„Ich würde jetzt an eurer Stelle nicht zu genau malen, nicht so symmetrisch, sondern etwas durcheinander“, sagt Alina Löwenstein. Die junge blonde Frau trägt eine Malerschürze und leitet gerade einen bunten Haufen an, Eiffeltürme zu malen. Und zwar im Schatten des Ulmer Münsters … Es ist Mittwochabend und die etwa zwanzig – überwiegend junge – Leute, die an den kleinen Tischen des „Fruchtrausch“ sitzen, erregen große Aufmerksamkeit unter den Passanten. Dort, wo tagsüber Smoothies getrunken werden, findet am heutigen Abend ein Malkurs statt. Das Konzept heißt „ArtNight“ und wurde 2016 unter anderem von einer jungen Unternehmerin, die ursprünglich von der Alb kommt, in Berlin gegründet.

ArtNight: Nebenjob als Kursleiter für Kunstinteressierte

Alina Löwenstein erzählt, wie es dazu kam, dass sie heute hier steht und Malwilligen zum Erfolgserlebnis verhilft: „Ich arbeite in Söflingen als Lohn- und Finanzbuchhalterin. Der Job ist gut, aber ich war schon immer kunstinteressiert und habe mich für einen kreativen Nebenjob interessiert.“ Also bewarb sie sich online bei „ArtNight“ und wurde prompt angerufen, musste ein Videointerview meistern, in dem sie auch etwas vormalen sollte – mit Erfolg. Pro Teilnehmer bleiben bei Alina nun fünf bis acht Euro hängen, je nachdem, wie viele mitmachen. Jeder zahlt 34 Euro, um dabei zu sein.

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Auf den Staffeleien sind schon die ersten Eiffeltürme erkennbar. Doch die bunten Leuchtpunkte, die ihn in der Dunkelheit umflirren sollen, fehlen noch. „Malt sie nun mit anderen Farben. Einfach wild drauf los“, sagt Alina Löwenstein. Ein paar schauen zögerlich, sind unsicher, andere tunken ihren Pinsel entschlossen in die Farbe auf ihrem Pappteller. Sarah Müller, die mit ihren zwei Schwestern und ihrer Mutter da ist, hat den Kurs auf Instagram entdeckt und ein Muttertagsgeschenk daraus gemacht. Sie sagt: „Ich finde es toll, nach Feierabend noch kreativ sein zu können.“ Aline Hartmann fügt hinzu: „Ich habe vom Konzept erfahren, als es bei der Fernsehshow ,Die Höhle der Löwen' gesehen habe. Damals gab es das nur in den Großstädten. Voll cool, dass wir es jetzt auch in Ulm haben.“

ArtNight in Ulm: Weitere Location „Apotheke“ und Café „Josi“

Alina Löwenstein hat in Ulm Locations ausgewählt, in denen sie sich mit ihrer Gruppe trifft. „Die Lokale haben auch etwas davon, weil die Teilnehmer etwas konsumieren und wir Zeiten füllen, in denen sie gerade eine Flaute haben.“ Weitere Kurse gehen beispielsweise in der Kultur-Apotheke oder auf der anderen Donauseite im Café Josi über die Bühne. Läuft also alles wie am Schnürchen für die junge Frau, die sich einen Traum verwirklicht hat ...

Sie denkt sich vor jedem Kurs ein neues Bild aus, das die Gruppe nachmalen kann. „Es muss passen. Und zwar auch für die, die zum letzten Mal in der Schule einen Pinsel in der Hand gehalten haben. Es soll für alle ein Erfolgserlebnis sein.“ Dann ruft sie: „So, macht mal eine Pause.“ Nix passiert. Wie immer. Alle sind so im Flow, dass sie nicht aufhören können. Deshalb bleibt dann auch Zeit, um herumzulaufen, sich neue Inspirationen zu suchen und neue Leute kennenzulernen.

Hier finden die nächsten „ArtNight“-Malkurse in Ulm statt:

- Donnerstag, 17. Oktober, 19 Uhr: Gewölbe Neu-Ulm, Motto: Löwe

- Donnerstag, 17. Oktober, 19 Uhr: Die Apotheke Ulm, Motto: Buddha yellow

- Sonntag, 20. Oktober, 18 Uhr: Café Josi, Motto: Akt in lila

Weitere Informationen und Kurs-Angebote in Ulm und Neu-Ulm gibt es auf der ArtNight-Homepage. Dieser Artikel ist in Kooperation mit cityStories Ulm entstanden.

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