Sehenswürdigkeiten Auf der Durchreise

Ulm / Beate Rose 25.08.2018

Ein Ulm-Besuch ohne Münster, Fischerviertel und Donau? Undenkbar. Weswegen Kerstin Hampel, Leiterin der Tourist-Information, auch den Aufstieg auf den Turm empfiehlt und einen Spaziergang durch die Altstadt. Das jedoch für Besucher, die in die Information im Stadthaus kommen und fragen, was sie in zwei bis drei Stunden von der Stadt sehen können. Jenen rät Hampel einfach zu den Highlights unter den hiesigen Sehenswürdigkeiten. In diesem Sommer sei „generell viel los“, sagt sie, was ihrer Meinung nach mit am „beständig schönen Wetter“ liegt. Von Jahr zu Jahr steuern mehr Leute Ulm an. Dabei machen die wenigsten Reisenden richtig Urlaub in Ulm, sondern bleiben laut Statistik durchschnittlich 1,62 Tage in der Stadt. Die meisten Besucher sind also auf der Durchreise. Was schauen sie sich in Ulm eigentlich an und zwar abseits ausgetretener Touristenpfade?

Bad in der Donau

„Ulm ist so schön ruhig“, sagt Marta Granero, die ihren Mann Fernando zur Tennis-Senioren-Weltmeisterschaft nach Ulm begleitet hat. Seit 15. August ist das spanische Ehepaar in der Stadt, am Sonntag geht die WM zu Ende. In Ulm hat sich Fernando Granero natürlich vor allem aufs Tennisspiel konzentriert. Doch Zeit blieb dem Ehepaar, um abends etwa durchs Fischerviertel zu schlendern und dort in einem Lokal zu essen. An diesem Tag genießt das Ehepaar ein Picknick an der Donau. Wenige Stunde zuvor hat Fernando Granero sein Einzel haushoch gewonnen. Jetzt gönnen sich beide Picknick plus Bad in der Donau. „Ulm ist so schön grün“, schwärmt Marta Granero. Das mag Ansichtssache sein angesichts des verbrannten Rasens am Donauufer. Doch sie vergleicht Ulm mit Madrid, ihrem Wohnort. In Madrid sei es derzeit so heiß, dass sich niemand auch nur draußen aufhalten will. Deswegen: Für die Spanier grünt’s in Ulm.

Mit dem Rad zum Markt

„Ich war schon oft in Ulm. Jetzt musste mein Mann mal mit“, sagt Renate Hüttinger im resoluten Ton. Sie und ihr Mann Wolfgang leben in München. In diesem Sommer haben sie keine Zeit für einen längeren Urlaub gefunden, deswegen unternehmen sie Tagesausflüge. Nach Ulm sind sie zwar mit dem Auto angereist, haben aber ihre Räder mitgenommen und sind jetzt damit in der Stadt unterwegs. Auf dem Münsterplatz suchen sie die Tourist-Information, vor lauter Marktständen sehen sie sie aber nicht. Also, noch schnell zwei Birnen als Proviant gekauft. Renate Hüttinger schaut sich noch nach einem Stück Käse um, denn Käse mag sie gerne. Überhaupt, der Markt gefällt dem Ehepaar. „Ihr habt’s so nette Kartoffel- und Apfelsorten“, sagt sie. Bei vergangenen Ulm-Besuchen war Renate Hüttinger bereits auf dem Münsterturm – „wen man oben steht, meint man ja, der Turm wackelt“ – doch heute plant sie etwas anderes. „Wir wollen mit dem Fahrrad nach Blaubeuren zum Blautopf.“ Für sie steht fest: „Ich komme wieder.“ Spätestens dann, wenn sie, die als Kita-Leiterin arbeitet, in Rente geht, will sie öfters nach Ulm reisen, etwa um Ausstellungen anzuschauen. „Ulm ist ja von München überhaupt nicht weit.“

