Neu-Ulm Auch in Ulm gibt es kreativen Druck

Ein Verleger- und Autorenfest im Neu-Ulmer Café D'Art mit (von links): Marco Kerler, Rasmus Schöll, Florian L. Arnold, Marion Hartlieb, Tommi Brem, Marin Gehring und Wibke Richter.
Ein Verleger- und Autorenfest im Neu-Ulmer Café D'Art mit (von links): Marco Kerler, Rasmus Schöll, Florian L. Arnold, Marion Hartlieb, Tommi Brem, Marin Gehring und Wibke Richter. © Foto: Volkmar Könneke
ELVIRA LAUSCHER 28.04.2016
Wie kann sich ein kleiner Verlag auf dem großen, umkämpften Büchermarkt halten? Ein Abend im Café D'Art der Literaturwoche Donau.

Die Verlage danubebooks, edition dreiklein und Topalian & Milani sind so unterschiedlich wie ihre Namen und die Motive der Gründung. Ihre Verleger sprachen im Café D'Art darüber, warum sie das Wagnis eingingen, sich als kleine unabhängige Verlage auf einem hart umkämpften Markt zu behaupten. Spaß, Freude am Produkt und die Begeisterung für die Sache waren durchgängig zu spüren.

Thomas Zehender, freier Journalist und Texter, startete mit einem Buch über den HfG-Designer Sieger Heinzmann. "Ich wollte dieses Leben zwischen zwei Buchdeckeln wissen." Da er gleichzeitig seine Liebe zur Donauregion entdeckte, nannte er seinen Verlag danubebooks. Seit Anfang 2015 sind mehrere, meist mehrsprachige und liebevoll gestaltete Bücher erschienen. Vom Bildband aus Slawonien über eine Familienchronik aus Südungarn bis zum Sachbuch und Roman reicht das Sortiment.

Für die Textildesignerin und Grafikerin Marion Hartlieb war das erste Buch eine Art Befreiungsschlag. "Prinzessin Tadaah" erzählte und illustrierte sie, um sich von nervigen Kunden zu erholen. Dafür durfte ihre Prinzessin lautstark durch das Buch toben, das ebenso kreativ und frisch daher kommt wie ihre zwei anderen Kinderbücher. Erschienen sind alle in der edition dreiklein, genannt nach ihrer französischen Firmenbezeichnung "troismini". Ihr witziges Buch über die verträumte Kiki, die die Welt etwas anders sieht als ihre Eltern, wurde übrigens auch ins Französische übersetzt. Der Verlag, der von Martin Gehring 2011 gegründet wurde, hat für die nächste Zeit viele Pläne. So soll unter anderem die "Volkslyrik" von Marco Kerler veröffentlicht werden, und auch Katzenliebhaber kommen mit einem Buch über "kätzische Lebensphilosophie" auf ihre Kosten.

Martin Gehring, der als Autor selbst in anderen Verlagen veröffentlicht, wurde jüngst für seinen Hühner-Western "El Pollo - Die Entscheidung in der Sierra Chica" mit dem Buchpreis der Unknown Buchmesse Essen ausgezeichnet. Im Cafe D'Art las er eine Kurzgeschichte über die blauen LKWs von Rapp-Bier und glücklichen Tiere auf dem Weg zur Schlachtbank. Auf die Frage der Moderatorin Wibke Richter, wie sich der Verlag finanziere, meinte der Autor: "Gar nicht. Wir haben Brotberufe, und der Verlag ist unser teures Hobby."

Auch Marco Kerler kann nicht von seinen Texten leben, obwohl er viele Ideen hat. Wie seine Live-Literaturperformance "Volkslyrik", bei der er auf der Messe "Kunstschimmer" Gedichte für fremde Menschen schrieb. Spontan rappte er im D'Art gemeinsam mit den zwei Musikern, Sebastian Seliger und Konrad Bizer, die als "Roadstring Army" mit selbstgeschriebenen Rock-Pop-Folk-Stücken an den Akustikgitarren musikalisch für Abwechslung zwischen den Worten sorgten.

Der dritte Verlag, Topalian & Milani, wurde von den Machern der Literaturwoche Donau, Florian L. Arnold und Rasmus Schöll, gegründet. Der Verlagsname ist eine Hommage an vergessene Namen. Arnolds Großvater hieß Topalian, Schöls Großmutter Milani. Sie wollen Bücher machen, die inhaltlich und optisch ein Fest sind. Ein 900 Gramm schwerer Wälzer, an dem der Autor Tommi Brem sechs Jahre schrieb, begeisterte bereits die Lyrikerin Nora Gomringer. "Appendix Dick" heißt das Werk, und Brem hat darin alle Namen im Werk des amerikanischen Autors Philip K. Dick aufgeschrieben. Mehr ein Kunstprojekt denn Literatur. Demnächst sollen aber zwei "unterschätzte Novellen" von Stefan Zweig im Verlag erscheinen.

Leider zog sich der Abend nach der Pause in die Länge und erinnerte mehr an eine Verkaufsveranstaltung als einen Literaturabend.