Jazz Atemberaubend: Silke Eberhard im Stadthaus

Ulm / Albert Hefele 09.10.2018

Silke Eberhard konnte sich nicht so richtig erinnern: „Weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal in Ulm gespielt habe.“ Eines ist sicher: „Schon lang her. Zweistellig.“ Eigentlich seltsam, denn diese große, international beachtete Saxophonistin, die im Stadthaus die Saison des Vereins für moderne Musik eröffnete, ist sozusagen einheimisch: in Heidenheim geboren, hinaus in die Welt gezogen, in Berlin lebend.

Mit ihrem Charles-Mingus-Programm „I am three“ trat sie auf. Das ist nix für Anfänger. Harter Stoff. Die Kompositionen des Bassisten Mingus zählen mit zum Komplexesten, was es im Jazz gibt. Was ist das? Wie sollte man diese Musik einordnen? Auch Bebop, aber da funkelt und scheint auch von allem anderen was durch. Europäische Klassik und Avantgarde, Gospel, Blues. Charles Mingus hat vor nichts halt gemacht und sich überall souverän bedient.

„Moanin’“ und „Opus4“ zeigten den Fans gleich, wohin die Reise geht. Große Musik für großartige Musiker. Dieses Programm heißt nicht umsonst: „I am three“. So beginnt die Autobiografie von Charles Mingus, dieser Titel trifft aber genauso für das Trio zu. Es ist eine Einheit, ein musikalischer Körper von selten gehörter Dichte und Wucht. Neben Silke Eberhard ist da Trompeter Nikolaus Neuser, der bei Bedarf schön und geschmeidig spielen kann, sich aber lieber mit der Chefin in atemberaubende Achterbahnfahrten von sich virtuos überlagernden und ergänzenden Bläsersequenzen stürzt. Angetrieben vom vor Kraft strotzenden und  immer wieder beeindruckend explodierenden Christian Marien an den Drums. Ein Trio ohne Bassist, das die Musik eines Bassisten spielt?

Kein Problem für die drei, kein Problem vor allem für Silke Eberhard. In jeder Phase vollkommen  souverän, leitete sie die Band durch die Untiefen dieser Musik zu ihrem persönlichen Höhepunkt: „Orange Was the Colour of Her Dress Then Blue Silk“. Ein Beweis für die Vorliebe von Charles Mingus für lange Musiktitel und – vor allem – laut Frau Eberhard „die allerbeste Nummer, die jemals auf der ganzen Welt geschrieben wurde. . .“

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