Internet Auf dem digitalen Beschleunigungsstreifen

Ulm / Harald John 08.06.2018

Schnelles Internet? Langsames Internet? Die Beschleunigung der Ulmer Datenleitungen steht ganz oben auf der Agenda der Stadt. Zwar würden 95 Prozent der Anschlüsse über eine Geschwindigkeit von 50 Mega-Bit (mbit) verfügen, aber das Netz mit seinen Kupfer- und Koaxialkabeln gerät auf Sicht an seine Grenzen, erläuterte SWU-Chef Klaus Eder im Innovationsausschuss des Gemeinderates. Dieser neue Ausschuss soll künftig Digitalthemen von Hard- und Software über die Aktivitäten der Geschäftsstelle „Digitale Agenda“ (Verschwörhaus, Zukunftsstadt 2030) bündeln und vernetzen.

Eder zeigte anhand Grafiken, wie sehr sich der Datenhunger der Ulmer in den vergangenen Jahren sowohl gewerblich wie in Privathaushalten vergrößert hat. Der Hintergrund: Immer mehr Programme benötigen große Datenmengen, immer mehr Anwendungen laufen über das Wlan. Ein simples Beispiel: Seitdem Fahrgäste in Bussen und Bahnen gratis im Internet surfen können, ist die Zahl der Internetaufrufe auf rund 750 000 im Monat gestiegen, so Stadtwerke-Chef Eder. Bei einer weiteren Zunahme müsse künftig jede Haltestelle mit einem Glasfaseranschluss ausgerüstet werden.

Derzeit liegen in Ulm rund 600 Kilometer Glasfaserkabel im Boden, sagte OB Gunter Czisch. Dieses Netz müsse in den kommenden Jahren stark ausgebaut werden. Schwerpunkte seien die Innenstadt und das Industriegebiet Donautal. Allerdings wolle man sich vor Billiganbietern schützen. „Es kann nicht sein, dass im Donautal die Kabel in nur 50 Zentimetern Tiefe verbuddelt werden“, sagte Czisch, „und dann die schweren Lastwagen drüberrumpeln.“

Auch Neubaugebiete wie das neue Areal „Am Weinberg“ sollen grundsätzlich mit Glasfaseranschlüssen angebunden werden. Wird irgendwo im Stadtgebiet gebuddelt, sollen künftig stets „Lehrrohre“ verlegt werden, in die später Glasfaser gesteckt werden kann. Ziel, so Czisch, sei der „vollständige Ausbau Ulms mit Glasfaser“.

Aber auch Quartiere wie der „Alte Eselsberg“ werden Bestandteil der digitalen Beschleunigungsoffensive. Auf einer offenen Datenplattform sollen künftig die Probleme des Stadtteils und künftige Lösungsansätze zwischen Anwohnern, Handel, aber auch Wissenschaft diskutiert und Lösungansätze erarbeitet werden.

Was derzeit noch nebulös klingt, soll ganz konkrete Fortschritte für das Leben im Quartier bringen. Und dazu einen Siegerplatz im Wettbewerb „Digitale Zukunftskommune@bw“ des Landes, für den sich Ulm mit dem Projekt Alter Eselsberg beworben hat. Harald John

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