Ulm / Chirin Kolb

Auf dem Parkplatz an der Schwambergerstraße in der Ulmer Oststadt wollen die Genossenschaft Heimstätte und die städtische Wohnungsgesellschaft UWS drei Wohnhäuser bauen. Diesem gemeinsamem Projekt unter dem Titel „Schwamberger Hof“ haben die Stadträte schon vor Monaten zugestimmt. Nun mussten die Pläne allerdings leicht verändert werden, weil ein Kanal dazwischen gekommen ist. Angenehmer Nebeneffekt für Stadtplaner und Stadträte: Durch die Umplanung können ein paar Wohnungen mehr entstehen.

Ursprünglich hatten Heimstätte und UWS auf dem Grundstück in der Nähe der Agentur für Arbeit und der AOK drei einzeln stehende Gebäude geplant, die sich um einen gemeinsamen Innenhof gruppierten. Was damals noch nicht bekannt war: In mehr als vier Metern Tiefe verlaufen auf einem Teil des Grundstücks in einem Betonrohr der Säghofbach als Hauptsammler für Regenwasser. „Das war zum Zeitpunkt des Wettbewerbs nicht bekannt“, stellte die Stadtverwaltung in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses dar.

Gestaltung der Fassade wichtig

Es wäre viel zu teuer und aufwendig, den Kanal zu verlegen, deshalb wurde die Planung an die Gegebenheiten angepasst. Aus drei einzelnen Gebäuden wurde ein zusammenhängendes. Bei einem solch wuchtigen Block sei die Fassadengestaltung besonders wichtig, mahnten die Stadträte. Die Stadtplaner sind mit dem Entwurf des Tübinger Architekturbüros Hähning und Gemmeke jedenfalls sehr zufrieden.

Das gilt für das gesamte Vorhaben. Aus mehreren Gründen. Es entstehen 78 Wohnungen, 15 mehr als im ersten Entwurf, und zwar durch die Bauherren UWS und Heimstätte „ausnahmslos als günstige Mietwohnungen“, wie Chef-Stadtplaner Volker Jescheck erläuterte. Bis zu 30 Prozent werden im geförderter Wohnungsbau entstehen. Im Bemühen der Stadt, neue Wohnungen zu schaffen und dabei auch nachzuverdichten, sei dieses Vorhaben sehr wichtig, sagte Jescheck. „Das wird sehr hochwertiges Wohnen zu einem sehr kleinen Preis. Die Stadt Ulm kann darauf stolz sein.“ CDU-Stadtrat Siegfried Keppler findet: „Wir haben in der Innenentwicklung wenig Grundstücke, die sich so für eine Bebauung empfehlen wie dieses.“

Die Stadtplaner sind noch aus einem weiteren Grund froh über die Bebauung des Parkplatzes. Er stelle in Verbindung mit dem Verwaltungs- und Behördenzentrum mit AOK, Agentur für Arbeit und Basteicenter einen „strukturellen Bruch im Gefüge der Oststadt“ dar. Vor allem die Gebäude von AOK und Arbeitsagentur liegen nach Ansicht der Stadtplaner „stadträumlich isoliert“. Die „fragmentarische Bebauung“ an der Schwambergerstraße mit dem Polizeigebäude unterstütze diesen Eindruck. Markante Wohnbebauung tue dem Quartier nur gut.

Es wird jedoch nicht nur neu gebaut, es wird auch Historisches zugänglich gemacht. Richtung Münchner Straße befinden auf dem Gelände unterirdische Gewölbe und Verbindungsgänge, denkmalgeschützte Reste der Bastion „Fuchsloch“ aus dem frühen 17. Jahrhundert sowie Teile der Bundesfestung aus dem 19. Jahrhundert. Die Stadt plant, diese unterirdischen Anlagen dauerhaft zu sichern und wieder zugänglich zu machen.

Einst Schlachthof und Wieland-Werke

Strukturwandel
Das Gelände rund um die Schwamberger Straße in der Oststadt hat einen tiefgreifenden Strukturwandel hinter sich. Das Quartier wurde bis zu den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg vor allem gewerblich genutzt. Nach dem Krieg blieben zunächst der städtische Werkshof und das städtische Schlachthaus erhalten. 1987 wurde der Schlachthof ins Industriegebiet Donautal verlegt. Bis 1982 hatten die Wieland-Werke an der Wielandstraße ihren Firmensitz, dann zog das Unternehmen mit Produktion und Verwaltung ins neue Werk ebenfalls ins Donautal. Auf dem Gelände in der Oststadt entstanden Wohnungen. Das Verwaltungsgebäude blieb stehen, dort befindet sich das städtische Sozialamt. Auf der anderen Seite der Schwambergerstraße bauten AOK und Agentur für Arbeit.