Ab auf den Spielplatz

Am Vortag Legoland, am kommenden Tag Schwarzwald und dazwischen ein Tag in Ulm – das sind die Reisepläne von Noemie Carrere, ihrem Mann Julio del Prado und den beiden Töchtern Marina (5) und Maja (eineinhalb). Die Familie aus Barcelona mag große Städte eher nicht, es zieht sie eher in die Natur, sagt Vater Julio. In Ulm haben sie sich „die Kirche“ und den Markt angeschaut. Die Eltern wollen durchs Fischerviertel laufen und noch unbedingt an die Donau, doch die Kinder zieht’s zum Spielplatz. Bei Reisen mit Kindern dürfe man nicht zu viel Programm machen, sagt er. Pausen sind wichtig, wie jene auf dem Schiff-Spielplatz an der Blau. Die Schwestern wollen auf dem hölzernen Schiff klettern, vor allem Marina will die Rutsche ausprobieren, und die Eltern flitzen hinterher. Für die Familie steht bereits fest: „Ulm ist eine nette Stadt.“

Was Touristen wissen wollen und was die Expertin empfiehlt

Beratung Die Anlaufstelle für Touristen ist natürlich die Tourist-Information im Stadthaus. Beratungen sind nach wie vor beliebt und zwar bei Jüngeren wie Älteren, berichtet Kerstin Hampel, Leiterin der Tourist-Information. Vor allem die Stadtführungen sind gefragt. Wer die mitgemacht hat und anschließend in die Servicestelle kommt und wissen möchte, was man sich noch anschauen könnte, dem empfiehlt Hampel die „alternative Route“ durch die Stadt. Die ist auf einem kleinen Stadtplan eingezeichnet und führt unter anderem ins Viertel „Auf dem Kreuz“. Der Plan liegt in diversen Sprachen vor, und Touristen sind immer wieder erfreut, dass sie den Stadtplan kostenfrei bekommen.

Skurriles Museum Viele Ulm-Besucher fragen nach Ausstellungen zu Einstein, und manche sind überrascht, dass es kein Einstein-Museum in Ulm gibt. Hingegen fragen „nicht so viele“ nach den Höhlen im Ach- und Lonetal, die zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurden und in denen unter anderem der Löwenmensch gefunden wurde. Abseits ausgetretener Touristenpfade empfiehlt Hampel für „Leute, die ins Grüne wollen“, den Höhen-, den Schmetterlings- und den Festungsweg. Oder eine Tour mit den Stadträdern, die die Tourist-Info verleiht. Nur müssen da die Tourismus-Fachfrauen abschätzen, wer Rad fahren kann, eine Fähigkeit, die nicht alle Touristen mitbringen. Auch für Ulmer interessant, da es immer noch nicht so bekannt sei, ist das „Haus der Stadtgeschichte“ im Schwörhaus oder „Herr Zopf’s Friseurmuseum“, für Hampel eine etwas skurriles Museum. Sie empfiehlt außerdem einen Flug mit dem Simulator „Birdly“, mit dem es dank Brille und Kopfhörer über die Ulmer Altstadt von 1890 geht. Karten? „Manchmal hat man mit spontanen Anfragen am meisten Glück.“ Unter der Woche versteht sich.

Statistik Die Übernachtungszahlen steigen und steigen, hat die Ulm/Neu-Ulm-Touristik in ihrer Halbjahresstatistik kürzlich mitgeteilt (wir berichteten). In Zahlen heißt das: Zwischen Januar und Juni gab es 416 972 Übernachtungen und damit 37 500 mehr als im ersten Halbjahr 2017. Die ausländischen Gäste- und Übernachtungszahlen sind in Ulm stärker gewachsen als die Zahl inländischer Gäste, in Neu-Ulm ist die Tendenz genau umgekehrt. Die meisten Touristen aus dem Ausland kommen weiterhin aus den Niederlanden, gefolgt von der Schweiz und Italien. Außerhalb Europas kommen die meisten Besucher aus den USA.

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