Baustelle Auf der Suche nach Orientierung am Bahnhof

Ulm / Von Harald John 10.04.2018
Wegen des Parkgaragenbaus führt am Bahnhof eine Zickzack-Route vom Steg bis zur Haltestelle. Auch in der Bahnhofstraße wird es eng.

Der letzte verbliebene Baum in der Bahnhof­straße ist ein beliebter Treffpunkt, nicht nur bei Menschen mit viel Tagesfreizeit. Auch die Kommunalpolitik und der Handel haben zuletzt oft über die drei Bäume – von denen zwei bereits weichen mussten – und ihr Umfeld diskutiert. Denn wegen des bevorstehenden Abrisses des Hauses Bahnhofsplatz 7 (wir berichteten) wird der Durchgang an der Ulmer Diagonalen verengt, schon in den kommenden Tagen soll der Bauzaun aufgestellt werden. Und damit wird die Bahnhofstraße zum Nadelöhr.

Stadtplaner Helmut Kalupa erläuterte bei einem Rundgang, zu dem die Ulmer CDU eingeladen hatte, wie es am Ende der Hirschstraße weitergeht. Damit C&A weiterhin mit Ware beliefert werden könne, bleibe die Einfahrt von der Friedrich-Ebert-Straße aus offen, deshalb verenge sich der Fußweg auf wenige Meter. Da hier die Bäume im Weg gestanden hätten, mussten sie weichen. Baum drei bleibe aber auf jeden Fall erhalten, versichert Kalupa: „Der wird nicht weggemacht.“

Noch komplizierter ist die Situation auf der anderen Seite der Friedrich-Ebert-Straße, wo der Bau der Tiefgarage zu einer neuen Unübersichtlichkeit geführt hat (siehe Umfrage). Wer vom ZOB West über den Bahnhofsteg kommt, muss zunächst scharf rechts Richtung ZOB Ost laufen, dann links abbiegen und weiter links an der Friedrich-Ebert-Straße entlang zur Straßenbahnhaltestelle. „Das sind rund 800 Meter Weg“, hat CDU-Stadtrat Hans-Walter Roth gemessen. Für Ältere und Menschen mit Behinderung sei das unzumutbar. Sein Parteikollege Siegfried Keppler schlägt deshalb einen provisorischen Steg vor, der entlang der Baugrube die wenige Meter vom Stegabgang bis zur Bahnhofshallestelle überbrückt.

SPD-Stadtrat Martin Rivoir hatte zuvor bereits an die Bahn geschrieben und angeregt, einen Durchgang südlich des Bahnhofsgebäudes anzulegen. In einem Brief an Bahnvorstand Roland Pofalla schreibt er: „Das würde die Situation entspannen, da die Passanten am östlichen Fuße des Bahnhofsstegs direkt auf den Bahnsteig gehen können.“ Dies wäre eine „grundlegende Erleichterung für Pendler.“ Für den Durchgang südlich des Intercity-Hotels, in dessen Keller schon herumirrende Pendler angetroffen wurden, müsse nur ein Zaun entfernt und ein zehn Meter langer Weg angelegt werden.

Stadtrat Roth sorgt sich angesichts der Baustellen um das Einstein-Denkmal, schließlich sei es „der einzige Fingerzeig“ auf das Einsteinsche Geburtshaus. Die 24 Granit-Quader, aus denen Max Bill das Denkmal schuf, sollen „eingehaust“ werden, um die Abrissarbeiten schadlos zu überstehen. Wo jetzt noch das geräumte Ärztehaus steht, entsteht nach dem Abriss ein Hotel mit 150 Betten. Das Gebäude, das nach dem Siegerentwurf des Ulmer Büros  Mühlich Fink entsteht, bekomme, versichert Stadtplaner Kalupa, eine „wunderschöne, besondere Fassade“ und Ulm damit ein „grandioses Entree“.

Direkt über den Zaun zum Bahnhofssteg

Umfrage Ramona Stehle (28) steht stellvertretend für den generellen Unmut am Steg: „Wenn man Zeit hat, kann man die Unannehmlichkeiten hinnehmen. Aber wenn man es eilig hat, ist das blöd.“ Manche Pendler kommen vom ZOB Ost und sind sauer, wenn sie merken, dass sie den Weg umsonst gelaufen sind und vor zur Straße müssen. – so wie Ali Abdul (25): „Kompletter Blödsinn ist das hier. Ich habe keine Ahnung, wo es langgeht.“ Viele meinen, dass die Umleitungen schlecht ausgeschildert sind. Viele Leute sind mit der gesamten Baustellenlage in Ulm unzufrieden. Manfred T. (74) sagt: „Für Autofahrer ist diese Stadt eine Katstrophe“. Andere Leute, andere Probleme: „Mich nervt der Lärmpegel. Der verdirbt einem die Laune und sorgt für unnötigen Stress,“ sagt Liam Veit (22). Für viele Passanten gab es nur eine Rettung: Der Interviewer wurde zum Wegweiser. Einer jungen Dame war nicht zu helfen. Sie kletterte von Gleis 1 über den Zaun zum Bahnhofssteg. faw

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