Sie hat recht, die SPD-Gemeinderatsfraktion: Die Erinnerung an die Geschwister Scholl ist Teil der Ulmer DNA. Wer in Ulm geboren, wer in Ulm zur Schule gegangen ist, kennt die Geschichte der beiden Widerstandskämpfer, die aus besonderem Holz geschnitzt waren – auch weil sie sich von fanatischen Befürwortern zu bedingungslosen Gegnern der NS-Diktatur gewandelt und dafür den Tod unterm Fallbeil in Kauf genommen haben. Sie hat recht, die SPD, mit dem Hinweis, dass bauliche Relikte mehr sagen als 1000 Worte. Gegen all das ist nichts einzuwenden.

Aber: Braucht es für die Erinnerung an zwei außergewöhnliche Persönlichkeiten zwei Meter eines banalen Zauns aus Haidhausen? Eines Zauns, der es nur zu einer gewissen Berühmtheit gebracht hat, weil sich Sophie Scholl an ihn lehnt, um ihren Bruder Hans sowie Alexander Schmorell und Willi Graf nach Russland zu verabschieden, wo sie als Sanitäter das Grauen des Kriegs erlebten.

Das Stück Zaun, das die SPD nach Ulm bringen will, erinnert fatal an die Diskussion um die Steine aus dem Einsteinschen Keller. Wer das Gedenken an die Scholls hochhalten will, sollte nicht einen rostigen Zaun ausstellen. Es geht heute vielmehr darum, sich immer wieder der Flugblätter der Weißen Rose bewusst zu werden und sich gegen Unrecht und für Menschenrechte einzusetzen.