke hinter die Kulissen der Stofftier-Manufaktur. Besichtigt wird ebenso die Charlottenhöhle, das Eselsburger Tal lockt, und das 1910 erbaute Kolumbarium der als "Vogelmutter" bekannten Lina Haehnle im zweitgrößten Vogelschutzgebiet Deutschlands in Giengen beeindruckt die Reisegruppe.

Selbst Schloss Taxis in Trugenhofen wird für die Filmschaffenden aufgeschlossen. Nur fotografieren dürfen sie dort nicht. "So eine Tour vermittelt eine Ahnung von anderen Landschaften, anderen regionalen Architekturen", sagt Ute Platzer, Location Scout aus München. "Und es macht Spaß!"

Zurück in Ulm, stehen noch Wilhelmsburg und Hauptfriedhof auf dem Programm. Die Bundesfestung beeindruckt sowieso, aber das riesige Friedhofsareal auch: 19.500 Grabstellen auf 22 Hektar. Thomas Jetter, begeisterter Ulmer und Spezialist für Sepulkralkultur, gibt Einblicke in die 120-jährige Geschichte des Friedhofs, erzählt von Anatomie- und Soldatengräbern. Die Filmschaffenden staunen über enorme Grabmale, über die sanierte, so gekonnt in die Topografie eingepasste Leichenhalle und über die Weitläufigkeit der Hügellandschaft. Und Thomas Jetter weiß, was diese Gäste interessiert: "Schon botanisch betrachtet, kann man hier tolle Filme machen."

Regionale Kompetenz

Film Commssion 1996 wurde die Filmförderung Baden-Württemberg (MFG) gegründet wurde, auch um das Bundesland als Medienstandort nach vorn zu bringen. 2006 wurden sechs Film Commissions eingerichtet - als regionale Partner der MFG, die 50 Prozent finanziert. Die Film Commission Ulm ist seit 2011 direkt der IHK zugeordnet. Seitdem ist auch Pamela Schmidt die regionale Ansprechpartmnerin.

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