Urteil Arzt muss wegen Dopingmittel-Produktion in Haft

Ein 39 Jahre alter Arzt aus Neu-Ulm hat im Heimlabor in großem Umfang Arzneimittel hergestellt und verkauft, die zur Steigerung der Muskelkraft führen.
Ein 39 Jahre alter Arzt aus Neu-Ulm hat im Heimlabor in großem Umfang Arzneimittel hergestellt und verkauft, die zur Steigerung der Muskelkraft führen. © Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
DPA 04.12.2015
Ein Arzt aus Neu-Ulm hat in seiner Wohnung große Mengen Dopingmittel hergestellt und später an Kraftsportler verkauft. Dafür muss er jetzt drei Jahre und acht Monate hinter Gitter.
Weil er im Heimlabor in großem Umfang Dopingmittel hergestellt und später verkauft hat, muss ein Arzt aus
Neu-Ulm für drei Jahre und acht Monate hinter Gitter. Das Landgericht Memmingen verurteilte den 39-Jährigen am Freitag wegen unerlaubten Herstellens, Besitzes und gewerbsmäßigen Inverkehrbringens von
Dopingmitteln.

Als „skrupellos und verantwortungslos“ bezeichnete die Vorsitzende Richterin das Handeln des Mediziners. Er sei mit seiner Arbeit in der Klinik unzufrieden gewesen, habe sich „ausgebeutet und schlecht bezahlt“ gefühlt und eine neue Geldquelle gesucht. „Er wollte sich ein dauerhaftes und ansehnliches Nebeneinkommen verschaffen.“ Seine Approbation habe der Mediziner inzwischen freiwillig zurückgegeben.

Von April 2012 bis zu seiner Festnahme im August 2014 hat der Arzt den Ermittlungen zufolge in seiner Wohnung Arzneimittel hergestellt, die zur Steigerung der Muskelkraft führen. Dabei handelte es sich um
anabole Steroide mit den Wirkstoffen Testosteron und Trenbolon. Die Grundstoffe zur Herstellung der Dopingmittel hatte er im Kilobereich in China bestellt und an die Adresse der Universitätsklinik Ulm
liefern lassen, wo er beschäftigt war.

Die im Heimlabor produzierten Ampullen und Kapseln verkaufte der Mediziner später nach Auffassung des Gerichts gewinnbringend an Freizeitsportler aus der Bodybuilderszene. Die Angaben des Angeklagten, er habe die Arzneimittel zu Forschungszwecken und zur Selbstmedikation hergestellt, wurden dagegen als unglaubhaft
zurückgewiesen.

Die Staatsanwaltschaft hat sechs Jahre und drei Monate Haft für den Mediziner gefordert. Die Verteidigung hatte in ihrem Plädoyer eine Geldstrafe für angemessen gehalten, die durch die verbüßte Untersuchungshaft bereits abgegolten sei.