Tanz Atemberaubend: „Strado Compagnia Danza“ im Stadthaus

Tänzerisch und mimisch holten die Akteure an diesem Abend alles aus sich heraus.
Tänzerisch und mimisch holten die Akteure an diesem Abend alles aus sich heraus. © Foto: Nik Schölzel
Ulm / Udo Eberl 04.08.2018
Sechs Choreografien, fünf Tänzer: Das Ensemble bietet von „Kopf bis Fuß“ einen mehr als gelungenen Abend.

Premierenfieber sieht anders aus. Domenico Strazzeri, Chef der Strado Compagnia Danza versprach dem Publikum im ausverkauften Stadthaus einen heißen Tanzabend. Und ja, die fünf Akteure hatten „viel Schweiß und so manches Aua“ nicht umsonst investiert in einen Abend, dessen bewegte Ausprägungen kaum unterschiedlicher hätten sein können. Wie auch der Mensch und sein Körper, die diesem Szenen-Erlebnis zu Grunde liegen.

Spannend, wie unterschiedlich mit Strazzeris inhaltlicher Vorgabe umgegangen wurde. Allein die Text-Überleitungen zwischen den Stücken waren Fluch und Segen zugleich. Man erfährt zwar einiges über die Choreografien, doch gänzlich frei kann man das Bewegte nicht auf sich wirken lassen.

Federleichter Fluss

Die Leipzigerin Martina La Bontè, einst machte sie ihre ersten professionellen Schritte in der Ulmer B.W. Gung Tanzkompanie, führte in ein perfektes Zusammenspiel und einen federleichten Fluss der Bewegungen. Die fünf Tänzer wurden zu sich stetig wandelnden Organismen und Lebend­skulpturen, übten die Ausgrenzung und Aggression, um sich in „L’embrassement“ dann wieder in die wärmende Umarmung gleiten zu lassen, in der man all die Steine vom Herzen fallen lassen konnte.

Was für ein krasser Gegensatz dann die Auseinandersetzung mit Ibsens „Peer Gynt“ und collagenhaft auch mit der so populären Musik von Edvard Grieg. Trolle, Hexen, Trugbilder und Seelenqualen – auch hier war der Peer von reichlich Tollerei umgeben und vor allem von den Geistern, die er selbst gerufen hatte. Ein herrlich überdrehtes, schön schräges Stück mit starken theatralischen Momenten.

Noch vor der Pause gab Lorenzo Ponteprimo, gerade noch der stattliche Peer, erstmals als Choreograf seine Visitenkarte ab. Lässt sich Politik und vor allem populistisches Gehabe in Bewegung fassen? In „Trumpet“ wurden die Grenzen zwischen dumpfem Gleichschritt und Workout fließend. Lässige Souveränität ohne intellektuellen Nährboden stand purer Geltungssucht und Selbstberauschung gegenüber, ideal dargestellt von Cecilia Ponteprimo im artistischen Körperextrem. Die Folge: der zwangsläufige Kollaps nach dieser getanzten Hyperventilation. In Strazzeris Choreografie „Claudia“ wurde der Mensch sozusagen tänzerisch seziert, neu gebaut und erfunden, unterschiedlichste Möglichkeiten der Kommunikation wurden erprobt. Großartige Bilder im Sekundentakt. Strazzeri in Bestform.

Und es ging noch mehr. Ines Meißner und Lorenzo Ponteprimo zelebrierten in Ricardo Fernando „Voices“ ein übergeordnetes Beziehungsgeflecht, das direkt aus der Isolation führte und hinein in einen Pas de Deux der Extraklasse. Die Musik, die getanzten Motive, die technische Finesse – ein großes Ganzes, niemals atemlos, aber atemberaubend. Zum finalen „Stray Dogs“ von Paolo Fossa gesellten sich noch Marcella Centenero, Cecilia Ponteprimo und Jeff Pham hinzu: die extrem stark getanzte Rudelbildung mit all den kleinen und großen Kämpfen als bedrohlich-intensives Finale eines mehr als gelungenen Choreografen-Abends, in dem das Ensemble tänzerisch wie auch mimisch alles aus sich herauszuholen bereit war. Der Premierenbeifall des sachkundigen Publikums war entsprechend lang und euphorisch.

Die weiteren Aufführungen

Den Choreografen-Abend „Kopf bis Fuß“ der Strado Compagnia Danza in Kooperation mit dem Stadthaus Ulm kann man dort heute, Samstag, und morgen, Sonntag, sowie vom 8. bis. 12. August jeweils um 20 Uhr sehen. Ticket-Reservierungen unter Telefon: 0172/677 99 84.

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